Vor dem Bürgerentscheid um ein neues SC-Stadion

Das sagen die Stadion-Gegner

Am 1. Februar können alle Freiburgerinnen und Freiburger darüber abstimmen, ob sie für oder gegen den Bau eines neuen Stadions für den SC Freiburg am Wolfswinkel sind. Wir haben Stadion-Gegner nach ihren Gründen gefragt.

"Das ist nicht Aufgabe der Stadt"

Ernst Lavori, 65, Verleger und SPD-Stadtrat
Mich hat immer gestört, dass es nicht schon bei der Standortsuche eine Bürgerbeteiligung gab, das Dialogverfahren wurde ja erst eingeführt, als es auf den Wolfswinkel hinauslief. Als Mitglied des gemeinderätlichen Umweltausschusses kann ich nicht begreifen, dass man ein Stadion in eine Klimaschneise setzt, die seit Jahrzehnten bei Stadtplanern als wichtige Kaltluftschneise tabu ist, und dass Tiere und Pflanzen kein Argument mehr sind, weil es jetzt nicht mehr opportun ist. Für mich ist der Wolfswinkel ein wichtiges Naherholungsgebiet – es ist schön dort. Als Anwohner im Stadtteil Mooswald ist es für mich nicht akzeptabel, dass ich alle zwei Wochen mehr oder weniger mit erheblichen Einschränkungen leben muss. Ich bin auch dagegen, weil der SC seine Finanzen nie offengelegt hat. Die Stadt kann sich eine Investition zur Infrastruktur von 38 Millionen und mehr nicht leisten.

"Auf einmal ist so viel Geld da"

Renate Brender, 56, Sozialarbeiterin
Den Wunsch, ein neues Stadion zu bauen, will ich dem SC nicht verwehren, aber nicht am Standort Wolfswinkel und nicht mit der finanziellen Beteiligung der Stadt in Höhe von mindestens 38 Millionen Euro. Mich hat zutiefst betroffen gemacht, wie leicht so viel Geld ausgegeben werden kann, wo ich doch jahrelang gehört habe, dass die Stadt sparen muss. Deshalb engagiere ich mich in der BI pro Wolfswinkel. Für Schulen werden Fördervereine gegründet, Eltern packen mit an, wenn es ums Streichen oder die Gestaltung des Hofs geht. Und auf einmal ist so viel Geld da – das geht mir alles viel zu schnell. Es wird viel neuer Wohnraum geschaffen, da ist es von zentraler Bedeutung, dass es auch Freiflächen gibt. Ich möchte, dass Mooswald, wo ich lebe, ein guter, lebenswerter Stadtteil bleibt.

"Wieder geht Natur- und Lebensraum verloren"

Dirk Niethammer, 50, Forstwirt und NABU-Vorsitzender
Wieder geht Natur- und Lebensraum für schützenswerte Arten verloren: Deshalb sage ich Nein zum Stadion-Neubau. Ökologische Aspekte werden leider zu oft bagatellisiert und weggewischt. Man kann zwar den rechtlich geforderten Ausgleich dieser Verluste erreichen, zur Not durch Finanzmittel. Aber am Flugplatz sind die Flächen dann doch für immer weg. Die Ausgleichsflächen werden anders und nicht so großflächig sein. Solche Magerrasen, wo Gräser und Pflanzen sich unter kargen Bedingungen entwickeln können, gibt es so nirgends in der Region. Gerne wird von Nachhaltigkeit geredet. Dies muss man aber auch ernst nehmen und ehrlich prüfen, ob Bauvorhaben nötig sind. Gibt es nicht Grenzen des Wachstums? Müssen wir nicht die letzten Naturflächen in einem dicht besiedelten urbanen Raum besonders schützen?

"Ein wunderbarer Naturraum!"

Beate Kuchler, 56, Ärztin
Der Wolfswinkel ist mein Naherholungsgebiet. Ich brauche die frische Luft, die Bewegung und das Abschalten in der Natur, um mich von der Arbeit zu erholen und am nächsten Tag als Ärztin wieder ganz für meine Patienten da sein zu können. Das geht nicht nur mir so, sondern auch vielen meiner Patienten, vielen Bürgern in der Stadt. Die Arbeitswelt hat sich in den letzten Jahren sehr verdichtet. Erkrankungen, die durch Stress, Lärm,Hitzetage, mangelnde Bewegung und Schadstoffe in der Luft ausgelöst werden, sind enorm am Zunehmen. Therapie und Prävention beginnen im Alltag. Jeder Mensch sollte die Möglichkeit haben, in Wohnortnähe seine persönliche Oase der Ruhe zu finden. Leider werden in Freiburg systematisch vorhandene Grünzüge vernichtet. Ganz besonders tragisch wäre der Verlust der Klimaschneise am Wolfswinkel für alle kommenden Generationen. Mit einem "Nein" beim Bürgerentscheid können wir endlich ein Zeichen setzen.

"Wir haben hier viel aufgebaut"

Tino Ebneth, 44, Ingenieur
Als Fallschirmspringer und -lehrer, Ausbildungsleiter und Mitglied im Breisgauverein für Fallschirmsport bin ich gegen den Standort Wolfswinkel, weil wir dann unseren Betrieb einstellen müssten, denn es gibt für uns keinen Alternativstandort in Freiburg. Zumindest der Nachwuchs, der 70 Prozent unserer Springer ausmacht, könnte auf keinen Fall mehr springen; bei den Profis sollen Sprünge wohl noch möglich sein. Wir sind im Verein auf einem sehr hohen Niveau, schon deshalb wäre es schade, wenn wir aufhören müssten. Und wir bilden viel Nachwuchs aus, dafür haben wir in den letzten Jahren viel Aufbauarbeit geleistet. Viele Junge im Verein sind auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen, die können nicht einfach mit in eine andere Stadt umziehen. Zudem ist unser neuer Hangar, den wir mit einem Zuschuss der Stadt zu bauen begonnen haben, noch nicht einmal fertig.

"Kleine Sportvereine fördern!"

Sarah Blau, 17, Gymnasiastin
Ich stimme gegen ein von der Stadt mitfinanziertes Stadion, obwohl ich Fußball- und SC-Fan bin. Der SC muss weiterhin ein sympathischer und besonderer Verein bleiben, der nicht durch ein Luxusstadion seine Persönlichkeit verlieren darf, sondern weiterhin im Schwarzwaldstadion mit seinem Charme Fußball spielen sollte. Als Sportlerin bin ich für eine Förderung des Breitensports. Darunter verstehe ich nicht den Neubau eines Stadions für einen Profi-Verein, sondern eine Förderung kleiner Sportvereine, in denen man verschiedene Sportarten betreiben kann. Als SMV-Mitglied weiß ich, dass einige Schulen, die eine Sanierung oder Erweiterung dringend nötig haben, im städtischen Doppelhaushalt nicht auftauchen. Ausgaben für ein Profistadion von mindestens 38 Millionen Euro – das halte ich für äußerst fragwürdig.

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von Frank Zimmermann
am Mi, 21. Januar 2015 um 12:06 Uhr

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