Das Rad drehen und nicht neu erfinden

Bürgermeisterkandidat Michael Schlegel will ohne fertige Konzepte nach Gundelfingen kommen.

GUNDELFINGEN. Die Motivation, das Ziel und die Vision – so hatte Michael Schlegel seinen Informationsabend am Freitag im Gasthaus Rößle gegliedert. Der 49-jährige, in Denzlingen geborener Kandidat will als möglicher Bürgermeister Gundelfingen mit frischen Ideen und durch gemeinsames Handeln nach vorne bringen. Beim Gespräch in trauter Runde, denn es kamen lediglich fünf Interessierte, stellte er seine Pläne vor – und gab Einblicke in sein Familienleben, das ihn gezwungen hatte, zu spät zu kommen: Er musste zuerst seinen Vater nach einem Treppensturz ins Krankenhaus bringen.

"Gundelfingen ist eine spannende Gemeinde, hier würde ich mich sehr gerne einbringen", betonte Schlegel, seit 1997 Bürgermeister in Reute. Viele Aufforderungen in den vergangenen Jahren, sich als Bürgermeister einer größeren Gemeinde als Reute zu bewerben, habe er immer wieder ausgeschlagen. "Weil es eben Gundelfingen gibt. Ich habe vor Jahren schon erkannt, dass es gut ist, darauf zu warten." Allerdings ist Schlegel kein Bürgermeister, der mit fertigen Konzepten in die Gemeinde kommt. Das Rad neu erfinden, will er auch nicht. Vielmehr will er am Rad drehen und "die Probleme mit den Bürgern gemeinschaftlich lösen."

Ganz deutlich wird bei dem Informationsgespräch, dass Schlegel ein Profi ist. Er weiß, von was er redet: bei der DSL-Versorgung und den Gewerbesteuereinnahmen über den demographischen Wandel bis hin zu den weichen Standortfaktoren für das Gewerbe und Betreuung von Kindern unter drei Jahren. Für alle Themen hat Schlegel ein gutes Beispiel aus seinem 17-jährigen Bürgermeister-Alltagsleben.

Vor allem das ehrenamtliche Engagement der Bürger in Gundelfingen habe ihn beeindruckt – damit lasse sich so Vieles gestalten, auch der demographische Wandel. "Gerade dieser Prozess muss gemeinsam gestaltet werden – eine wichtige Aufgabe." Gundelfingens Gundelfingen lobte er: "Hier wurde in den letzten Jahren alles richtig gemacht."

Um preisgünstige und auch altersgerechte Wohnungen bereitzustellen, wird Gundelfingen seiner Ansicht nach nicht an der Erschließung des Nägelesee-Nord-Gebiets vorbeikommen. "Für den Geschosswohnungsbau, um den Druck herauszunehmen." Dem Statistischen Landesamt zufolge suchen in den nächsten 20 Jahren rund 2800 Einheimische eine Wohnung. "Wenn nur 20 Prozent davon im Dorf bleiben wollen, bedeutet dies, dass 550 Wohnungen gebraucht werden." Ein großes Problem sieht er in der Versorgung der Bürger. "Es gibt immer mehr Singlehaushalte, wir werden immer älter und wollen so lange wie möglich in der eigenen Wohnung bleiben." Daher sei es wichtig, die Lebensmittelmärkte zentral zu halten, eine vernünftige Busanbindung in die Dorfmitte zu ermöglichen und auch für genügend Ärzte zu sorgen. Schon jetzt würden zu wenige Ärzte ausgebildet, und davon gingen etliche ins Ausland oder in die Forschung. "Es fehlen jetzt schon überall junge Ärzte."

Landauf, landab werde es auch immer schwieriger, Mitarbeiter für die Rathausverwaltung zu finden. In Reute arbeite er derzeit zwölf und mehr Stunden täglich; 45 Prozent der Sachbearbeitung mache er selbst – neben der Bürgermeistertätigkeit. "Damit habe ich kein Problem." Zuhause wartet nur am Wochenende seine Lebenspartnerin, die Gynäkologin Daniela Zweigel, die die Woche über in Mannheim praktiziert. Beide seien sehr naturverbunden, erzählte Schlegel. "Daher ist es richtig und wichtig, dass Gundelfingen sich bei der Energiewende engagiert und auch ein Quartierskonzept auf den Weg gebracht hat." Für eine Stelle eines Energieberaters würde er sich einsetzen.

Ebenso will sich Schlegel stark machen für das Vereinsleben, die Bürgerinitiative Atokk, die Feuerwehr und die Landwirtschaft. Zum aktuellen Thema der Flüchtlingsunterbringung betonte er: "Natürlich müssen die Flüchtlinge aufgenommen werden. Die Suche nach einem geeigneten Standort wird am runden Tisch geklärt – und das ist gut so."
von Andrea Steinhart
am Di, 30. September 2014

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