Bibliotheken

Bibliotheken

Die ältesten Hinweise auf Bibliotheken in Lahr stammen aus dem frühen 19. Jahrhundert und verweisen auf die städtischen Lateinschule. Neben dieser Bibliothek, die für die Schüler und Lehrer gedacht war, hat es vermutlich auch kleinere private Bibliotheken gegeben, von denen bislang jedoch nichts überliefert ist. Eine bedeutende qualitative Erweiterung erfuhr die Gymnasialbibliothek 1806 durch die Übernahme von rund 860 Bänden aus dem Eigentum des säkularisierten Klosters Ettenheimmünster. Dieser Bibliotheksbestand ist heute nur noch in Resten vorhanden. Bibliotheken im Sinne nicht nur privater, sondern (teil)öffentlicher Bücher- und Mediensammlungen lassen sich in Lahr zuerst in frühliberalen-aufklärerischen Kontexten nachweisen. Die 1783 gegründete Lesegesellschaft richtete sich ebenso wie die 1815 nachgewiesene Evangelisch-theologische Lesegesellschaft der Diözesen Lahr und Mahlberg sowie die Museumsgesellschaft 1816 mit ihren Buch- und Zeitschriftenbeständen vornehmlich an eine groß- und bildungsbürgerliche, männliche Vereinsmitgliedschaft. Vermutlich ebenfalls unmittelbar vor 1800 gründete der Buchdrucker und Verleger Johann Heinrich Geiger eine kommerzieller Leihbibliothek, die jedoch – 1816 an seinen Schwiegersohn Ernst Kaufmann übergehend – ebenso wie die vorgenannten Bibliotheken bis zur Jahrhundertmitte ihren Betrieb weitgehend eingestellt zu haben scheint. Lediglich für die Lesegesellschaft lässt sich 1849 noch ein ordnungsgemäßer Betrieb nachweisen. Die Größe der Bibliotheksbestände ist nur gelegentlich überliefert. Die Geigersche Leihbibliothek umfasste um 1800 bereits um 1000 Titel, der Bestand der Lesegesellschaft kann auf mehrere Hundert geschätzt werden. Erst ab den 1860er Jahren kommt es zu einer neuen Gründungswelle, die zugleich eine deutliche soziale Ausweitung der Leserschaft bedeutet. Der 1859 gegründete Schillerverein eröffnete im April 1860 eine Vereinsbibliothek, die sich ausdrücklich auch an sozial schwächere Schichteten richtete und ein kleinbürgerliches Kernpublikum besaß. Die erste vereinsunabhängige Bibliothek in Lahr geht auf das Vermächtnis Christian Wilhelm Jamms zurück, der 1875 der Stadt seine Privatbibliothek sowie einen Fonds zur Grundausstattung einer städtischen Bibliothek vermachte. Daneben verfügten auch berufsständische Vereine über kleinere Bibliotheken. Im 20. Jahrhundert expandierten vornehmlich die öffentlichen und Schulbibliotheken, während die letzte private Leihbücherei (Fischer, Vogtstorstraße 9) 1977 schloss und auch die Vereinsbibliotheken ab der Jahrhundertmitte keine Rolle mehr spielten.

Alle bisher erschienenen Beiträge unter http://www.badische-zeitung.de/lahr-lexikon
von tmi
am Mi, 12. Februar 2014


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