Präfekt reagiert auf steigende Ansteckungszahlen

100 Schulen und Kitas im Elsass wegen Corona geschlossen

Im südlichen Elsass werden wegen der Ausbreitung des Coronavirus bis auf Weiteres 100 Schulen und Kitas geschlossen bleiben. Ausgangspunkt der Infektionskette ist wohl eine freikirchliche Gemeinde.

Die Zahl der Infektionen mit dem Coronavirus ist im Elsass bis zum Freitag auf 130 gestiegen. Davon entfallen 81 Fälle auf den südlichen Teil, den Haut-Rhin, insbesondere auf den Raum Mulhouse. Laurent Touvet, Präfekt des Haut-Rhin, kündigte am Freitag weitere Maßnahmen an, die eine Ausbreitung des Virus eindämmen sollen. Unter anderem sollen vorläufig etwa 100 Schulen und Kindergärten geschlossen werden.
Update: In den Départements Oise und Haut-Rhin bleiben in den kommenden 2 Wochen alle Schulen und Betreuungseinrichtungen für Kinder geschlossen, um eine weitere Ausbreitung einzudämmen.

Außerdem sind Veranstaltungen mit mehr als 50 Personen in geschlossenen Räumen untersagt. Sportveranstaltungen dürfen nur ohne Publikum stattfinden. Das Verbot gilt allerdings nicht für private Feste, ebenso wenig würden Betriebsfeiern oder der Handel, die Gastronomie und der öffentliche Nahverkehr eingeschränkt. Der Wahlkampf im Vorfeld der Kommunalwahl am 15. und 22. März darf weiter stattfinden werden. Die Wahllokale sollen allerdings systematisch mit Desinfektionsprodukten ausgerüstet werden.

Der maßgebliche Teil der Infizierten im Südelsass hat sich nach Erkenntnis der Behörden während einer Fastenwoche in der protestantischen Freikirche "Porte ouverte chrétienne" Mitte Februar in Mulhouse-Bourtzwiller angesteckt. Der Raum Mulhouse gilt deshalb als einer der wichtigsten Infektionsherde für das Coronavirus in Frankreich. An dem mehrtägigen Treffen der Freikirche hatten pro Tag mehrere Hundert bis zu mehr als 2000 Menschen aus ganz Frankreich, aus französischen Überseegebieten und nach Auskunft der Gemeinde auch aus der Schweiz und Deutschland teilgenommen. Von zahlreichen Infizierten aus anderen französischen Regionen ist bekannt, dass sie sich in Mulhouse aufgehalten hatten.

Im Klinikum Mulhouse werden derzeit 17 Patienten mit Covid-19 betreut, unter ihnen der Abgeordnete des Wahlkreises Altkirch Jean-Luc Reitzer. Er soll sich nach Berichten elsässischer Medien mit schwerwiegenden Symptomen in der Klinik in Mulhouse befinden. Die Sitzungswoche des Europäischen Parlaments wird kommende Woche angesichts der Verbreitung der Viruserkrankung in Frankreich nicht wie vorgesehen in Straßburg stattfinden, sondern in Brüssel.
von Bärbel Nückles
am Fr, 06. März 2020 um 15:05 Uhr

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