200 Wohnungen am "Stadtbalkon"

Neuordnung des Gebiets um das Reichswaisenhaus kommt am Mittwoch als Bebauungsplanentwurf in den Technischen Ausschuss.

LAHR. Rund um das Reichswaisenhaus in der Lahrer Oststadt soll ein hochwertiger Wohnstandort geschaffen werden. Das Reichswaisenhaus selbst und das Thaederhaus sind denkmalgeschützt und werden demzufolge erhalten. Dies geht aus dem Vorschlag für die erste Änderung des Bauungsplans Altenberg hervor, für den der Technische Ausschuss schon am kommenden Mittwoch den Aufstellungsbeschluss fassen soll. 200 Wohnungen sollen dort entstehen.

Das Gelände rund um das Reichwaisenhaus ist rund 6,9 Hektar groß, vier Hektar davon sollen einer hochwertigen Wohnbebauung zuführt werden. Der Südhang im Lahrer Osten ist durch Terrassen und Hangkanten, aber auch durch die denkmalgeschützten beiden Häuser vorstrukturiert. Sie sollen den Standort weiter charakterisieren, sie gelten stadtplanerisch als "Stadtbalkon". Alle anderen Gebäude werden abgerissen, sie stehen überwiegend leer und sind in einem schlechten Zustand. Die Bäume im offenen Gelände werden als nicht erhaltenswert eingestuft und können entfernt und/oder durch Neupflanzungen ersetzt werden. Der im Norden angrenzende Wald ist von der Planung nicht berührt, die erforderlichen 30 Meter Abstand sind eingehalten. Innerhalb des Plangebiets, das im Süden durch die Bürklinstraße begrenzt wird, soll der Wald zugunsten der Bebauung auf einzelnen Teilflächen zurückgenommen werden. Als Ersatz für die Waldumwandlung sind Aufforstungen zu leisten. Dazu wird ein forstliches Verfahren benötigt.

Die Verkehrserschließung knüpft im Westen an die Altvaterstraße und im Süden an die Bürklinstraße an. Der Forstweg im Osten wird für die Verkehrserschließung nicht in Anspruch genommen, weil dieser als Waldwirtschaftsweg der Naherholung und als Notzufahrt dienen soll. Der Planung kommt entgegen, dass das Gebiet sich schon heute auf zwei Ebenen befindet, wobei die untere Ebene durch eine Stichstraße mit ausreichend dimensionierter Wendeanlage erschlossen wird. Hier soll es vor allem freistehende Einfamilienhäuser und Doppelhaushälften geben. Die obere Ebene beim Stadtbalkon (also beim Reichswaisenhaus) bietet offene Besucherstellplätze auf einem Platz, der umfahren werden kann auch von Müllfahrzeugen. Es wird im Übrigen noch ein umfassendes Fußwegenetz geben, das den Zugang zum Naherholungsgebiet Altvater ermöglicht.

Die Stadtverwaltung spricht in ihrer Vorlage für den Technischen Ausschuss, später dann für den Gemeinderat von etwas 200 Wohnungen für das Neubaugebiet, in denen dann bis zu 450 Menschen wohnen können. Die dadurch zusätzlich entstehende Verkehrsbelastung wird als maßvoll angesehen. Ziel ist aber, den Verkehr auf ein Minimum als Ziel- und Quellverkehr zu begrenzen. Als Stellplatzschlüssel werden 1,5 Plätze je Wohnung im Bebauungsplan festgesetzt, im Wesentlichen soll es hangseitige Sockelgaragen geben.

Derzeit prüft die Stadtverwaltung, ob am Altvater ein geeigneter Standort für einen Kindergarten gegeben ist. Der Verein "Die Strolche" möchte gerne mit seiner Kita am Altvater bleiben und denkt darüber nach, die Einrichtung auf drei Gruppen zu vergrößern.

Neuer Eigentümer des Geländes ist die BHB Bauwert Holding GmbH, die für das Reichswaisenhaus eine eigene Objektgesellschaft gegründet hat. Verkäufer ist der Trägerverein Erstes Deutsches Reichswaisenhaus, der die Last des Eigentums spürte, auch deshalb, weil es kaum eine ausreichend wirtschaftliche Nutzung gegeben hat. Zwischen Stadt und BHB Bauwert ist noch ein städtebaulicher Vertrag zur Kostenübernahme zu schließen. Die Ausschusssitzung am Mittwoch, 13. Januar, beginnt um 17.30 Uhr im Rathaus II.
von Bruno Kohlmeyer
am Do, 07. Januar 2016

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