Altstadtsanierung

Altstadtsanierung

Zur Unterscheidung von anderen Formen der Stadtentwicklung wird Altstadtsanierung hier als Prozess begriffen, der geplant und im größeren Umfang wesentlich auf die Entkernung und Entdichtung innerhalb der alten Stadtmauern zielt. Er unterscheidet sich daher wesentlich von anderen Formen der Innenstadtentwicklung wie sie etwa mit der Überbauung der Stadtmauern und dem Abriss der Tortürme oder Einzelmaßnahmen an bestimmten Gebäuden oder Plätzen erfolgte. Die Altstadtsanierung in diesem Sinne hatte in Lahr nach Anläufen ab den 1890er Jahren seine Höhepunkt in den 1960er und 1970er Jahren. Erste Überlegungen zu Altstadtsanierungen setzten bereits nach der Gründung eines Tiefbauamtes 1889 ein. In einem neuen Stadtbauplan wurden neuen Straßen und Straßenfluchten im Bereich Stiftskirche/Feuerwehrstraße/Schützenstraße geplant sowie eine direkte Verbindung der Lammstraße mit dem Sonnenplatz und dem Marktplatz vorgesehen. Der Plan wurde jedoch nicht ausgeführt, auch Pläne und Überlegungen aus den Jahren 1927 und 1937/38 blieben unverwirklicht.

Erst der neue Flächennutzungsplan von 1955 sowie der daraus abgeleitet Altstadtsanierungsplan von 1959 (entworfen von Erwin Steurer und Karl List, munter Mitwirkung von Herbert Jäger) schuf die planerischen, das zeitgleiche Wirtschaftswachstum die finanziellen Voraussetzungen zur großflächigen Neugestaltung der Altstadt. Bereits in den späten 1950er Jahren wurden erste Gebäude abgerissen, um nicht nur "Licht und Luft" in die Innenstadt zu ringen, sondern auch den dringend benötigten Verkehrsraum für den motorisierten Verkehr zu schaffen. In den 1960er Jahren gewann der Prozess an Dynamik und Intensität: Abriss des Karottenhauses 1963, Beseitigung des Gewerbekanals ab 1967, der Vogtsvorstadt 1968 sowie die Schaffung bzw. Vergrößerung von Roßplatz (1971), Schlossplatz (1977/79) und Marktplatz (1970/85, alle zunächst als Parkplätze) waren dabei wichtige Stationen.

Die Neugestaltung des sogenannten "Quartiers 14" ab 1975 rief erstmals öffentlichen Protest wegen des damit verbundenen Abrisses der Stadtmühle hervor. Im Gegensatz zum stark flächensanierenden Vorgehen der 1960er und frühen 70er Jahre, das seine Perspektive der "verkehrsgerechte Innenstadt" nicht verleugnen konnte, wurde nun bei der Neubebauung behutsamer versucht, Größenordnungen, Formen und Charakter der Vorgängerbebauung zu erhalten. Das seit 1980 ausgewiesene Sanierungsgebiet "Östliche Altstadt" wurde von Beginn an als verkehrsberuhigte Zone geplant, Schlosser- und Vogtstorstraße tragen deutlich historisierenden Charakter. In den 1980er Jahren lief die Altstadtsanierung im Wesentlichen aus, auch wenn Teilbereiche besonders in der nördlichen Innenstadt noch nicht erfasst waren.

Bisher erschienene Beiträge unter http://www.badische-zeitung.de/lahr-lexikon
von tmi
am Di, 05. April 2011


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