BZ-KRäUTERFIBEL: Löwenzahn ist eine Delikatesse

BZ-SERIE (TEIL 3): Lothar Koch über Kräuter und Blüten.

KAISERSTUHL/BREISACH (gz). Kräuter sind meist nicht nur gesund, sondern auch sehr schmackhaft. Unser Kräuterexperte Lothar Koch vom Gasthaus Kaiserstuhl in Niederrotweil stellt in der BZ-Kräuterserie heute den Löwenzahn vor.

Erntezeit: die jungen, zarten Blätter am Kaiserstuhl von Februar bis April (können jedoch das ganze Jahr gesammelt werden); hellgrüne oder noch gelbe Blätter haben nicht so viele Bitterstoffe; die feinen gelben Blättchen findet man auch in Maulwurfshügeln. Die Blätter sind eine Salat-Delikatesse. Man lässt sie fein geschnitten mit etwas Salz in lauwarmem Wasser ziehen, dadurch werden sie milder. Blüten: Ernte zur Hauptblütezeit im April oder Mai für Gelee, Sirup und Wein sowie getrocknet als Tee (nur die gelben Blütenblättchen verwenden, den Rest entfernen); Knospen gesalzen und in Essig konserviert als Blütenkapern oder Wildgemüsebeigabe; Stängel: 1 Zentimeter pro Tag, vorher in Wasser eingelegt wie die Blättchen, gut für die Galle; Wurzel wurde früher über die Wintermonate ausgestochen, geschält, getrocknet und als Kaffeeersatz aufgegossen.
Geschmack: Die Pflanze schmeckt chicoréeartig, die Blütenblättchen verströmen einen süßlichen Honigduft; die Blüten müssen schnell verarbeitet werden, weil sie in sich zusammenfallen und dann ihren Duft verlieren.

Inhaltsstoffe: in der Wurzel im Herbst und Winter viel Inulin; Bitter- und Gerbstoffe, viele Mineralien, fünfmal so viel Eiweiß, achtmal so viel Vitamin C und doppelt so viel Kalium, Magnesium und Phosphor wie Kopfsalat. Löwenzahn ist auch blutreinigend und regt die Leber an, optimales Frühlingskraut für den gesamten Organismus, besonders für die Nieren, daher am Kaiserstuhl auch der Name "Pissblume"; leichte Linderung bei Rheuma und Gicht.

Anwendung in der Küche: Salat: traditionell am Kaiserstuhl lauwarm mit gekochten Kartoffeln, Eiern, Knoblauch
und feinem Kräuterdressing oder mit ausgelassenem Speck.

Tipp: für Tee am besten alle Pflanzenteile trocknen, als Kur morgens und abends ein paar Schluck 4 Wochen als Frühjahrskur trinken; einfach herzustellender Blütenhonig (gegen Erkältung): zwei Hand voll der gelben, frischen Blütenblättchen mit 500 Gramm Honig ansetzen und mit Zimt, wenig Nelke und etwas Kardamom etwa 3 Wochen in der Sonne ziehen lassen und abfiltern; genießen zu Eis, in den Tee oder pur.
Bezugsquelle: auf sauberen Wiesen und Äckern mit etwas Fleiß einfach zu sammeln (eventuell zuvor Eigentümer fragen); getrocknete Pflanzen: Kräuter-Schmidt (Burkheim) oder auf dem Freiburger Münsterplatz; Sirup: Wochenmarkt am Donnerstag Hurter Martine et Luc, 68140 Soultzeren/Elsass; Plantes médicinales et aromatiques, Sirops et Confitures, Ferme Raedersmatt.

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von bz
am Sa, 21. April 2012

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