Autowaschanlage ist der Zankapfel

Werner Grafmüller aus Dinglingen will sein Grundstück im Mauerfeld für die Landesgartenschau nicht hergeben.

LAHR. Die Stadt Lahr hat nach eigenen Angaben mit 49 von 53 Eigentümern eine Einigung über die Grundstücke, die für die Landesgartenschau benötigt werden, erzielt. Mit drei weiteren stehe man in Verhandlungen. Nur einer stellt sich quer: Werner Grafmüller aus Dinglingen, der partout sein Grundstück nicht abgeben will.

Es könnte eine Geschichte sein, wie vom kleinen gallischen Dorf, das sich erfolgreich gegen die römische Übermacht zur Wehr setzt. In diesem Fall wäre Werner Grafmüller Asterix, der Anführer des streitbaren Dorfes und die Lahrer Stadtverwaltung mit Oberbürgermeister Wolfgang G. Müller die römische Übermacht. Gestritten wird nicht mit Schildern und Speeren, sondern mit Worten und Argumenten um ein 24 Hektar großes Stück Wiesen- und Ackerland im Mauerfeld. Dort, wo im Moment Unkraut und Gehölze wachsen, sollen zur Landesgartenschau 2018 und danach Sportler ihrem Tun nachgehen können. Das Areal, das zum Landesgartenschaugelände gehört, soll nach den derzeitigen Vorstellungen für Sportplätze und eine Sporthalle, Spielplätze, einen Kletterturm, die Via Ceramica und den Stadtgarten genutzt werden.

Mittendrin liegt Werner Grafmüllers Grundstück mit der Flurstücknummer 25376 – und er will es nicht hergeben. Schon bei der öffentlichen Bürgerversammlung vor einigen Wochen im Max-Planck-Gymnasium (wir berichteten) war der 77-Jährige im Plenum aufgestanden und hatte seinen Widerstand angekündigt. An dieser Haltung hatte sich bis zur vergangenen Woche nichts geändert: "Ich bin stur. So stur wie die Stadt ist, kann ich auch sein." Auch Gespräche mit der Verwaltung, Briefe und gutes Zureden von Stadträten haben daran nichts geändert.

Es geht nicht ums Geld – das darf man Werner Grafmüller wohl glauben, hat er doch schon mehrmals Land an die Stadt verkauft –, sondern ums Grundsätzliche. Und es geht im Kern auch nicht um das Grundstück im Mauerfeld, sondern um die offene Autowaschanlage in der Freiburger Straße (Bundesstraße 33), zwischen den beiden Tankstellen. Sie grenzt – nur unterbrochen von der Schutter und dem Fuß- und Radweg – direkt an das Grundstück von Werner Grafmüller und seinem Sohn Thomas, der dort die Baumschule betreibt.

Von seinem Balkon aus ist die Waschanlage gut zu sehen. Als ihn Nachbarn im Jahr 2005 auf das geplante Projekt angesprochen hatten, da konnte Werner Grafmüller nach eigenen Worten "damit zunächst nichts anfangen". Dann begann er sich zu informieren, schaute sich andere offene Waschanlagen an und kam zu dem Schluss: Die Waschanlage steht am falschen Platz. Grafmüller wunderte sich, dass die Anlage genehmigt wurde, obwohl die seifenhaltigen Sprühnebel, die aufsteigen, sich auch über die Schutter legen und den Fischbestand schädigen würden. "In der Nähe der Schutter so eine Anlage zu genehmigen: Das passt nicht zusammen." In der Landwirtschaft müsse dagegen ein Mindestabstand von 20 Metern zu einem offenen Gewässer eingehalten werden.

"Ich verhandle erst

gar nicht über den

Verkauf des Grundstücks,

so lange die Waschanlage

noch läuft. Da können

sie sich überschlagen."

Werner Grafmüller
Werner Grafmüller kennt sich in dem Metier aus, 39 Jahre lang war er in den Landratsämtern in Bruchsal und Heilbronn in der Grünberatung tätig, hat dabei nach eigener Aussage viel mit dem Thema Sprühnebel und Abdrift zu tun gehabt: "Es gibt wahrscheinlich niemanden in Baden-Württemberg, der mehr Schäden in diesem Bereich bewertet hat und sich besser auskennt." Sein Sohn Thomas hatte damals gegen die offene Waschanlage Einspruch eingelegt, ein Gutachten, um die Argumente zu belegen, hätte aber rund 15 000 Euro gekostet: "Das war mir zu teuer", sagt der 77-Jährige, der seine Einwände aber bei der Stadtverwaltung, beim Landratsamt und im Regierungspräsidium vorgebracht hat. Grafmüller fand kein Gehör und fühlte sich offensichtlich nicht ernstgenommen: "Was mich aufgeregt hat und was ich nicht vergessen habe, ist die nicht zu übertreffende Arroganz und Selbstherrlichkeit. Die sind mit mir so umgegangen, so geht man mit keinem Bürger um."

Womit die Verbindung zur Landesgartenschau und dem besagten Grundstück im Mauerfeld geknüpft ist. Denn mit derselben Sturheit, mit der Grafmüller sich von Behörden behandelt fühlte, reagiert er nun selbst: "Ich verhandle erst gar nicht über den Verkauf des Grundstücks, solange die Waschanlage noch läuft. Da können sie sich überschlagen." Die Stadt solle den Betreiber entschädigen oder die Waschanlage so umbauen, dass sie geschlossen ist und keine Sprühnebel mehr aufsteigen. Und die Landesregierung – auch das fordert Grafmüller – soll regeln, wie und wo künftig solche offenen Autowaschanlagen gebaut werden dürfen.

Außerdem hält Grafmüller sein Grundstück im Mauerfeld für zu wertvoll, um es für Sportanlagen zu verwenden. Ihm schwebt ein "hochwertiger Bau" vor. Die Stadt Lahr ist seit Langem im Gespräch mit Werner Grafmüller und versucht ihn von der Bedeutung der Landesgartenschau zu überzeugen: "Durch die Landesgartenschau kann der Bereich Mauerfeld zum Bürgerpark mit sozialem Mittelpunkt im Lahrer Westen mit Sport, Freizeit und Begegnungsmöglichkeiten im grünen Park entwickelt werden", heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme von Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn.

Anders als Werner Grafmüller spricht Langensteiner-Schönborn von einer hochwertigen Nutzung des Geländes: "Ein großzügiger Baumsaum mit einem Bürgerwäldchen (...) wird gepflanzt und im Bereich des römischen Grabungsschutzgebietes werden Baumreihen quer zur Via Ceramica hergestellt. Es entsteht eine qualitätsvolle Parkanlage mit vielen Baumpflanzungen. Darüber hinaus sind hochwertige Nutzungen für das Gemeinwohl (...) ein wesentlicher Bestandteil des Konzeptes im Bürgerpark Mauerfeld. Dementsprechend wird das Gesamtgelände vom Maisacker zum hochwertigen, mit Bäumen gesäumten Grünraum, der für die Bürgerinnen und Bürger ein wertvoller Bereich zur Begegnung mit vielfältigen Möglichkeiten wird."

Zur Thematik Waschanlage äußert sich Karl Langensteiner-Schönborn nicht. Abschließend heißt es in der Stellungnahme: "Die Stadt Lahr wird weiterhin versuchen, den Eigentümer mit den zahlreichen guten Argumenten zu überzeugen und setzt auf den Dialog."
von Christian Kramberg
am Mo, 12. August 2013

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