Goldene Startnummer

76-Jähriger aus Staufen nimmt zum zehnten Mal am Freiburg-Marathon teil

Wenn am 7. April zum zehnten Mal der Startschuss fällt für den Freiburg-Marathon, dann nimmt auch Reinhold Wolter aus Staufen das Siegertreppchen ins Visier – mit 76 Jahren und exklusiv mit goldener Startnummer, denn er zählt zum erlauchten Kreis von 28 Läufern, die bereits zum zehnten Mal die Laufschuhe schnüren in der Breisgaumetropole. Ob der sportliche Senior diesmal wieder unter den ersten Fünf landet?

STAUFEN. Wenn am 7. April zum zehnten Mal der Startschuss fällt für den Freiburg-Marathon, dann nimmt auch Reinhold Wolter aus Staufen das Siegertreppchen ins Visier – mit 76 Jahren und exklusiv mit goldener Startnummer, denn er zählt zum erlauchten Kreis von 28 Läufern, die bereits zum zehnten Mal die Laufschuhe schnüren in der Breisgaumetropole. Ob der sportliche Senior diesmal wieder unter den ersten Fünf landet?

Bei Reinhold Wolter in Staufen stapeln sich die Medaillen, 150 an der Zahl, und die Pokale (350) – Gold, Silber, Bronze. Marathon, Skilanglauf, Leichtathletik, Fußball, Mountainbike, Schneeradfahren, Motorsport – Reinhold Wolters sportlicher Elan ist nicht zu bremsen, ein Wettkampf folgt dem anderen, und regelmäßig landet er auf den vorderen Rängen. Aufgeben, das kommt für ihn nicht in Frage, mit eiserner Disziplin ist er seit früher Jugend in Bewegung.

Auch in diesem Winter hat sich die Medaillenjagd für ihn ausgezahlt: Bei der Weltmeisterschaft im Wintertriathlon auf 1 700 Metern Höhe über dem Aostatal. Als ältester Teilnehmer holte er in der Altersklasse M75 die Vizeweltmeisterschaft. Zuvor schon, Ende Januar, flog er nach Tartu in Estland zu den Europameisterschaften im Wintertriathlon: Cross-Lauf, Mountain-Bike und dann noch 5,4 Kilometer Skilanglauf bei Minus 10 Grad und eisigem Ostwind, kein Vergnügen, doch es brachte Wolter die Goldmedaille und den Titel des Europameisters. Im Februar trat er in Italien im Gsiesertal zum Skilanglaufmarathon an, erfolgreich: wieder Europameister.

Schnee, Regen, Sturm – all das kann Reinhold Wolter nicht abhalten. Bisweilen wird er bei der Siegerehrung sogar mehrfach aufgerufen. Regelmäßig hängt er Jüngere ab. Wie das geht? "Mit Disziplin", sagt der gebürtige Hamburger, der seit 1997 in Staufen lebt. "Ich habe sehr früh erfahren, was Sport einbringen kann." Schon mit zwölf Jahren – damals lebte er als Kriegswaise in einem Kinderheim – erkannte er die Vorteile. "Das war für mich eine Möglichkeit, Ansehen, gute Kontakte und Privilegien zu erlangen. Wenn man Erfolge für das Heim errang, gab es im Gegenzug mehr zu essen und bessere Kleidung", erzählt Wolter. Beispiel: "Wir hatten weiße Wäsche und ein kratzige Graue, und weil ich so gut Fußball spielte, bekam ich die edlere Version." Darüber hinaus durfte er als Heimchampion als Einziger in die Außenschule. "Im Grunde habe ich mir damit von Kind an meinen Lebensunterhalt verdient", sagt Wolter, der sich nach wie vor nicht scheut, nach dem Halbmarathon gleich noch Dutzende Kilometer zu skaten: "Da muss man durch."

Sein Leben besteht jedoch nicht nur aus Sport. Wolter ist gelernter Stahlbauschlosser und Schweißer. Er wurde von seinem Arbeitgeber im Alter von 24 Jahren nach Indien geschickt, um eine Ölpipeline zu bauen. Ein lukrativer Job, doch es war das Aus für eine Karriere als Profikicker. Dafür begann er nach seiner Rückkehr mit dem Motorsport. "Mein Konto war gut gefüllt nach dem zweijährigen Indieneinsatz, das war im Prinzip die Basis für mein ganzes Leben", sagt Wolter. Er kaufte sich erst mal einen Rennwagen, gründete seine eigene Firma und schmiedete Pläne für einen Hausbau.

Mit quietschenden Reifen auf europäischen Rennstrecken

"Mit den unterschiedlichsten Automarken und -typen habe ich dann auf vielen europäischen Rennstrecken Gas gegeben und Erfolge erzielt." Im Rahmen des Deutschen Rennsport-Championchips trat er auf der Asphalt-Piste gegen namhafte Kontrahenten wie Manfred Winkelhock oder Hans-Joachim Stuck an. Als sein wichtigstes Rennen nennt er den Skandinavien-Cup Ende der 1980er-Jahre . Die Weltelite ließ die Reifen quietschen, 54 Boliden am Start. Resultat: Platz 3.

Das Laufen betrieb er stets nebenher als Konditionstraining. Drei Mal erzielte er im Skilanglauf den "Master of Worldloppet", eine ganze Serie von Läufen.

Bei so viel Erfolg war es für Wolter nur konsequent, sich noch auf Triathlon zu spezialisieren. Mit 70 schnallte er sich erstmals Inline-Skates an, das sei das ideale Sommertraining. Krafttraining mache er ebenfalls und er liebe Zumba, ergänzt Wolter, und dann sagt er noch: "Wissen Sie, ich wollte immer mal Weltmeister werden." Ein Museum würde er auch gerne noch bauen, spannende Geschichten hat er genug, und Exponate zuhauf: Autos, Pokale, Medaillen.
von Susanne Müller
am Fr, 05. April 2013

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