Felix Wankels Erfindung

Am 1. Februar 1957 zündet der erste Wankelmotor

Der Autoantrieb wird heute nur noch wenig eingesetzt, mit der Nutzung von Wasserstoff könnte er aber sein Comeback erleben.

LAHR (BZ). Am 13. August hat die Badische Zeitung in ihrer Serie "125 Jahre Auto" an den gebürtigen Lahrer Felix Wankel, Erfinder des gleichnamigen Motors, erinnert. Dabei ging es vor allem um den Menschen Felix Wankel, der in seinen politischen Ansichten umstritten war. Dem Ingenieur Felix Wankel und seiner Arbeit widmet sich Ulrich Latus aus Tübingen, Vorsitzender des NSU-Wankel-Spider-Club Deutschland, in einem Beitrag aus dem Jahr 2007, den die Badische Zeitung in einer überarbeiteten und aktualisierten Fassung veröffentlicht.

Felix Wankel, der 1921 in der Unterprima das Gymnasium verlassen und eine Lehre als Verlagskaufmann begonnen hat, zeigt 1925 mit dem Entwurf des "Teufelskäfers", eines dreirädrigen, stromlinienförmigen Fahrzeugs in Aluminium-Leichtbauweise erstes Interesse an Motorfahrzeugen. Ab 1928 befasste sich Wankel mit Drehschiebersteuerungen, bei denen der Gaswechsel nicht durch Ventile, sondern durch walzenförmige Teile erfolgt. 1934 baut Wankel den ersten außenachsigen Drehkolbenmotor, der jedoch nur kurz zündete. Von den Bayrischen Motorenwerken (BMW) erhält Felix Wankel einen Forschungsauftrag für die Entwicklung von Drehschiebersteuerungen. Die Entwicklungen Wankels werden auch von den Machthabern des Dritten Reiches wahrgenommen. Unterstützt vom Reichsluftfahrtministerium richtet er sich 1936 eine Forschungsanstalt in Lindau ein. 1951 gründet Wankel dann seine eigene "Technische Entwicklungs Stelle" in seinem Lindauer Wohnhaus. Am 13. April 1954 skizziert Wankel die Erfindung des Drehkolbenmotors. Die NSU Werke AG zeigen sich seit Ende 1953 an den Entwicklungen Wankels interessiert und entwickeln gemeinsam den Drehkolbenmotor.

Am 1. Februar 1957 zündet erstmals ein Prototyp auf einem Prüfstand bei NSU. Somit gilt dieses Datum als die eigentliche Geburtsstunde des Wankel-Motors. Anhand dieser Ergebnisse entwickelt die NSU-Forschungsabteilung den komplizierten Drehkolbenmotor mittels kinematischer Umkehr weiter zum Kreiskolbenmotor "System NSU-Wankel" mit stehendem Gehäuse und kreisendem Kolben. Weltweit erwerben namhafte Automobil- und Motorenhersteller, wie Daimler-Benz, Mazda, Fichtel&Sachs, Curtis-Wright, Norton, Rolls Royce, VAZ Lada und Porsche Lizenzrechte für den NSU-Wankelmotor.

Schon 1964 war der Wankelmotor serienreif und mit dem NSU-Wankel-Spider wurde das erste Serienfahrzeug der Welt mit Wankelmotor auf den Markt gebracht. Der Einscheiben-Wankelmotor leistete mit einem Kammervolumen von 498 Kubikzentimetern 50 PS. Um die Tauglichkeit und Vorteile des Wankelmotors unter Beweis zu stellen, wurde der Wankel-Spider erfolgreich bei Rennen eingesetzt. 1966 gewinnt das Team Karl Heinz Panowitz/Rainer Strunz sensationell die deutsche Grand Tourisme-Rallye-Meisterschaft aller Klassen. Siegfried Spiess setzt einen ebenfalls werksunterstützten Wankel-Spider bei der deutschen GT Bergmeisterschaft ein. 1967 und 1968 wird er Sieger der Deutschen GT und Tourenwagen Meisterschaft aller Klassen.

Während der NSU-Wankel-Spider noch mit zahlreichen technischen Problemen zu kämpfen hat und die Produktion nach 2375 gefertigten Fahrzeugen eingestellt wird, arbeitet NSU schon längst an einer Limousine mit Zweischeiben-Wankelmotor. Bei der Premiere zur IAA 1967 in Frankfurt a. M. wird der NSU RO 80 dem Fachpublikum vorgestellt und 1968 zum "Auto des Jahres" gewählt. Das revolutionäre Design aus der Feder von Claus Luthe und der 115 PS starke Zweischeiben-Wankelmotor werden bejubelt. Der japanische Lizenznehmer Mazda baut ebenfalls schon 1967 mit dem Mazda Cosmo einen Sportwagen mit Zweischeiben-Wankelmotor.

Heute gibt es mit Mazda nur noch einen namhaften Automobilhersteller, der den Wankelmotor einsetzt. Von April 2003 bis März 2006 stellt der japanische Autobauer den RX-8 mit einer Stückzahl von 148 317 in Serie her. Seit 2006 verleast Mazda in Japan den RX-8 Hydrogen RE – das erste Serienauto, bei dem Wasserstoff als Treibstoff eingesetzt wird. Den Premacy Hydrogen RE Hybrid gibt es seit 2009 in Japan. Wasserstoff könnte auch das Comeback des Wankel-Motors einläuten, denn er eignet sich sehr gut für den Betrieb mit dieser Energie. Auf dem Genfer Auto-Salon 2010 hat Audi außerdem mit dem A1 e-tron ein Elektrofahrzeug präsentiert, bei dem ein Einkammer-Wankel als Range Extender dient. In Deutschland bietet 2010 das in Kirchberg ansässige Unternehmen Wankel AG außerdem Wankel-Einbaumotoren an.

Alle Teile der Serie und weitere Berichte im Online-Dossier unter http://www.badische-zeitung.de/125-Jahre-auto
von bz
am Mi, 14. September 2011

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