Am TÜV kommt kaum einer vorbei

Aus dem Stuttgarter Dampfkessel-Revisionsverein entstand der Technische Überwachungsverein / In Lahr ist er seit 1970 ansässig.

LAHR. 125 Jahre Automobil, das ist ein technisches Jubiläum. Und wenn es um Technik geht, dann gibt es in Deutschland seit Jahrzehnten kaum eine andere Einrichtung, die damit automatisch in Verbindung gebracht wird: den Technischen Überwachungsverein (TÜV) . Denn, wer wollte es bestreiten – Technik kann auch mal streiken und dann wird es gefährlich. Zwei Aspekte sind es, die beim TÜV für jedermann im Vordergrund stehen: Er kümmert sich um die verbindlichen Kontrollen von Kraftfahrzeugen und er steht am Anfang des Autofahrerlebens, wenn es um die Führerscheinprüfung geht.

Der TÜV hat deshalb auch eine Geschichte, die sogar älter ist als die des Automobils. Die industrielle Revolution hatte zum Einsatz von Dampfkesseln geführt. Nach verschiedenen Unglücksfällen gründeten deshalb 1866 in Mannheim 21 Dampfkesselbesitzer die "Gesellschaft zur Überwachung und Versicherung von Dampfkesseln". Später entstanden weitere regionale Vereine, so auch in Stuttgart. Bald kümmerten sich die Sachverständigen um weitere technische Anlagen und hatten, so schreibt der TÜV, neben der Sicherheit auch Wirtschaftlichkeit und Verfügbarkeit im Blick.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Techniker erstmals mit der Prüfung von Fahrzeugen und Fahrzeuglenkern betraut. Was am 15. Oktober 1910 zur Gründung einer Abteilung zur "Prüfung von Fahrzeugen und deren Führern" beim Stuttgarter Dampfkessel-Revisionsverein führte. Dies gilt als Geburtsstunde der regelmäßigen Fahrzeugprüfung in Süddeutschland. Die TÜV-Plakette gibt es im Übrigen seit 1. Januar 1961. Darüber hinaus gilt grundsätzlich: Der Technische Überwachungsverein ist kraft Gesetzes "die" technische Prüfstelle im Land. Insofern ist der TÜV auch für die Abnahme der Führerscheinprüfungen zuständig.

Die Geschichte des Technischen Überwachungsvereins in Lahr ist vergleichsweise kurz. Denn die Akten darüber sind dünn gesät. Sie beginnen eigentlich erst mit der Niederlassung an der Raiffeisenstraße im Jahr 1970, die Prüfstelle wurde am 2. Januar eröffnet. Der Neubau in der Nachbarschaft wurde dann im Juni 2005 eröffnet. Heinz Faißt aus Seelbach, viele Jahre beim TÜV in Lahr tätig, kann sich noch daran erinnern, dass Anfang der 1950er Jahre der in Freiburg ansässige Überwachungsverein einmal in der Woche nach Lahr kam. Ein Domizil war damals das Autohaus Schmidt & Hartmann, das in jener Zeit noch am Rathausplatz (in der Bismarckstraße 1 a) tätig war, in der Nachbarschaft des Möbelhauses Ruder.

Spätere Stationen waren bei der Firma Amann im Glockengumpen, der Verein residierte auch bei der Firma Schad in Mietersheim und an der Tankstelle Kunz an der Bundesstraße 3. Der TÜV kam also in der Regel aus Freiburg zu seinen Kunden nach Lahr und genoss Gastrecht in heimischen Werkstätten. Dies änderte sich mit dem Neubau im Industriegebiet, der angesichts der stark steigenden Zahl von Kraftfahrzeugen geboten war.

In der TÜV-Prüfstelle in Lahr arbeiten heute neun Mitarbeiter. Darunter sind drei Kraftfahrzeugmeister (amtlich anerkannte Prüfer) und drei Ingenieure, die als amtlich anerkannte Sachverständige tätig sind. Diese Sachverständigen dürfen die Fahrerlaubnisprüfung abnehmen, was in der Lahrer Dienststelle immerhin jährlich 3000 theoretische Prüfungen bedeutet, die praktische Prüfung legen dann noch 2000 junge Automobilisten ab. Die Durchfallquote bei der Führerscheinprüfung liegt dabei bei stattlichen 25 bis 30 Prozent, berichtet Harry Ketterer, der Niederlassungsleiter für Offenburg, dem die Lahrer Prüfstelle der TÜV Süd Auto Service GmbH nachgeordnet ist.

Über fehlende Arbeit können sich die Meister und Ingenieure nicht beklagen: Im vergangenen Jahr besorgten sie 18 000 Hauptuntersuchungen, 9 500 Abgasuntersuchungen und machten noch 2 000 Einzelbegutachtungen. Das rechnet sich: Der Umsatz lag bei etwa 1,1 Millionen Euro. Zwischen 30 und 45 Minuten braucht ein TÜV-Sachverständiger, bis er ein Kraftfahrzeug mit Abgasuntersuchung auf Herz und Nieren geprüft hat. Die Mehrzahl der Kunden sind Privatpersonen, die ihr Fahrzeug selber zum TÜV bringen. Das sind in der Summe 8000 Personenwagen, 1800 Anhänger, 1000 Motorräder, 800 Lastwagen und 250 Traktoren.

Darüber hinaus aber, schildert Harry Ketterer, werden rund 50 Werkstattkunden mobil bedient – der Ingenieur fährt zum Kunden und prüft dort. Draußen werden sogar 350 Traktoren überprüft und ebenfalls 1000 Motorräder. Dazu 4000 Personenwagen, 800 Anhänger und 400 Lastwagen.

Alle Teile der Serie und weitere Berichte im Online-Dossier unter http://www.badische-zeitung.de/125-Jahre-auto
von Bruno Kohlmeyer
am Do, 01. September 2011

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