Auf Stimmenjagd bei den Grünen

Gundelfingens Bürgermeisterkandidaten sind im Kultur- und Vereinsheim gegeneinander angetreten / Am Sonntag wird gewählt.

GUNDELFINGEN. Es wurde nicht lange herumgefackelt. "Wie wollen Sie die Stimmen der Grünen bekommen, die bisher Claudia Warth unterstützt haben?", fragte Anselm Hirt die beiden übriggebliebenen Bürgermeisterkandidaten Raphael Walz und Christian Göpper. Damit eröffnete das Mitglied des Ortsvorstands von Bündnis 90/Die Grünen eine Diskussion vor rund 40 Zuhörern im Kultur- und Vereinsheim.

Zu weit über den Tisch mit dem grünen Tuch lehnte sich keiner der Kandidaten. Mit Versprechungen waren beide vorsichtig. Bei der Straßenbahnverlängerung wollen beide rasch Klarheit erlangen über den Willen der Bürger, sie konnten sich aber zu keinem klaren persönlichen Votum – ja oder nein – durchringen.

Beim Thema Schaffung von sozialem Wohnraum für junge Familien und ältere Bürger wollen die Kandidaten zuerst den Bestand analysieren und schließen eine maßvolle Ausdehnung in die Fläche nicht aus. Sie können sich vorstellen, in ihrer ersten Amtsperiode das Gewann Nägelesee-Nord anfangen zu bebauen. "Eine Nachverdichtung bis zum Gehtnichtmehr im Ort will schließlich auch keiner", sagte Göpper. "Die Flächenentwicklung wird in Gundelfingen aber in den nächsten 20 Jahren nur sehr begrenzt möglich sein, was mir auch ein bisschen Sorgen bereitet", meinte Walz. Beide wollen im Vorfeld einer Bebauung im Gundelfinger Norden die Bürger beteiligen.

Göpper sagte klar, dass er bei der Unterstützung der Wohnraumsuche von jungen Familien den größten Handlungsbedarf sehe: "Es darf nicht nur hochpreisiges Wohneigentum geben." Walz machte dagegen deutlich, dass er nicht glaubt, dass eine starke Absenkung des Mietniveaus in Gundelfingen möglich sei. "Ich halte es nicht für wahrscheinlich, dass man da alle Anfragen bedienen kann." Alternative Wohnformen – Demenzgruppen oder Mehrgenerationenhäuser – kann aber auch er sich gut vorstellen.

Bürgermeister als Aufsichtsrat bei der Bank?

Im Gewerbegebiet will Walz "die Brachen reaktivieren, bevor wir an neue Flächen denken" und Göpper sieht für "flächenintensives Gewerbe in Gundelfingen keine Zukunft". Bei der Frage nach einer Expansion des Gewerbegebiets jenseits der B3 nannte Walz dort vorhandene Grünzäsuren des Regionalplans, die dagegen sprechen. Doch er ergänzte etwas vage, man könne mit den Bürgern auch Argumente gegen den Regionalplan finden.

Beim Thema Klimaschutz nannten Beide Vorschläge, von gemeindeeigenen Elektroautos über Gebäudesanierungen bis zu Fotovoltaikanlagen. Finanzielle Anreize – von Seiten der Gemeinde oder aus Fördertöpfen – können sich sowohl Walz als auch Göpper vorstellen, um bis 2030 die Kohlenstoffdioxidemissionen um 50 Prozent zu reduzieren. Ein Ziel, das für Göpper allerdings "sehr ambitioniert" ist.

Interessant waren einige Zwischenfragen aus dem Publikum; zum Beispiel ob sich die Kandidaten vorstellen könnten, Aufsichtsrat in einer örtlichen Bank zu werden. "Es gibt Bürger, die gewisse Verflechtungen im Ort kritisch sehen und Interessenkonflikte vermuten, wenn ein Bürgermeister im Aufsichtsrat der Bank sitzt", sagte Göpper. Doch der Jurist wollte keine klare Aussage, mit Ja oder Nein machen. Walz hatte sich dazu nach eigenen Angaben keine Meinung gebildet. "Ich würde es aber auch nicht ausschließen wollen", so der Verwaltungswirt.

Etwas vage blieb Walz bei seinen Absichten hinsichtlich einer möglichen Kandidatur für den Kreistag. Er lässt es offen. Für Göpper überwiegen die Vorteile. "Dort kann ein Bürgermeister wichtige Kontakte für seine Gemeinde sammeln." Er würde für den Kreistag kandidieren.

Auch die persönliche Kinderbetreuung war ein Thema. Christian Göpper erwartet mit seiner Partnerin im Dezember einen Sohn. Er gehöre zu der Generation der Väter, die sich nicht mehr aus der Erziehung raushalten wollen. "Ich sehe es aber als schwierig an, Elternmonate im Bürgermeisteramt zu nehmen, weil der Beruf eine erhebliche zeitliche Belastung mit sich bringt." Darum möchte er sich im Dezember noch einen Monat Elternzeit nehmen, vort Beginn der Amtszeit des neuen Bürgermeisters Anfang Januar. Raphael Walz, noch kinderlos, hält es für schwierig, sich als Rathauschef eine Auszeit zu nehmen. "Es zerren alle am Bürgermeister." Er könne sich vorstellen im Joballtag mal Tage freizuschaufeln, um Zeit mit der Familie zu verbringen.

Beim zweiten Wahlgang am kommenden Sonntag geht es natürlich nicht nur um die Warth-Stimmen. Wer die Prozente der drei ausgeschiedenen Kandidaten der ersten Runde zusammenzählt, kommt auf 40,8 Prozent. Entscheidend wird also sein, wer diese Stimmen am Ende auf seinem Konto verbucht. Es dürfte also nochmal spannend werden.
von Max Schuler
am Mo, 03. November 2014

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