Absonderliche Geschichten aus der Geschichte

Karl Heinz Ott präsentierte in Sulzburg seine "Heimatkunde Baden" / Ein Oberschwabe schreibt über seine Wahlheimat.

SULZBURG. Mit seiner "Heimatkunde Baden" ist Karl Heinz Ott nicht nur ein liebenswertes und interessantes Buch über seine Wahlheimat gelungen. Vielmehr leistet der Schriftsteller mit dem hübsch aufgemachten Bändchen aus dem Hofmann und Campe Verlag einen Beitrag zur Völkerverständigung. Denn auch wenn nicht ganz klar ist, wo Baden anfängt und wo es aufhört, so ist eines für die Badener sicher: Die Schwaben gehören keinesfalls dazu.

Dass mit Karl Heinz Ott nun ein Oberschwabe den sonnenverwöhnten Südwesten und seine Bewohner so voller Sympathie in den Blick nimmt, müsste die Badener gegenüber den Schwaben doch milder stimmen. Zumal Ott bei der von der Stadt und dem Kulturverein Arkade im Rahmen der Heimattage veranstalteten Lesung im Sulzburger Rathaus freimütig bekennt, dass die Oberschwaben ein ähnlich gespaltenes Verhältnis zu Stuttgart haben wie die Badener. Ott, seit über 20 Jahren in Freiburg beheimatet, sind die zahlreichen Zuhörer im Sulzburger Rathaus indes längst gewogen. Hat sich doch der Wahlbadener mit den mit zahlreichen Literaturpreisen bedachten Romanen "Ins Offene" und "Endlich Stille" als Schriftsteller bereits einen Namen gemacht. Und hat er in seinem Heimatbuch nicht auch Sulzburg lobend erwähnt? Aus diesem Kapitel will Ott allerdings dann doch nicht vorlesen. "Da kennen Sie sich besser aus", sagte er.

Kreuz und quer durch die Epochen

Stattdessen wartet er mit ungewöhnlichen und absonderlichen Geschichten aus der Geschichte auf. Ott stellt dem Publikum mit Otto Feger den vehementesten Verfechter einer südwestdeutschen Republik vor, um dann unbekümmert und temporeich nicht nur durch die Epochen, sondern auch geografisch kreuz und quer durch Baden zu springen. Nebenbei plauderte er aus dem Nähkästchen, schildert seine Vorgehensweise beim Schreiben und hat keine Probleme zuzugeben, dass er für das Kapitel mit der Überschrift "Spargel, Schnecken, Sulz" am wenigsten forschen und recherchieren musste. "Da konnte ich mich einfach hinsetzten und losschreiben."

Leichtigkeit zeichnet auch die anderen Kapitel aus, aus denen Ott vorträgt. Nie entsteht der Eindruck einer wissenschaftlichen Fleißarbeit. Unbeschwert und nonchalant streift Ott durch Baden, führt seine Zuhörer aber dennoch kenntnisreich und solide durch die Lande.

Originell beweist Ott den Mut zur Lücke und beantwortet die vom letzten Kapitel aufgeworfenen Frage "Was fehlt?" gleich selbst. "Fast alles", meint er und erklärt: "Je mehr man entdeckt, desto größer werdend die Lücken." Wenn allerdings so originell, rasant und witzig gerafft aufgezählt wird, worüber Ott unbedingt noch hätte schreiben sollen, dann, spätestens dann wird dem Zuhörer klar, dass es sich bei Otts Buch um eine ganz ungewöhnliche und wunderbare Heimatkunde handelt.

Und auch die Vorsitzenden des Kulturvereins Arkade, Helga Posselt, konnte am Ende nur beeindruckt feststellen: "Ich habe ja schon gehört, dass sie temperamentvoll sind, aber das überschritt alle meine Erwartungen."
von Martina Faller
am Mi, 21. April 2010

Badens beste Erlebnisse