Beim Spielen ziemlich eingeschränkt

BZ-SERIE: Die Orgel in der St. Blasius-Kirche in Wolfenweiler ist kein Schmuckstück und stellt den Organisten vor Herausforderungen.

SCHALLSTADT. Betritt man die Kirche St. Blasius in Schallstadt-Wolfenweiler findet man sich in einem hellen Raum wieder. Die Wände sind hoch und weiß, die Fenster groß – eine moderne katholische Kirche. Erst in den Neunziger Jahren wurde die Kirche erbaut. Sie bietet viel Platz für die Besucher, Platz für Gedanken, für Gebete, für Musik. Folgt man den kleinen Stufen hinauf zur Empore, erwartet man dort oben eine große Orgel mit unzähligen Pfeifen – Platz gibt es ja zu genüge.

Oben angekommen steht dort lediglich ein kleiner hölzerner Schrank. Mitten auf der Empore scheint die Orgel wie vorübergehend abgestellt. Nur zweieinhalb Meter hoch und knapp eineinhalb Meter breit und tief ist die kleine Orgel. "Anscheinend hatte man nach dem Bau dieser wunderschönen Kirche k ein Geld mehr für eine vernünftige Orgel", erzählt Christoph Mutterer. Das Geld reichte nur noch für eine gebrauchte Orgel aus Maintal-Bischofsheim. Dort stand die Orgel des Orgelbaus Kreienbrink bis 1997. 1962 wurde sie einst erbaut. Das Holz ist einfach, an manchen Stellen bereits abgenutzt. Die Prospektpfeifen, die außen sichtbar sind, sind gehämmert und dunkel. "Das war einmal modern, schön ist das heute aber nicht mehr."

Mutterer wünscht sich eine angemessene Orgel für den Kirchenraum. "12 oder 15 Register wären schon toll. Mit den jetzigen fünf bin ich beim Spielen eingeschränkt. Eine richtig schöne Messbegleitung ist gar nicht möglich", sagt der 26-Jährige. Er spielt seit zehn Jahren bei Bedarf in St. Blasius. Ansonsten hilft der in Bad Krozingen wohnende Software-Ingenieur auch in anderen Kirchengemeinden der Region aus. Seine Interessen widersprechen sich nicht, findet er. Musik und Informatik seien einander ähnlich: "In meinem Beruf schaffe ich etwas Neues und das mache ich in der Musik auch. Denn besonders die Improvisation reizt mich beim Orgelspielen." Schon früh war er von dem großen Instrument beeindruckt. "Meine Eltern nahmen mich immer mit, wenn sie mit dem Kirchenchor auf der Empore sangen", erzählt er, "ich saß dann auf einem Stuhl neben der Organistin und war fasziniert, was aus dem Instrument heraus kommt." Zuerst erlernte er ganz klassisch Klavier, dann nahm er Orgelunterricht. Im Alter von 15 Jahren begleitete er zum ersten Mal einen Gottesdienst. "Den ersten in Schallstadt spielte ich im Juni 2005."

Nach dem Schulabschluss stand er vor der Entscheidung: Musik- oder Informatikstudium. Heute sei er mit seiner Wahl glücklich. "Ich muss nicht, ich darf Musik machen – das ist doch toll", sagt er schmunzelnd. Noch toller wäre eine große Orgel in St. Blasius, findet er. Es müsse keine Riesenorgel sein – einige Register mehr würden den Klang schon voller machen "Zwei Manuale würden außerdem viel mehr möglich machen", sagt der junge Organist. Manche Stücke könnten mit dieser Orgel überhaupt nicht gespielt werden – dass sei besonders schade, wenn Brautpaare einen Musikwunsch hätten, den man ihnen dann abschlagen müsse. "An Kirchenmusik darf man nicht sparen. Durch Musik bekommt man die Leute noch am ehesten in die Kirche", davon ist Mutterer überzeugt.
von Sophia Hesser
am Mo, 04. Mai 2015

ORGEL IN WOLFENWEILER

Erbaut: 1962 in der Kreienbrink Orgel- Manufaktur

Register: 5

Anzahl der Pfeifen: 378 P

Weitere Teile der BZ-Orgelserie gibt es unter mehr.bz/orgelserie  

Autor: she

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