Ärger um anonyme Mails

Noch vor dem Start der Bewerbungsfrist muss sich Felix Fischer gegen Unterstellungen wehren.

ENDINGEN. Die Bewerbungsfrist für die Bürgermeisterwahl in Endingen hat noch nicht begonnen, da sieht sich ein designierter Bewerber bereits einer anonymen Kampagne ausgesetzt: Felix Fischer, FDP-Kreisvorsitzender, Jurist und Unternehmer, wehrt sich gegen Unterstellungen, die gegen ihn in offenbar recht breit gestreuten Mails erhoben werden. Ein persönlicher Kontakt über E-Mail hinaus gelang weder ihm, noch anderen Empfängern oder der BZ.

Am Freitag, 13. Juli, wird die Stellenausschreibung für das Amt des Bürgermeisters veröffentlicht, tags darauf beginnt die Bewerbungsfrist. Felix Fischer (27) aus Teningen hatte längst vor, seinen Hut gleich zu Beginn in den Ring zu werfen und schon zahlreiche Gespräche geführt. Seit Sonntag gibt es nicht nur für ihn zusätzlichen Gesprächsbedarf – ausgelöst durch E-Mails, die Fischer selbst und verschiedene Personen aus der Endinger Kommunalpolitik, aber auch die BZ-Redaktion in Emmendingen erreichten.

In den Mails, versandt unter dem Namen einer Frau, werden Fragen aufgeworfen, die angeblich bei einem Frühschoppen am Sonntag in Endingen aufgekommen sein sollen, vor allem zur unternehmerischen Tätigkeit von Fischer als geschäftsführender Gesellschafter der Fischer Spezialgeräte GmbH in Teningen. Angesichts eines in der zitierten Bilanz für 2016 ausgewiesenen Verlusts werden Fischers unternehmerische Fähigkeiten in Zweifel gezogen, ein weitgehender Verbrauch des Stammkapitals unterstellt und geargwöhnt, Fischer suche angesichts dieser "dürftigen Geschäftslage" wohl einen besser bezahlten Posten.

Felix Fischer kündigte gegenüber der BZ juristische Schritte wegen der rufschädigenden und verleumderischen Mails an. Die Autorin gab sich in Mails als freie Journalistin aus. Fischer erhielt nach eigener Aussage auch den Anruf eines angeblichen Journalisten eines regionalen Mediums, den man in der dortigen Redaktion auf Nachfrage aber gar nicht kenne.

Die Firma, die er mit seinem Geschäftspartner im Nebenberuf betreibe, sei weder überschuldet noch illiquide, betont Fischer. Der 2016 bestehende Verlustvortrag sei abgebaut. Fischer: "Zur schnellen Aufklärung und Versachlichung dieser infamen Unterstellungen ist unser Steuerberater angewiesen, noch diese Woche für die Veröffentlichung der Bilanz für 2017 zu sorgen." Dies müsste rein rechtlich erst bis Jahresende erfolgen. Die per Mail ebenfalls angemahnte Bilanz für 2018 gebe es aus naheliegenden Gründen noch gar nicht. Ein Jahresgehalt wie das eines Bürgermeisters sei im Übrigen auch für Juristen nicht unüblich, betont Fischer. Seine Motivation zur Kandidatur sei "mitnichten finanzieller Natur".

Das Angebot zum persönlichen Gespräch habe die angebliche Journalistin abgelehnt, so Fischer. Er hoffe inständig, "dass der anstehende Wahlkampf sachlicher wird als dieser schmutzige Vorwahlkampf".

Rainer Ordegel, als Stadtrat ebenfalls im Verteiler der Mails und wiederholt im Mailkontakt mit der Autorin, glaubt nicht an die Identität des Absenders. Für ihn steht fest: Der- oder Diejenige habe keine Ahnung, sei aber vor allem zu feige, offen Kritik zu üben. Ordegel: "Hintenrum mag ich gar nicht. So etwas macht man nicht – egal mit wem."

Auch der BZ verweigerte die angebliche Mailverfasserin ein persönliches Gespräch – mit Verweis auf eine angetretene Urlaubsreise, teure Auslandsgespräche und darauf, dass der Informant die Bedingungen stelle. Wer sich hinter der Mailadresse verbirgt, bleibt damit unklar.

von Martin Wendel
am Mi, 11. Juli 2018

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