Julia Moll-Rakus:

Aus einer Fingerübung wird ein kraftvolles Bild

Kultur und soziales Engagement begegnen sich bei der Aktion "Zum Ersten, zum Zweiten, zum Helfen". Rund 30 Künstler aus der Region stellen Arbeiten zur Verfügung.

Am 16. November werden alle Arbeiten in der Volksbank Dreiländereck (Hauptstelle Lörrach, Tumringer Straße) versteigert oder direkt oder in einer Ausstellung zum direkten Kauf angeboten.Dreißig Prozent des Erlöses gehen an die BZ-Weihnachtsaktion "Hilfe zum Helfen". Schon vorab stellt die Badische Zeitung im Blatt und im Internet die Teilnehmer in einer Serie vor – ein Querschnitt des aktuellen Kunstschaffens im Raum Lörrach. Heute: Julia Moll-Rakus.

Der Beitrag zur Auktion:

Das Bild wäre wohl nie gemalt worden, hätte Julia Moll-Rakus nicht ein anderes, das sie ursprünglich in die Auktion geben wollte, so lange – wie sie es nennt – "verschlimmbessert", bis es im Mülleimer landete. So sei es eben manchmal, lacht die Künstlerin: Man wolle nur noch eine letzte Kleinigkeit hinzufügen oder verbessern, und prompt habe man das, woran man tagelang gearbeitet habe, in einer Minute zunichte gemacht. Die Malerei wäre aber ein trostloses Unterfangen, wenn es nicht mindestens genauso oft umgekehrt passiere: Dass man vielleicht gar nichts erwartet und nur mal etwas ausprobieren will, und auf einmal gelingt mit flottem Strich und leichter Hand ein Bild, das man – hätte man es darauf angelegt – so nie hinbekommen hätte. Zu dieser Sorte zählt Julia Moll-Rakus auch den Akt mit dem roten Tuch, der zunächst nur als Fingerübung geplant war – ähnlich wie eine Etüde für einen Pianisten. Und nun hat er mehr Ausdruck und Kraft, als wenn sie stundenlang daran "herumgedoktert" hätte. Das ist auch das, was die Malerei für die Künstlerin so spannend macht. Sie überrasche sich immer wieder selbst, sowohl negativ als auch positiv.

Aus der Werkstatt:
An der Wand eine alte, lebensgroße Skelettstudie aus dem Anatomieunterricht der Kunstgewerbeschule, sowie Zeichnungen und Skizzen, daneben eine Tür voller Kunstpostkarten von Julia Moll-Rakus' geliebten Museumsbesuchen. Auf dem Fensterbrett etwa ein Dutzend Tontöpfe mit Pinseln, Stiften, Schreibfedern und sonstigen Utensilien, ein alter Plattenspieler, eine Nähmaschine, ein Computer, stapelweise Papier, Leinwände und Bilderrahmen in allen möglichen Größen, eine originalgetreue Replik der Venus von Willendorf, ein lebensgroßer Tonkopf, für den ihre Tochter mal Modell saß, Ordner mit Fotos und Entwürfen von den letzten Auftragsarbeiten, noch mehr Ordner mit Fotos von ihren Kindern, eine Staffelei, unzählige Farbtuben und -flaschen, ein Totenschädel für Kopfstudien und nicht zuletzt Bücher, Bücher und nochmal Bücher – die meisten zum Thema Kunst. So sieht es derzeit in Julia Moll-Rakus’ Atelier aus, und in gewisser Hinsicht, lässt die Künstlerin wissen, sei das auch ihre Art zu arbeiten. Festlegen mag sie sich nicht gerne – weder auf eine bestimmte Technik, noch auf ein bestimmtes Material. Nur der rote Baumwollfaden, den sie in all ihre Bilder mit einstickt oder -näht, der ist immer dabei.

Der Einzelne für die Gesellschaft:
Julia Moll-Rakus verweist auf den alten alemannischen Spruch: "Vo riiche Lüt lernsch ’s Spare" und meint: "Da mag ja schon was dran sein, aber Gott sei Dank sind nicht alle so. Denn immer nur zu raffen und an sich selbst zu denken – das kann’s nicht sein." Der Mensch sei ein soziales Wesen, und er tue gut daran, wenn er freigiebig ist. Denn irgendwo komme es doch wieder zurück. Allein das Wissen, dass man anderen eine Freude gemacht habe – und sei es auch ganz anonym –, wärme einem doch selbst das Herz auf unvergleichliche Weise.

Die Verbindung zur BZ-Auktion:
Julia Moll-Rakus kann sich noch gut daran erinnern, als der Lörracher BZ-Redaktionsleiter Willi Adam den Künstlern die Idee zu dieser Aktion unterbreitete. Es habe auch skeptische Stimmen gegeben – wie man das organisatorisch bewerkstelligen wolle und ob das alles überhaupt funktionieren würde. Nun, im vierten Jahr danach, sehe man: Es funktioniert prächtig. Die Künstlerin hält das für eine klassische Win-win-Situation, bei der alle etwas davon haben: die Bedürftigen, die Künstler, die Käufer. Die Auktion selbst ist ihr zwar manchmal fast zu aufregend, aber sie habe dabei schon so nette Leute kennengelernt. "Allein dafür hat es sich für mich gelohnt."

Werk in der Auktion: "Akt mit rotem Tuch", Acryl auf Papier und roter Faden, ca. 70 x 50 cm, inkl. Passepartout und Holzrahmen. Mindestgebot: 400 Euro

Künstlerporträts der Serie, Arbeiten für die Versteigerung und Werke, die in der Ausstellung am 16. November zum Festpreis verkauft werden, unter http://mehr.bz/kunstaktion
von rud
am Fr, 25. Oktober 2013 um 18:18 Uhr

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