BZ-Serie "Weinwege am Oberrhein" (3)

Auf dem Markgräfler Wiiwegli von Müllheim nach Staufen

Das Markgräfler Wiiwegli führt in vier Tagestouren von Weil nach Freiburg – mitten durch die Rebberge. Auf der dritten Etappe geht es durch Muggardt, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen.

Vom Wegweiser Müllheim Schwimmbad (265 m) verläuft das Wiiwegli, zusammen mit dem Müllheimer Mühlenweg, am ehemaligen Gasthaus Bad vorbei und am Freibad entlang hoch zur Siebeneichenstraße und in die Brunnmatt (275 m). Auf dem Wolfackerweg geht es rechts aus der Stadt und durch Obstbaumwiesen, am Rückhaltebecken Tritschler Säge vorbei, bis zur Landstraße nach Lipburg. Auf dieser hält man sich links, überquert den Klemmbach und beim Gasthaus Warteck die Landstraße von Müllheim nach Niederweiler. Beim Wegweiser Niederweiler Alte Landstraße (290 m) geht es unter der Schnellstraße nach Badenweiler zum Friedhof. Danach bald links auf einem Wiesenweg aufwärts in die Reben bis zum Wegweiser In den Hürsten (322 m).

Jetzt wird es steil, bis man am Rebhüsli des Weinguts Schneider Halt macht und den weiten Blick genießt. Links sieht man den Kurort Badenweiler, dahinter den Blauen mit seinem Fernsehturm. Vorne liegt der Müllheimer Eichwald, rechts Müllheim, dahinter die Reben am Hachberg und die Rheinebene.

"Eine himmlische Landschaft", schrieb der Dichter René Schickele, sein Freund, der Maler Emil Bizer, hat sie in seinen Bildern festgehalten. Einem Dichter begegnet man auch im Inneren des Rebhüslis. Dort ist ein Gedicht von Novalis (1772–1806) über den Burgunderwein an die Wand geschrieben.

Man wandert weiter leicht bergauf am Naturschutzgebiet Innerberg entlang bis zum Umsetzer. Dort ginge es beim Wegweiser Römerberg (425 m) geradeaus weiter nach Oberweiler und Badenweiler, wo ein erholsames Bad in der Cassiopeia Therme locken würde.

Das Wiiwegli aber wendet sich links in den Britzinger Wald, in dem starke und wertvolle Eichen wachsen. Die Philippslinde (418 m) erinnert an den Sulzburger Forstmeister Karl Philipp. Man folgt der alten Holztafel Rosenberg-Britzingen links steil abwärts. Dann biegt der Weg nach rechts in die Reblage Rosenberg von Zunzingen. Man überquert die Landstraße von Britzingen über die Schwärze nach Badenweiler und wandert steil aufwärts bis zum Wegweiser Sonnhole (350 m) und bis zum Pavillon am Weinlehrpfad Britzingen. Weiter aufwärts führt ein Abstecher zur aussichtsreichen Ruine Neuenfels. Durch die bekannte Reblage Britzinger Sonnhole führt das Wiiwegli zum Wegweiser Herdweg (324 m). Dort biegt man links ab, kommt zu einem Wasserreservoir und geht bei diesem rechts auf einem schmalen Wiesenweg und einem Teersträßchen zum Weiler Muggardt (375 m).

Man könnte auch zuerst geradeaus nach Britzingen weitergehen. In der Kirche mit dem alten Turm kann man einen farbenfrohen Wandteppich betrachten, den die Britzinger Frauen gefertigt haben. Die Winzergenossenschaft in Britzingen lädt zur Weinprobe und die Gasthäuser zur Einkehr. In Muggardt, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, gibt es keine Möglichkeit zur Stärkung. Dabei hat man schon fast 8 Kilometer seit Müllheim zurückgelegt.

Bei der Kapelle von Muggardt geht das Wiiwegli links durch die Reben weiter, aus denen der Premium-Spätburgunder Muggardt hergestellt wird. Das einzigartige Terroir zeichnet sich durch leicht verwitterbare Kalksandsteine, Mergel sowie etwas Ton aus. Von dem malerischen Rebhüsli hat man wieder einen herrlichen Blick über die Ebene. Man erkennt die kleinen Weiler St. Ilgen und Betberg, in denen es zwei kunstgeschichtliche Kleinode von Kirchen zu entdecken gäbe. Man wandert nun abwärts bis zu der Hütte beim Wegweiser Im Ennwegen (360 m) und durch die Wiesen, Reben und den Wald oberhalb des bekannten Weinortes Laufen bis zum Wegweiser Freusig (385 m) vor Sulzburg. Nun geht es nicht links, sondern rechts bis zum Umsetzer weiter aufwärts. Dort erst geht man links steil abwärts nach Sulzburg. Zuerst kommt man an die Brücke über den Fliederbach, der die historische Nordgrenze der Markgrafschaft darstellt. Nach 3,7 Kilometern seit Muggardt steht man auf dem Marktplatz von Sulzburg (335 m). Sulzburg ist ein weiterer Höhepunkt auf dem Markgräfler Wiiwegli. Da gibt es vor allem die ehrwürdige ottonische Kirche St. Cyriak (erstmals im Jahre 993 urkundlich erwähnt), das Landesbergbaumuseum in der Weinbrennerkirche am Markt und den alten Judenfriedhof zu sehen.

Vom Marktplatz wendet man sich in die Gustav-Weil-Straße, die nach dem Sulzburger Orientalisten und Übersetzer von "Tausendundeine Nacht" (1808–1889) benannt wurde, geht an der renovierten Synagoge (Besichtigung nur mit Führung) vorbei und auf dem Neubergweg durch ein Villenviertel aus dem Städtchen.

Am Waldrand entlang wandert man hinauf zum Wegweiser Vorderer Castellberg (368 m). Dort führt der Weg durch die Reben links um den Castellberg herum weiter. Geradeaus könnte man einen Abstecher durch den mediterranen Flaumeichenwald auf die Höhe des Castellbergs mit einer Ruine und einem kleinen Aussichtsturm machen. In aufwändiger Arbeit wurden die alten Trockenmauern im Weinberg wiederhergestellt. Im zeitigen Frühjahr blühen die Mandelbäumchen. Voraus erblickt man den spitzen Kirchturm von Ballrechten, in der Ferne den Kaiserstuhl.

Durch Wald und Wiesen kommt man abwärts zum Ziegelhof (347 m). Rechts aufwärts gäbe es einige Reste der Berliner Mauer und weiter oben die von Thomas Rees in ein Denkmal verwandelte Gerichtseiche zu sehen. Nach etwa 100 Meter geht es links in die Reblage Fohrenberg. Noch einmal folgt ein Wegstück mit alten Weinbergmauern, einem Weinlehrpfad, einem Picknickplatz und einer großartigen Aussicht. An den Kreuzungen muss man sich immer geradeaus halten.

Vorne kommt die Burgruine von Staufen in den Blick. Jetzt geht es hinunter nach Grunern. Beim Wegweiser Bärenbad (287 m) folgt man der Dorfstraße nach rechts. Seit Sulzburg hat man 5,3 Kilometer zurückgelegt.

Rechts liegt das Weingut Köpfer, danach die Kirche von Grunern. Nun geht es auf schmäleren Wegen links ab. Vor dem Wanderer liegt Staufen, von rechts grüßt der Belchen, der schönste Gipfel des Schwarzwaldes. Man überquert die Straße ins Münstertal und erreicht Staufen beim Wegweiser Am Schießrainsteg. Am Flüsschen Neumagen links entlang folgt der Wegweiser L. Fichter-Steg (286 m).
Die Tour

Tageswanderung von Müllheim nach Staufen. Besonders schön an dieser 18,6 Kilometer langen Etappe sind die historischen Reblagen am Castellberg und Fohrenberg mit ihren wiederhergestellten Trockenmauern und dem weiten Blick ins Land.

Steilere Abschnitte führen auf den Römerberg, in die Reben über Britzingen und hinter Muggardt, und von Sulzburg aus auf den Castellberg. Es gibt auf dieser Strecke mehr Erdwege als geteerte Wege.

» Anfahrt: Müllheim und Staufen sind mit dem ÖPNV gut zu erreichen. Fahrplanauskunft: http://www.efa-bw.de

Markierung: Rote Raute mit gelber Weintraube auf weißem Grund

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von Peter Gürth
am Mi, 13. April 2016 um 10:35 Uhr

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