Bilanz des Jubiläumslaufs

10. Freiburg-Marathon: Triple für Benz, entspannte Ärzte, gezeichneter Boxer

11.000 Teilnehmer, einen Triple-Gewinner, kaum Verletzte und ein Boxer, der über die volle Distanz gegangen ist: Das sind nur einige der Geschichten, die der Jubiläumslauf geschrieben hat.

Der dreifache Benz
"Das war der schönste Sieg von allen". So sprach der Mann, der am Sonntag seinen insgesamt dritten Sieg beim Freiburg-Marathon einfuhr. Denn der in Freiburg lebende Ulrich Benz durfte nach seinen Erfolgen beim Auftaktmarathon im Jahr 2004 ("der überraschendste Sieg") und beim knappen Kopf-an-Kopf-Rennen im Jahr 2008 ("der schwierigste Sieg") auch 2013 jubeln (Fotos: Gesichter im Ziel). Über die 42,195 Kilometer kam Benz nach 2:31:31 Stunden ins Ziel, rund fünfeinhalb Minuten vor dem Vorjahreszweiten Thomas Klingenberger aus Freiburg (2:36:52). Der hatte das Rennen bis zur Hälfte der Distanz angeführt, während Benz anfangs über Beschwerden klagte.

Auf Höhe des SC-Stadions brach Klingenberger ein und Benz zog vorbei. "Von außen haben die Menschen meinen Namen gerufen, das hat mich zusätzlich motiviert", so der Sieger. Platz drei ging an Gerhard Schneble (2:37:30), dem Gewinner von 2007. Den Marathonsieg der Frauen holte sich die Oberallgäuerin Heidrun Besler in 3:07:52 Stunden. Mit ihrer Zeit war sie, trotz des deutlichen Vorsprungs auf die Zweitplatzierte Sandra Reiss (3:11:59) und auf die Drittplatzierte Miriam Engel (3:14:06) nicht zufrieden. "Das war schlecht. Es war einfach zu kalt und zu windig", erklärte Besler angesichts einer Lufttemperatur von acht Grad Celsius. Auch deswegen waren die Streckenrekorde von Birgit Bartels (2:49:22 im Jahr 2008) und Bastian Franz (2:24:46 im Jahr 2012) nicht gefährdet.

Der Tempomacher
Ohne Menschen wie dem gebürtigen Schwaben Alexander Möbius ginge beim Marathon in Freiburg nichts. Möbius gehörte zu den sogenannten Pacemakern, also jenen mit exakter Zeitvorgabe und je einem orangefarbenen Luftballon ausgestatten Tempoläufern, die den anderen Läufern zur zeitlichen Orientierung dienen. "Schauen Sie doch nur in all die glücklichen Gesichter hier im Ziel", nennt Möbius den Grund, weshalb er gerne Tempoläufer sei. Und bei den ganz Kleinen, so Möbius, ist es der riesige Ballon, der am besten ankommt.

Ein Hauch von Rimini
Als kurz nach zwölf Uhr klar war, dass bei der Zielankunft des Halbmarathonsiegers Italienisch-Kenntnisse gefragt waren, stockte einigen Pressevertretern der Atem. Entwarnung gab dann der Sieger Gian Luca Borghesi aus Italien persönlich – und beantwortete die ihm gestellten Fragen auf Englisch. "Gut gefühlt", habe er sich bei seinem Sieg nach 1:09:05 Stunden. Seinen Verfolgern, dem zweitplatzierten Bad Säckinger Felix Köhler (1:09:43) und dem Dritten Daniel Hummel (1:10:09), hatte der aus Rimini stammende Borghesi keine Chance gelassen. Ausnahmslos Deutsch wurde bei den Frauen gesprochen, wo die in Freiburg lebende Ex-Triathletin Kathrin Müller nach 1:18:12 Stunden vor Susanne Gölz (1:20:22) und Anja Röttinger, geborene Schnabel (1:23:40) gewann. Ansonsten hätten Sprachtalente an diesem Marathon ihre Freude gehabt: Teilnehmer aus 54 verschiedenen Ländern waren in Freiburg dabei, darunter aus Afghanistan, China und von der im Indischen Ozean gelegenen Weihnachtsinsel.

Die gute Nachricht
Die wichtigste Nachricht des Tages lieferte der leitende Notarzt Peter Strohm, der im Zielbereich mit seinem Team die ankommenden Läuferinnen und Läufer betreute. "Bis auf ein paar Muskel-, Sprunggelenks- und Kreislaufprobleme war es ruhig bei uns", berichtete Strohm und erinnerte an den Hitzemarathon im Jahr 2011, als viele Läufer mit Kreislaufproblemen vorzeitig aufgeben mussten: "Kein Vergleich zu damals" sagte Strohm über den Einsatz.


Keiner ging leer aus
Viereinhalb Stunden waren seit dem Startschuss verstrichen, doch bei Kilometer 41, der letzten Verpflegungsstation vor dem Ziel gab es immer noch Arbeit für Norbert Künzle und seine Betreuer. "Es ist aber längst nicht mehr so stressig wie am Morgen", berichtete das Mitglied der Sportfreunde Eintracht Freiburg. Aber auch die letzten tapferen Läufer gingen nicht leer aus, Bananen und Isogetränke waren reichlich vorhanden. "Die Profis lassen die letzte Station meistens links liegen. Die, die jetzt noch kommen, sind über eine kleine Stärkung umso glücklicher", so Künzle.



Die magische Grenze
Doch, ein bisschen unrund lief er schon. Zwar bestritt Luan Krasniqi (41), Ex-Profiboxer und mehrfacher Schwergewichts-Europameister, vehement, dass er nach seiner Halbmarathon-Teilnahme die Treppen zum Pressepodium nur humpelnd absolvierte. Aber darum ging es ja nicht. In 1:48:23 Stunden hatte Krasniqi den Halbmarathon absolviert und so den von Marathon-Organisator Gernot Weigl erwünschten Promifaktor in die Veranstaltung gebracht. Der zeigte sich dann auch angetan von der Veranstaltung: "Es macht uns sehr stolz, auch im zehnten Jahr über der magischen Grenze von 11000 Teilnehmern zu sein", so Weigl.

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von Matthias Eisele, Videos: Mario Kanzinger (4), Carlotta Huber (2)
am So, 07. April 2013 um 20:32 Uhr

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