Abstrakte Elemente überlagern das Motiv

ZUM ERSTEN, ZUM ZWEITEN, ZUM HELFEN:Jannina Gaidell experimentierte im vergangenen Jahr mit verschiedenen Techniken und Kombinationen.

LÖRRACH. Bildende Künstler aus der Region unterstützen die BZ-Weihnachtsaktion "Hilfe zum Helfen". In die Kunstaktion "Zum Ersten, zum Zweiten, zum Helfen" geben sie Arbeiten, die am 16. November versteigert werden. Die Arbeit der Künstler wird honoriert, statt einer Verkaufsprovision fließt ein Teil des Erlöses an die BZ-Weihnachtsaktion. Dieser doppelte Effekt fördert die regionale Kunstszene und hilft armen Menschen im Landkreis. Bis zur Auktion stellen wir alle Künstler vor. Heute: Jannina Gaidell.

Der Beitrag zur Auktion:
Im vergangenen Jahr hat Jannina Gaidell vermehrt mit verschiedenen Techniken experimentiert, hat Zeichnung, Malerei und Schablonenspraykunst kombiniert. Dabei ist auch die Serie entstanden und schrittweise gewachsen, welche die Künstlerin in Auktion und Verkauf der BZ-Aktion gibt: ausgehend von der skizzenhaften Zeichnung auf der Suche nach dem Motiv, über die Malerei, um sie dann zu "überdecken" und nur ausschnitthaft zu zeigen. Das gegenständliche Motiv werde so schrittweise in den Hintergrund gedrängt und von Formen und abstrakten Elementen überlagert, erläutert Jannina Gaidell. Die inhaltliche Seite von "A part", in der es, wenn man so wolle, um Entfremdung innerhalb einer Beziehung gehe, nehme darauf Bezug. Einerseits wörtlich mit "Teil", der Übersetzung von part, aber eben auch wirklich "getrennt" zu sein bis in die Form.

Aus der Werkstatt:
Mit ihrem Atelier in Stuttgart habe sie großes Glück gehabt, erzählt Jannina Gaidell, da es sich im Hinterhof ihres Zuhauses in befinde – in einer umfunktionierten großen Garage mit durchgängigem Glasdach. So könne die aus Efringen-Kirchen stammende Künstlerin unter optimalen Lichtbedingungen und zeitlich flexibel arbeiten, was wegen ihres Sohnes natürlich sehr wichtig sei. Ansonsten herrscht dort geordnetes, buntes Chaos. Die Künstlerin hat Raum zum Experimentieren und Lagern – einzig die Heizung fehlt im Winter. Doch mit vielen Kleiderschichtern ausstaffiert könne sie auch dem entgegenwirken. In letzter Zeit arbeitet Jannina Gaidell oft parallel an mehreren Bildern, was neu für sie ist. Auf diese Weise kann sie Trockenphasen besser nutzen und ausprobieren.

Der Einzelne für die Gesellschaft:
Jannina Gaidell findet es sehr wichtig, dass der Einzelne sich engagiert – für die Gesellschaft und somit am Ende ja auch für sich selbst, wie sie weiß. Von irgendwoher müsse Bewegung kommen, und die starte immer im Kleinen. In der Schule engagiert sich die Künstlerin zum Beispiel für die Jugendlichen, die oft, wenn sie mit Stress und Leistungsdruck nicht mithalten können, durch ein Raster fallen und "untergehen". Hier müsse man viel Idealismus mitbringen und dürfe sich von Rückschlägen nicht entmutigen lassen. Doch die Künstlerin hat so das Gefühl, im Kleinen etwas bewegen und helfen zu können. "Engagement ist meiner Meinung nach eine Einstellungssache und zeigt sich nicht nur an der Teilnahme an Projekten, sondern im Alltag und täglichen Umgang mit Menschen", sagt Jannina Gaidell.

Die Verbindung zur BZ-Auktion:
Die BZ-Kunstauktion findet Jannina Gaidell toll, und die Begegnung mit den anderen Künstlern im vergangenen Jahr erlebte sie als sehr spannend. Wenn Kunst auch noch etwas Gutes tun könne, sollte man das wahrnehmen, meint sie. Außerdem sei die Auktion an sich auch für einen selbst ereignisreich. Findet sich ein Käufer? Für welchen Preis wird das eigene Bild gehandelt? Dies sei eine ganz andere Erfahrung als die, welche sie sonst auf dem Kunstmarkt und mit Käufern mache.

Werk in der Auktion: "A-part I", 50 x 50 cm, Mischtechnik auf Leinwand, 2013, Mindestpreis: 150 Euro

Alle Künstlerporträts der Serie, die Arbeiten für die Versteigerung sowie Werke, die in der Ausstellung am 16. November gezeigt und zum Festpreis verkauft werden, sind zu finden unter http://mehr.bz/kunstaktion
von Barbara Ruda
am Sa, 09. November 2013

Jannina Gaidell

1982 in Lörrach geboren machte Jannina Gaidell nach dem Besuch des Kant-Gymnasiums Weil und der Walter Panas High-School in New York Abitur in Weil am Rhein. Es folgte ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe bei den Professoren Andreas Slominski, Ernst Caramelle, Anselm Reyle und nach einem Auslandsaufenthalt in Mexiko (2006 bis 2007) bei Olaf Holzapfel. Zeitgleich studierte Jannina Gaidell Germanistik an der Universität Karlsruhe. Beide Studien schloss die mit Staatsexamen ab. Seitdem lebt und arbeitet sie in Stuttgart. Sie stellte unter anderm in Karlsruhe, Basel, Baden-Baden, Kehl, Dresden, Augsburg und Mexico-Stadt aus.  

Autor: rud

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