Marathon 2012

Begeisterung über neue Strecke, dazu eine Bestzeit

800 Kilo Hefezopf, 2200 Kilo Bananen und 60.000 Zuschauer haben die Läufer des Freiburg-Marathons über den Asphalt getragen. Die neue Strecke mit mehr Innenstadt-Anteil kam bei den Teilnehmern gut an. Einen Rekord gab es auch.

Gut trainiert, locker gesiegt
Der perfekte Tag – der für den VfL Sindelfingen startende Bastian Franz hatte ihn erwischt. Als er nach 2:24:46 Stunden die 42,195 Kilometer beendet hatte, war er nicht nur Sieger im Marathon, sondern hatte auch eine neue Bestzeit aufgestellt. (Fotos: Die Gesichter des Freiburg-Marathons)

Er habe gut trainiert, erzählte der 25-jährige Sportwissenschafts-Student und habe auch mit einer guten Zeit geliebäugelt. Dass sein erster Marathon aber gleich so erfolgreich werden würde, hatte der ehemalige Kurzstreckenläufer selbst wohl nicht gedacht. Schließlich deklassierte Bastian Franz den zweitplatzierten Thomas Klingenberger (2:35:10) aus Freiburg wie den Dritten Christoph Feremutsch aus der Schweiz (2:37:11) mit mehr als zehn Minuten Vorsprung.

Nach dieser überraschenden wie starken Leistung wollte Franz "die Laufschuhe nun erstmal zwei Wochen im Regal belassen". Zufrieden mit ihrer Leistung war auch die Schweizerin Denise Zimmermann: Sie gewann den Marathon der Frauen in 2 Stunden, 55 Minuten und 29 Sekunden. Sie kam zwei Minuten und 48 Sekunden früher ins Ziel als ihre Landsmännin und Zweitplatzierte Lizzy Hawker. Den dritten Platz erlief sich Svenja Mann vom Tri-Team SSV Ettlingen in 2:58:28. Freiburg im Herz, in Aalen daheim
"Sport als mentale Tankstelle" – das ist das Motto von Adolf Nowakowski, dem ältesten Teilnehmer des Halbmarathons. Der 79-jährige Rentner aus Aalen war mit seinem Schwiegersohn angereist, nachdem ihm sein erster Freiburg-Marathon 2006 in bleibender Erinnerung geblieben ist. "Seitdem kam mir aber jedes Jahr etwas dazwischen und für 2012 wollte ich deswegen unbedingt, dass es wieder mit einem Start klappt."

Zum Laufen sei er letztlich über die Arbeit gekommen, weil er einen Ausgleich gesucht und diesen im Sport gefunden habe. Am Sonntag blieb Nowakowski zwar mit 2:12 Stunden über seiner selbst gesteckten 2:10-Stunden-Marke, aber die "außerordentlich tolle Stimmung auf der Strecke war unvergesslich, ein richtiger Erlebnislauf". Und Nowakowski muss es wissen: Allein im vergangenen Jahr war er bei sieben Halbmarathon-Läufen dabei und holte zudem in dieser Disziplin mit der deutschen Mannschaft Gold bei der Europameisterschaft in der Klasse 75.Ein Bussi links, ein Bussi rechts
Nicht denkbar wäre eine solche Großveranstaltung ohne die vielen Helfer, die in allen Bereichen gebraucht werden. Zu ihnen gehörte auch Lucia Stöhr, die im Zielbereich mit ihren Kolleginnen an jeden Teilnehmer eine Medaille verteilte. "Nach einer solchen Anstrengung der Läufer sind ihre Gefühle sehr direkt. Und so kommt es auch mal vor, dass man im Überschwang ein Bussi aufgedrückt bekommt – aber ich freue mich wirklich über jeden, der die Strecke bewältigt hat." Voller Kopf, fitte Beine
Für die Erinnerung an bisher Gelerntes blieb Jakob Katzmann und Andreas Fauth auf der 21-Kilometer-Runde keine Zeit. Die beiden Lehramtsstudenten befinden sich momentan in der Prüfungsphase, "aber weil wir auf jeden Fall unter 1:45 Stunden laufen wollten, mussten wir uns auf das Sportliche konzentrieren" – Thomas Mann und Co. waren für einige Zeit also mal abgemeldet. Katzmann, der bereits 2006 den Halb- und 2010 den Marathon gelaufen ist, hob die neue Streckenführung hervor: "Diese Route ist wirklich viel besser. Durch den Wegfall der Berliner Allee ging es nun zunächst durch Herdern und Richtung Schlossberg und so war der hauptsächliche Teil der Steigung bereits am Anfang bewältigt." So gelang es den beiden Kumpels auch, sechs Minuten unter ihrem Zeit-Ziel zu bleiben.

Klassik hier, Extravaganz dort
Da der Großteil der Läufer in typischer wie praktischer Laufbekleidung unterwegs war, fielen die wenigen Exoten besonders auf: Nicht nur der zottlige Chewbacca aus den Star-Wars-Filmen war dabei, sondern auch Pumuckl, der "Fallers"-Darsteller Martin Wangler im Wander-Dress und eine Unbekannte, die in ihrem roten Ganzkörperanzug ein garantierter Blickfang war.
Marathon in Zahlen

42 Bands entlang der 21 Kilometer langen Strecke machten zusammen mit den geschätzt 60.000 Zuschauern große Teile der Innenstadt zur Bühne, zum Laufsteg für die Läufer. 25 Vereine aus Freiburg und Umgebung sorgten mit 1100 Helfern dafür, dass der Wassernachschub klappte und die Zuckerwerte nicht in den Keller gingen. Auch 150 Freiwillige von Rotem Kreuz und Maltesern verklebten Blasen und halfen, wenn der Kreislauf schwächelte. Besonders beliebt: die Physiotherapeuten, die die Läufer bei Bedarf wieder in Form kneteten. Dran glauben mussten am Sonntag 2200 Kilo Bananen (fair gehandelt), 800 Kilo Hefezopf und etwa 10.000 Bio-Energieriegel, ganz zu schweigen von 1500 Kilo Nudeln und 1200 Liter Tomatensauce (pur oder Bolognese). Den Zahlenmarathon runden 450 Schilder und 4000 Meter Absperrgitter ab – und ein Besenwagen. Der fuhr ganz zum Schluss mit, durchquerte gegen halb fünf die Bertoldstraße und beschloss das Rennen. Nur ein Räumfahrzeug der Stadtreinigung zuckelte noch hinterher – Kehraus nach einem fröhlichen Tag.

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von Michael Gilg, Simone Lutz
am So, 01. April 2012 um 20:45 Uhr

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