Kunst

Das Kunsthaus Zürich zeigt die Ausstellung "Delaunay und Paris" mit achtzig Werken

Das Kunsthaus Zürich zeigt die Ausstellung "Delaunay und Paris" mit achtzig Werken.

Für Walter Benjamin war es die "Hauptstadt des 19. Jahrhunderts". In der Kunst behauptete Paris diese Rolle sogar bis Mitte des 20. Jahrhunderts – ehe es von New York abgelöst wurde. Vielleicht ist es da nur folgerichtig, dass die Seine-Metropole ihren Hymniker nicht in einem Schriftsteller, sondern einem Künstler fand. "Triomphe de Paris" nennt Robert Delaunay eine Gouache von 1929, die die Stadt als Inbegriff einer neuen, modernen Zeit feiert. Womöglich musste man wie er aus der Provinz kommen, um den rechten Sinn für das aufregend Neue dieser Zeit mitzubringen. Delaunays Themen: die Triumphe der Technik, etwa die Anfänge der Luftfahrt. Oder die Sensationen des Sports: 1924 war Paris Olympia-Stadt

80 Gemälde und Arbeiten auf Papier zeigt das Kunsthaus Zürich in der Ausstellung "Delaunay und Paris" – ergänzt um Fotografien und Filme der Zeit, die die Stadt in den Fokus rücken. Delaunays häufigstes Motiv ist der Eiffelturm als Emblem des technischen Fortschritts. "Der Turm wendet sich an das Universum" heißt ein Ölbild von 1909.

Selbst in Porträts – etwa dem des Surrealisten Soupault – dient der Eiffelturm als Hintergrundmotiv; und welch hinreißende Porträts der Künstler nicht gemalt oder gezeichnet hat! Den Turm bietet uns Delaunay anfangs kubistisch zerlegt, später in allen Ansichten: von unten, auf mittlerer Höhe oder aus der Vogel- beziehungsweise Flugzeugperspektive. "Air, fer, eau": Luft, Eisen, Wasser – und mittendrin der Turm.

Auch als Begründer des Orphismus, der französischen Variante der Abstraktion, ist Delaunay präsent. Mit "Disque" in leuchtenden Farben. Oder mit "Rythme, Joie de vivre" – Lebensfreude als Gegenentwurf zur Askese der Moderne.

Termine: Kunsthaus Zürich, Heimplatz 1.
Bis 18. Nov., Di, Fr bis So 10–18 Uhr, Mi, Do bis 20 Uhr

von Hans-Dieter Fronz
am Fr, 07. September 2018


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