Aus der ganzen Welt nach Göschweiler

Verschiedene Herkunft, zusammen kicken: Der SV Göschweiler ist ein Schmelztiegel der Kulturen.

"Es war nicht geplant, es hat sich einfach so ergeben", sagt Walter Keßler, der Vorsitzende des Sportvereins Göschweiler, in dessen Fußballmannschaft in der Kreisliga B 13 Spieler mit Migrationshintergrund spielen. Einige von ihnen haben die deutsche Staatsangehörigkeit, andere noch die Pässe aus den Ländern, aus denen sie eingereist sind. Vier Spieler stammen aus Russland, je drei aus Polen und der Türkei, einer aus Kroatien, einer, dessen Mutter aus Göschweiler kommt, aus Ägypten und ein Spieler hat brasilianische Vorfahren. Manche sind bereits in Deutschland geboren, hier aufgewachsen und zur Schule gegangen, andere haben den Weg in den Sportverein auf andere Weise gefunden. Die Spieler kommen nicht nur aus Göschweiler, sondern aus Löffingen, Titisee-Neustadt und Eisenbach. Und zwei Dinge können sie alle: Fußballspielen und Deutsch sprechen, manche sogar mit Dialekt.

Das alles funktioniert bereits seit zehn Jahren, erläutert Walter Keßler. Zuvor hatte man Ende der 90er-Jahre noch zwei Mannschaften stellen können und zweimal um den Aufstieg in die Kreisklasse A mitgespielt. Danach konnte der SV nur noch mit Mühe eine eigene Mannschaft bilden, weil durch rückläufige Geburtenzahlen der Nachwuchs fehlte.

Inzwischen ist die Integration verschiedener Nationalitäten in Göschweiler normal. Das Miteinander von älteren Mitgliedern und jungen Auswärtigen ist hervorragend, bei Vereinsfesten wird darauf geachtet, dass alle Kulturen gleichbehandelt werden und selbstverständlich präsentieren dabei verschiedene Nationalitäten ihre Küche. Und auch mit Spielern, die den Verein bereits verlassen haben, steht man immer noch in Kontakt.

Mit dieser Situation ist der Sportverein Göschweiler, der zurzeit auch wieder auf vier junge Stammspieler aus den eigenen Reihen zurückgreifen kann, rundum zufrieden. Nur eines tut dem Vorsitzenden weh: dass die Mannschaft bei manchen umliegenden Vereinen als "Söldnertruppe" bezeichnet wird. Denn schließlich, so Keßler, kommen die jungen Spieler alle aus der Region und wohnen hier. Göschweiler hat 500 Einwohner, der Sportverein 320 Mitglieder.

von Martin Wunderle
am Mo, 29. April 2013


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