BZ-Serie Wohnungsmarkt (2)

Axel Mayer fordert einen sozialökologischen Umbau der Stadt

"Die Grenzen des Flächenwachstums sind fast erreicht" – das sagt Axel Mayer, Regional-Geschäftsführer des BUND. Er mahnt einen sozialökologischen Stadtumbau, damit Naturschutz- und Naherholungsgebiete erhalten bleiben.

Breiburg (sic) im Breisgau? Das vorgegebene Thema ist aber leider nicht etwa das "Internationale Jahr des Bodens 2015" oder der globale und regionale Artenrückgang, sondern das Thema Wohnungsnot.


Bei einem Natur-, Umwelt- und Menschenschutzverband wie dem BUND stehen selbstverständlich auch soziale Themen auf der Nachhaltigkeitsagenda. Da stellt sich auch für uns die Frage, ob immer richtig und sozial verträglich gebaut und geplant wurde und ob Wohnungsnot in Freiburg nicht auch viel mit Spekulation zu tun hat.

Nötig ist der sozialökologische Stadtumbau, der flächensparende Umbau des Gebäudebestands im Rahmen der Innenentwicklung. Gerade zu diesen Details (unter anderem bebaubare Großparkplätze beim Regierungspräsidium in der Bissierstraße ...) haben sich der BUND und die Freiburger Umweltverbände immer wieder geäußert.

Die "Green" City ist mit einer unbequemen Wahrheit konfrontiert, die gerne verdrängt wird. Die Grenzen des Flächenwachstums sind fast erreicht, wenn Freiburg nicht die Hänge des Schwarzwaldes und die letzten Naturschutzgebiete und naturnahen Flächen im Westen auch noch zubauen möchte. In der "Green" City wächst die Liebe zur bedrohten Natur – je weiter diese bedrohte Natur vom Rieselfeld und den stadtnahen letzten Wiesen entfernt liegt.

Um die letzten bebaubaren Flächen werden jetzt die öffentlichen Konflikte ausgetragen, doch in der Realität wächst Freiburg schon lange entlang der Breisgau S-Bahn in den Landkreisen Emmendingen und Breisgau-Hochschwarzwald. Und dieser Trend wird sich noch verstärken. Angesichts dieser Realität kritisieren wir das immer noch vorhandene "Inseldenken" in Freiburg und den beiden Nachbarkreisen. Hier muss zukünftig mehr regional gemeinsam geplant und gedacht werden, um noch mehr Zersiedelung, breiartige Siedlungsstrukturen und Verscheußlichung zu verhindern. Bei aller Kritik an örtlichen Fehlentwicklungen müssen wir anerkennen, dass Freiburg zumindest noch ein wenig ökologischer und flächensparender plant und baut als die wuchernden Umlandgemeinden.

Freiburg wächst für einige Jahre tatsächlich noch, obwohl die Bevölkerung im Bundesgebiet trotz Zuwanderung in den nächsten Jahrzehnten massiv abnehmen wird. Das Wachstum unserer Bevölkerung ist innerdeutscher Flächenkannibalismus. Wir wachsen, weil andere schrumpfen, und das sind schon lange nicht mehr nur die Gebiete im Osten der Republik, sondern auch schon manche Schwarzwaldtäler. Die Bevölkerung in Freiburg und am Oberrhein wächst immer noch, weil es sich in der "Toskana Deutschlands" so gut leben lässt und wegen des schönen warmen Wetters.

Doch diese Standortvorteile kehren sich gerade in ihr Gegenteil. Irgendwann merken die Menschen, dass wir gerade dabei sind, alle Fehler des Molochs "Mittlerer Neckarraum" zu wiederholen und der Klimawandel macht aus unserem Standortvorteil mit drückender Schwüle und unerträglicher Hitze im Sommer immer stärker einen Standortnachteil. Wenn in Freiburg und im Breisgau die Bevölkerung gegen die örtlichen Grenzen des Wachstums und gegen die Vernunft dennoch wachsen soll, dann braucht es den sozialökologischen Stadtumbau und eine vernünftige, bürgermeisterferne, gute Regionalplanung mit den Nachbarkreisen und naturverträgliches, soziales, menschengerechtes, nachhaltiges, schönes, langlebiges Bauen.

Axel Mayer

Der Autor (59) ist seit 1974 aktiv im regionalen, grenzüberschreitenden Natur- und Umweltschutz und der Friedensbewegung im Dreieckland und Regional-Geschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) Mehr Infos, auch zu Planungsalternativen: http://www.bund-vso.de und http://www.bund-in-freiburg.de

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von bz
am Mi, 17. Juni 2015 um 08:54 Uhr

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