Notfall-Fahrpläne

Corona bremst den Nahverkehr am Hochrhein aus

Der regionale Bus- und Bahnverkehr wird an die derzeitige Situation angepasst. Zwischen Waldshut und Basel fährt kein Interregio-Express mehr. Abstandsregeln gelten auch in Bussen und Zügen.

Das Coronavirus und die damit verbundenen Einschränkungen zur Eindämmung der Pandemie bremsen auch den Nahverkehr am Hochrhein aus. So haben der Waldshuter Tarifverbund (WTV) und der Regio-Verkehrsverbund Lörrach (RVL) bereits in der vergangenen Woche mit Beginn der Schulschließungen auf den Ferienfahrplan umgestellt. Ab kommendem Montag zieht die Bahn nach und setzt deutlich weniger Züge ein.

Ziel der Änderungen ist, während der Pandemie ein reduziertes, aber stabiles Angebot im öffentlichen Nahverkehr aufrechtzuerhalten, wie das Landesverkehrsministerium aus Stuttgart mitteilt. Bereits jetzt ist auf den Fahrgasttafeln an den Bahnhöfen die Aufforderung der Bahn zu lesen: "Fahren Sie nur, wenn es unumgänglich ist." Ein Überblick über die Änderungen:

Bahnverkehr Hochrheinstrecke
Am kommenden Montag, 30. März, treten die Notfallpläne der DB-Regio in Kraft. Diese sehen vor, dass die Regionalbahn (RB) zwischen Basel und Lauchringen im Stundentakt fährt. Der Interregio-Express (IRE) verkehrt weiterhin stündlich von Singen nach Waldshut. Der Verkehr des IRE zwischen Basel und Waldshut wird hingegen bis auf Weiteres eingestellt.

Wutachtalbahn
Zwischen Waldshut und Stühlingen ist die Wutachtalbahn, die erst im vergangenen Dezember wiederbelebt worden war, bis voraussichtlich 17. April nicht in Betrieb. Als Alternative gibt der WTV die Buslinie 7338 an, die zu Fahrplanzeiten wie an schulfreien Tagen auf dieser Strecke verkehrt.

Grenzverkehr
Der Bahnverkehr im deutsch-schweizerischen Grenzgebiet ist ebenfalls stark eingeschränkt. So entfällt aufgrund behördlicher Anordnungen vorerst bis zum 5. April der Halt des IRE in Schaffhausen. Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) haben bereits seit 23. März das S-Bahn-Angebot auf der Strecke zwischen Erzingen und Schaffhausen reduziert. Die S-Bahn-Linie 9 bedient ab sofort wieder Lottstetten und Jestetten. Auch der Bahnhof Waldshut wird aus der Schweiz wieder angefahren. Allerdings berichten Grenzgänger, die die Verbindung Richtung Koblenz nutzen, dass manche Züge kurzfristig ausfallen. Der Fernverkehr aus Richtung Norden endet in Basel Badischer Bahnhof. Die Züge fahren nicht weiter zum Bahnhof Basel SBB.

Hygiene in der Bahn
In den Zügen gelten genau wie in Bussen und an Bahnhöfen die Hygiene-Empfehlungen, die das Robert-Koch-Institut für alle Lebensbereiche ausgegeben hat. Das betrifft auch das empfohlene Abstandhalten zu den Mitreisenden. Die Deutsche Bahn hat darüber hinaus Maßnahmen getroffen, um eine Ausbreitung des Coronavirus möglichst einzudämmen. Dazu gehört beispielsweise die Installation von Plexiglasscheiben in den Reisezentren der Bahnhöfen. In den Zügen werden Fahrscheine nur noch auf Sicht kontrolliert.

Busverkehr
Der Busverkehr im Landkreis Waldshut ist voraussichtlich bis 17. April auf Ferienbetrieb umgestellt. Damit reagiert der WTV zum einen auf die Schulschließungen, zum anderen sollen die Busfahrer geschont werden, damit möglichst uneingeschränkt das Fahrplanangebot wie an Ferientagen aufrechterhalten werden kann.

Zwei-Personen-Regel
Das seit vergangenem Sonntag geltende Kontaktverbot, das eine Ansammlung von mehr als zwei Personen untersagt, gilt nicht bei der Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel und beim notwendige Warten an den Haltestellen auf die Abfahrt. Dennoch, so der WTV, "sind wir als Betreiber der öffentlichen Verkehrsmittel angehalten, die Fahrgäste auf die allgemeinen Verhaltensregeln, und insbesondere auch auf das Halten von 1,50 Metern Abstand zu Mitreisenden hinzuweisen".

Hygiene im Bus
Christian Pawlak arbeitet als Busfahrer bei der Südbadenbus GmbH. "Keine Panik, kein Stress – einfach anpassen" an die veränderte Situation, sagt er lächelnd während einer Fahrerpause am Waldshuter Busbahnhof. Seine Fahrgäste dürfen wie bei allen Bussen nur noch an der hinteren Tür ein- und aussteigen. Die vordere Tür ist für Passagiere geschlossen, um den Busfahrer und seine Kollegen vor Ansteckungen zu schützen. Der WTV betont, dass die Busse in kürzeren Abständen als üblich gereinigt werden.

Fahrkarten-Verkauf
Busfahrer verkaufen derzeit keine Tickets, jedoch besteht weiterhin Fahrkartenpflicht. Diese können entweder an den Automaten der Bahnstationen, im Internet (http://www.bahn.de/navigator oder am Schalter an den Bahnhöfen, wenn vorhanden, gekauft werden. Der WTV weist auch auf die Möglichkeit hin, die Tickets nachträglich am Zielort zu erwerben.

Bürger- und Stadtbusse
Bürgerbus Wehr: Der von Ehrenamtlichen betriebene Bürgerbus Wehr hat seinen Betrieb am Donnerstag bis auf Weiteres eingestellt. Da die Fahrgäste des Bürgerbusses aufgrund ihres überwiegend hohen Alters zur Risikogruppe bei einer Covid-19-Erkrankung zählen, hat sich Bürgermeister Michael Thater zur vorübergehenden Streichung des Angebots entschieden.

Bürgerbus Murg: Die Stadt Wehr folgt dem Beispiel des Murger Bürgerbusses, der ebenfalls von ehrenamtlichen Fahrern getragen wird. Dort wurde der Busverkehr zum Schutz der Fahrer und Fahrgäste bereits am 15. März eingestellt.

Bürgerbus Küssaberg: Die Besorgungsfahrten mit dem Bürgerbus Küssaberg gibt es weiterhin, aber mit Einschänkungen, wie Birgit Ebi vom Bürgerservice der Gemeinde Küssaberg auf Nachfrage sagt: "Der Bus fährt nur auf Anforderung und mit maximal einem Fahrgast."

Bürgerbus Lauchringen: Der Bürgerbus Lauchringen hat seine Fahrten bis auf Weiteres eingestellt, da der vorgeschriebene Mindestabstand der Fahrgäste in dem neunsitzigen Bus nicht gewährleistet werden könne, wie es auf Nachfrage aus dem Rathaus Lauchringen heißt. Die Gemeindeverwaltung verweist als Alternative für Senioren, die den Bürgerbus zum Einkaufen nutzen, auf das Angebot der Jungen Union Lauchringen, für Menschen, die zur Corona-Risikogruppe gehören, Besorgungen zu erledigen.

Bürgerbus Stühlingen: "Unser Bürgerbus steht momentan", sagt Barbara Kühn vom JA-Verein Nachbarschaftshilfe aus Stühlingen. Der Bus verkehrt normalerweise zwischen dem Ortsteil Mauchen und Eggingen. Außerdem kann er von Vereinen angemietet werden. Da das Vereinsleben gerade still steht und der Mittagstisch, den überwiegend Senioren nutzen, derzeit nicht stattfindet, werde der Bürgerbus nicht benötigt, so Kühn.

Citybus Bad Säckingen: Der von den Stadtwerken Bad Säckingen betriebene Citybus fährt aktuell nach dem Ferienfahrplan, wie Ilona Flum von der Tourist-Information Bad Säckingen sagt. Fahrkarten werden derzeit nicht im Bus verkauft.
von Juliane Schlichter
am Fr, 27. März 2020 um 16:34 Uhr

Badens beste Erlebnisse