BZ-INTERVIEW: "Am besten ist, wenn man erst gar keinen Einkaufszettel schreibt"

Gedächtnistrainer Markus Hofmann macht Mut zum alltäglichen Gedächtnistraining / Neue Herausforderungen suchen.

Markus Hofmann gehört zu den bekanntesten Gedächtnistrainern in Deutschland. Er vermittelt auf unterhaltsame Art Lern- und Merktechniken. So lässt Hofmann seine Seminarteilnehmer Einkaufslisten mit Hilfe von Körperteilen lernen. Mit der Reise über Kopf, Schultern und Knie werden Kaffee, Nudeln und Zucker assoziiert. BZ-Mitarbeiterin Ute Aschendorf sprach mit ihm über Gehirntraining im Alter.

BZ: Welchen Rat geben Sie Menschen, die ständig den Einkaufszettel vergessen und dann ratlos im Supermarkt stehen ?

Hofmann: Am besten ist es doch, wenn man erst gar keinen Einkaufszettel schreibt, den man dann doch wieder vergessen könnte. Viel besser wäre es doch, die Liste mit den nötigen Einkäufen einfach im Gedächtnis zu haben.

BZ: Das klingt bei Ihnen leicht und einleuchtend – aber die wenigsten Menschen haben solch ein gutes Gedächtnis. Vor allem im Alter klaffen Lücken und man steht dann plötzlich im Laden und weiß nicht mehr, welche Sachen man kaufen wollte.

Hofmann: Und genau deshalb versuche ich, die Menschen dazu zu bewegen, ihr Gehirn zu trainieren. Mit einfachen Techniken kann man innerhalb von zwei bis drei Wochen das Gedächtnis so gut schulen, dass eine Einkaufsliste kein Problem darstellt. Die Mnemotechnik bietet verschiedene Möglichkeiten, das Gehirn zu aktivieren.

BZ: Ich kenne viele Leute, die sich mit dem Lösen von Kreuzworträtseln geistig fit halten. Ist das auch eine empfehlenswerte Form von Gedächtnistraining ?

Hofmann: Durch das Lösen von Kreuzworträtseln wird nur vorhandenes Wissen abgefragt, aber kein neues Wissen erworben. Viel wichtiger ist es, zunächst beide Gehirnhälften zu aktivieren. Zur Förderung der Gedächtnisleistung ist es gut, wenn Rechtshänder einmal einige Tage lang versuchen, mit der linken Hand ihre Zähne zu putzen oder mit links die Schuhe zu schnüren. Ein anderes Beispiel: Drehen Sie die Zeitung einfach um und versuchen Sie die Artikel verkehrt herum zu lesen. Das wird das Gehirn fordern und aktivieren. Am wichtigsten ist es aber, Langeweile zu vermeiden, denn die ist ein "Kreativitätskiller".

BZ: Welche Regeln und Übungen empfehlen Sie älteren Menschen, die ihr Gedächtnis trainieren wollen?

Hofmann: Für ältere Menschen gelten grundsätzlich die gleichen Regeln wie für Junge. Wichtig ist es immer, neue Dinge zu erleben und sich Herausforderungen zu stellen. Eine Fremdsprache oder einen neuen Tanz zu erlernen kann ebenso helfen wie das Memory spielen oder Puzzle legen mit den Enkelkindern. Dabei ist es immer besser, sich im Familien- oder Freundeskreis zu beschäftigen, denn die damit verbundenen Gefühle wirken sich positiv auf das Gehirn aus. Und beim Lernen sollte man sich keinesfalls verkrampfen, denn dann blockiert das Gehirn sich selbst. Mit Humor und Freude arbeitet das Gehirn viel entspannter.

Wer mehr über die Trainingsmethoden von Markus Hofmann wissen will, findet Tipps unter: http://www.unvergesslich.de
von aus
am Mi, 24. April 2013


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