Bürger schätzen das direkte Gespräch

70 Interessierte nutzen beim BZ Speed-Dating die Gelegenheit, die fünf Bürgermeisterkandidaten persönlich zu befragen.

ENDINGEN. "Ich bin gespannt, wie das Format bei Ihnen ankommt", sagte Holger Knöferl, stellvertretender Chefredakteur der Badischen Zeitung, als er die Bürgerinnen und Bürger begrüßte, die zum BZ Speed-Dating zur Bürgermeisterwahl am Dienstagabend gekommen waren. Nach gut eineinhalb Stunden war klar: Das direkte Gespräch im kleinen Kreis kam sehr gut an – sowohl bei den interessierten Bürgern als auch bei den Kandidaten.

Im Heimatsaal der Stadthalle waren nicht alle Stühle besetzt, doch rund 70 Interessierte wollten sich am Dienstagabend noch einmal ein direktes Bild von den fünf Kandidaten verschaffen, die sich um die Nachfolge von Hans-Joachim Schwarz bewerben, der nach 24 Jahren Amtszeit den Bürgermeisterposten im Endinger Rathaus räumt. Einige waren sich noch nicht sicher, an welcher Stelle sie am Sonntag ihr Kreuzchen auf den Wahlzettel setzen sollen. Andere waren gekommen, weil sie wegen Urlaub oder Jobstress noch keine Gelegenheit hatten, die Kandidaten persönlich kennenzulernen.

Die Badische Zeitung habe sich entschieden, nicht über alles im Wahlkampf zu berichten, stellte Holger Knöferl eingangs klar. Sie habe sich bewusst nicht vor jeden Karren spannen lassen, schon gar nicht vor den der sozialen Netzwerke. Wichtig bei der Bewertung von Ereignissen und Argumentationen seien für die Redaktion immer die Fragen nach der Relevanz und der Plausibilität, unterstrich Holger Knöferl: "Wir wollen lieber den Lesern gefallen als den Kandidaten."

Auch Lokalredakteur Martin Wendel betonte, dass die BZ bewusst "nicht über jedes Stöckchen springen und in jedes Schlammloch eintauchen wollte". Eine fundierte Wahlentscheidung erfordere umfassende persönliche Information über die Kandidaten und die Inhalte, für die sie stehen. Genau dazu solle der Abend dienen.

Die kurze Vorstellungsrunde im Heimatsaal nutzten Felix Fischer, Andreas Schmidt, Jörg Dengler, Tobias Metz und Werner Semmler zu Informationen zur Person und zum beruflichem Werdegang, aber auch dazu, nochmals in aller Kürze ihre Beweggründe zur Kandidatur und ihre zentralen inhaltlichen Positionen zu verdeutlichen.

Dann ging es für Kandidaten und Bürger in die benachbarte Stefan-Zweig-Realschule, wo fünf Klassenzimmer vorbereitet waren. Die Besucher konnten frei entscheiden, zu welchem Bewerber sie gehen wollen. Sie konnten die komplette Runde absolvieren oder auch nur ganz gezielt bestimmte Kandidaten befragen. Jede der fünf Runden war auf zehn Minuten begrenzt. Daher waren möglichst kurze Fragen und Antworten gefragt.

Schnell verteilten sich die Bürgerinnen und Bürger auf die Zimmer. Einige hatten eine lange Liste mit Fragen dabei, andere saßen einfach nur im Plenum und hörten zu. "Super, dass man in kleiner Runde alles fragen kann", befand eine Frau nach der ersten Runde, hakte die Antworten des ersten Kandidaten ab und ging zum zweiten. Manche Besucher stellten jedem Kandidaten die gleichen Fragen, andere besuchten einen Kandidaten gleich zwei Mal. Hinter den geschlossenen Türen wurde rege, zum Teil auch sehr detailliert, gezielt und kenntnisreich gefragt. Und immer wieder war hinterher die Aussage zu hören, vor 30 Menschen frage es sich eben einfacher als vor 1600 Menschen in der Stadthalle.

Die meisten Speed-Dating-Besucher machten alle fünf Runden mit, einige verabschiedeten sich schon früher. "Hat mir bei meiner Einschätzung sehr geholfen", meinte eine Frau, die schon kurz nach halb acht den Heimweg antrat. Viele schätzten die Gelegenheit, sich selber ein eigenes Bild von den Bewerbern zu machen. Manch einer hätte sich allerdings mehr Zeit bei den Runden gewünscht.

Auch die Kandidaten bewerteten die Fragerunden mit den Bürgern durchweg positiv. Das direkte Gespräch mit den interessierten Bürgern sei wie schon am Abend zuvor beim Jugendforum (siehe BZ vom Mittwoch) sehr informativ gewesen.

BZ-Regionalverlagsleiter Christian Merkle hatte mit seiner Truppe für einen reibungslosen Ablauf gesorgt. Für Schmunzeln und Erheiterung sorgte das Becken, dessen Klang Anfang und Ende der zehnminütigen Gesprächszeit ankündigte, weil der Schulgong nicht zur Verfügung stand. "Das habe sich zum letzten Mal bei Robert Lembke gehört", meinte ein Besucher.

von Ruth Seitz
am Do, 08. November 2018

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