Wahlkampf in Endingen

Bürgermeisterkandidaten stellen Ideen für die Zukunft von Endingen vor

In Endingen haben sich alle Bürgermeisterkandidaten den Fragen der Bürger gestellt. Die wollten etwa wissen: Wächst die Stadt weiter? Was macht der Klimaschutz? Wie lässt sich der Verkehr steuern?

Die drei wichtigsten Probleme

Zum Einstieg gibt es eine kurze persönliche Vorstellung aller fünf Bewerber, ehe die drei wichtigsten Probleme aus der Sicht jedes Kandidaten gefragt sind.

Felix Fischer nennt die Neustrukturierung der Verwaltung mit kurzen Wegen, ein breit diskutiertes Verkehrskonzept, das Einkaufen erlaubt, die Innenstadt und neuralgische Punkte entlastet sowie mehr Miteinander in der Gesamtstadt.

Andreas Schmidt will eine modernere, Verwaltung, die dank Digitalisierung Kosten spare und der "perfekte Dienstleister" sei. Die hohe Verschuldung sei ein Problem angesichts großer Aufgaben. Stärken will er die Bürgerbeteiligung.

Tobias Metz will die Verwaltung analysieren und neu organisieren, beim auf Jahre dominierenden Thema Schule auf extreme Kostenkontrolle achten und die Stadt mit den Bürgern weiterentwickeln.

Jörg Dengler sieht Endingen nicht als "Problemzone", sondern als chancenreiche Kommune, die bezahlbaren Wohnraum, eine zukunftsorientierte Bildungs- und Gewerbestruktur und Lösungen für das komplexe Thema Verkehr benötige.

Werner Semmler will die Verwaltungskosten senken, rationalisieren, Endingen als touristischen Edelstein schleifen und eine Fußgängerzone schaffen.

Wachstum und Flächen

Wie sollen Wachstum und nachhaltiger Umgang mit Flächen geschehen? Wachstum müsse auch künftig möglich sein, sind sich alle Kandidaten einig; es müsse aber bedarfsgerecht und flächenschonend gesteuert werden. Metz wirbt dafür, Leerstände zu ermitteln und nutzbar zu machen. Schmidt will jede zusätzliche Versiegelung genau prüfen, aber ansässige Firmen bei Bedarf unterstützen. Fischer sieht nach dem enormen Wachstum Nachholbedarf bei der Infrastruktur und Verwaltung und will die Bürger bei zentralen Themen einbinden. Semmler lehnt ein Bauamt mangels kommunaler Entscheidungskompetenz ab und beklagt, die Stadt habe durch "miese Geschäfte" bei Erschließungen einige wenige reich gemacht. Dengler will den wenigen verbliebenen Spielraum so naturverträglich wie möglich nutzen und mit mehr Expertise in der Verwaltung eine zukunftstauglichere Stadtplanung machen als bisher.

Rezepte für weniger Verkehr

Die radikalste Lösung für die Innenstadt will Semmler: eine Fußgängerzone testen – auch gegen den Widerstand des Handels. Ansonsten setzt er auf ein besseres Bahnangebot. Dass der Bahnausbau mehr Pendler in öffentliche Verkehrsmittel bringen wird, glaubt auch Dengler, doch beim Individualverkehr sei erst einmal jeder Bürger selber gefordert, ist er sich mit Metz einig. Die Stadt könne nur Anreize schaffen, etwa für Elektromobilität und durch besseren Taktverkehr in die Dörfer, so Dengler. Noch mehr leere Busse hält Schmidt für falsch und teuer; er plädiert für sichere Radwege und die Bildung von Fahrgemeinschaften via App. Fischer will Kapazitäten im öffentlichen Nahverkehr bedarfsgerecht umschichten. Da der Verkehr nicht abnehmen werde, müsse man ihn besser steuern. Metz plädiert für ein Verkehrsleitsystem, denn die Stadt mache es viel zu leicht, einfach reinzufahren. Auch ein Parkleitsystem müsse her.

Spagat Naturschutz/Wirtschaft

Die kleinteilige Struktur der Landwirtschaft ist für Dengler wichtig. Die Stadt müsse die Arbeit der häufig im Nebenerwerb tätigen Landwirte wertschätzen und sie bei Themen wie Zertifizierung von Flächen unterstützen. Fischer, Metz und Schmidt plädieren im Spannungsfeld zwischen Wirtschaft und Naturschutz für moderates Wachstum im Dialog, vor allem fokussiert auf ansässige Firmen und so viele Jobs wie möglich auf möglichst wenig Fläche. Grün- und Kulturflächen seien wichtig für die Artenvielfalt. Wanderten Firmen in andere Orte ab, sei das kein nachhaltiger Landschaftsschutz. Schmidt macht sich zudem für den Schutz des Grundwassers stark. Semmler will "im Zweifel Vorrang für die Natur" und mit weniger Verwaltungskosten den Wachstumszwang bremsen.

Und was wäre zum Beispiel mit Dachbegrünung oder Bienenweiden auf Freiflächen im Industriegebiet, haken die Veranstalter nach? Wer billig Bauland bekomme und einen günstigen Industriebau erstelle, der müsse auch noch Geld für Begrünung haben, fordert Semmler. Da müsse man mehr Vorgaben machen. Fischer regt nach Waldkircher Vorbild an, die Stadt solle für jedes Neugeborene einen Baum spenden und pflanzen – zur dezentralen Begrünung der Stadt. Metz wirbt für Gespräche mit den Firmen und Aktionen wie die Blumenwiesenpäckchen in Lahr. Da sei mit wenig Geld viel zu erreichen. Dengler schließt sich Metz an und spricht sich dafür aus, die regionalen und örtlichen Umweltverbände mit ihrem Fachwissen einzubinden. Deren Know-how will auch Schmidt kommunalpolitisch stärker nutzen.

Kooperation mit Nachbarn

Wo halten die Kandidaten interkommunale Zusammenarbeit für denkbar? Werner Semmler fordert, bei Naturschutzflächen großflächiger zu denken. Andreas Schmidt sieht vieles ohnehin nur im regionalen Verbund realisierbar – auch beim Nahverkehr oder Naturschutz- und Gewerbeflächen. Felix Fischer fordert, an vielen Stellen viel regionaler zu denken – auch als Region Kaiserstuhl. Gemeinsam habe man einfach mehr Gewicht. Jörg Dengler hält interkommunale Flächen für sinnvoll, wo sie sich anbieten. Tobias Metz verweist darauf, dass der Weg der regionalen Zusammenarbeit ja schon begonnen wurde. Das könne man sicher noch ausbauen.

CO2-neutral bis 2030?

Die Klimaschutzziele seien "sportlich gesteckt", meint Metz. Endingen könne eigentlich nur auf Solarenergie setzen. Die meiste Energie werde in den Haushalten verbraucht. Der Schlüssel liege in der energetischen Sanierung. Die könne die Stadt fördern, aber die Eigentümer müssten es schaffen. Hier helfe Beratung und Begleitung. Vielleicht wäre mit der Industrie auch Nahwärmenutzung denkbar.

Auch Schmidt setzt vor allem auf Aufklärung und nennt die Stelle der Klimaschutzmanagerin wichtig. Die Stadt müsse bei neuen Baugebieten vorausdenken und zentrale Heizkraftwerke planen.

Fischer wirbt für bessere Vermarktung der Arbeit von Klimaschutzmanagerin und Arbeitskreis Energie. Die Stadt müsse den Zugang zu Zuschusstöpfen ebnen, sachkundige Bürger einbinden und wie in Teningen enger mit der Bürgerenergiegenossenschaft zusammenarbeiten.

"Träume kann man leben", betont Dengler, aber "man muss es halt machen". Die Stadt müsse Sanierungsfahrpläne für Gebäudetypen bieten und die Rahmenbedingungen schaffen – etwa für E-Mobilität. Solange die zentrale Energieversorgung aber auf Kohle basiere, werde es schwer.

Bürgerbeteiligung

Bei der Frage nach Bürgerbeteiligung ist man sich einig. Alle Bewerber werten das Wissen der Bürger als wichtige Ressource und "größtes Kapital" (Werner Semmler). Jeder habe Potenzial, sagt Andreas Schmidt. Jörg Dengler, in Freiburg selber als sachkundiger Bürger in Gremien, will das Konzept auch in Endingen einführen, doch Bürgerbeteiligung verlange breite Teilnahme, um die Vielfalt der Meinungen zu gewährleisten.Tobias Metz und Felix Fischer halten direkte Demokratie bei einigen Themen für sinnvoll, doch bei anderen sei es gut, eine repräsentative Demokratie zu haben. Letztlich, so Metz, hätten die Bürger viel mehr Möglichkeiten und Rechte, als vielen bewusst sei.
von Martin Wendel
am Mi, 24. Oktober 2018 um 12:19 Uhr

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