Tolle Tour - auch für Kinder

Bettelweg Schuttertal

Wie man Kinder fürs Wandern begeistert? Mit einer Familientour im Schuttertal auf dem Bettelweg.

"Wandern?! Heute?" Ein Augenpaar wird verächtlich gen Decke gerollt, die Mundwinkel verheißen nichts Gutes. So leicht ist eine fast Zehnjährige nicht mehr zu begeistern. Die Mama legt nach: "Erinnerst du dich an die Zeichen, die einst bei Opa an der Klingel eingeritzt waren? Mit der die Vertreter sich gegenseitig heimlich Tipps gaben, wie man ihn am besten für ein weiteres Zeitschriftenabo oder zum Kauf eines Staubsaugers überredet?" – Die Stirn runzelt sich, aber das Augenpaar beginnt doch neugierig zu blitzen. "Was hat das denn mit Wandern zu tun?", will die Tochter wissen. "Das wirst du schon sehen."

Und so starten wir eine Stunde später unsere Tour auf dem sogenannten Bettelweg bei Dörlinbach im Schuttertal. Auf den Spuren alter Bettler- und Gaunerzinken geht es in rund 3,2 Kilometern von der Dorfkirche hinauf auf den Lieberatsberg. "So weit?", seufzt die Tochter. "Dort kehren wir ein und essen was Leckeres", lockt die Mama, "und wir müssen doch wissen, was es mit den 14 geheimen Zeichen am Wegesrand auf sich."

Kaum sind wir vom Parkplatz losgelaufen, an der Kirche vorbei, die sich ganz wunderbar vor dem schlumpfblauen Himmel abzeichnet, verlangsamt die Tochter auch schon wieder ihre Schritte: "Hä? Was soll das denn heißen?", fragt sie an einem der ersten Symbole: ein Kreis, durch den zwei parallele Pfeile verlaufen. Sieht irgendwie bedrohlich aus. Ist es auch, wie wir beim Aufdecken des Schildes erfahren: Abhauen!

Denn früher, in Hungerszeiten, hinterließen Notleidende auf ihren Betteltouren zu den weit auseinander liegenden Höfen des Schuttertals geheime Zeichen an den Häusern, um sich gegenseitig zu warnen – vor bissigen Hunden oder aggressiven Bauern. Aber auch um sich einander zu helfen, wie man bei dem ein oder anderen Hof doch an etwas zu Essen kommt.

War die Tochter anfangs noch etwas widerwillig unterwegs, beschleunigen sich ihre Schritte von Zeichen zu Zeichen. Federnd und mit wippenden Haaren geht sie an Wiesen und Wassertretanlage entlang hinein in den Wald. Grübelt über gekritzelten Kreuzen und Zacken, rätselt, was Halbmond und Friedhofshügel wohl zu bedeuten haben.

An einer Abzweigung im Wald treffen wir auf eine ältere Dame. Sie rät uns zu einer Abkürzung hinauf auf den Lieberatsberg. Aber die Tochter winkt ab: "Wir wollen doch auch noch die anderen Zeichen entschlüsseln!"



Der Bettelweg führt an 14 Bettler- und Gaunerzinken, die es zu entschlüsseln gilt, von der Dorfkirche Dörlinbach hinauf auf den Lieberatsberg, wo man in der Lieberatsbergstube gut einkehren kann. Der Weg ist nicht kinderwagentauglich.
Start:
Ziegelhüttenplatz,
Dörlinbach (direkt an der Kirche)

GPS: 48°14’50’’N, 7°57’19’’E
Länge: 3,2 km (gesamt 6,4 km)
Info: http://mehr.bz/thempfad

von rov
am Mi, 16. Mai 2018


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