Kandidatencheck

David Trunz (Linke) im Wahlkreis 282 Lörrach-Müllheim

Sein politisches Bewusstsein sei an der Realität gewachsen, sagt David Trunz, der junge Bundestagskandidat der Linken. Politisiert habe ihn, was er um sich herum gesehen habe. Trunz, der nach dem Realschulabschluss eine kaufmännische Lehre machte und das Abitur berufsbegleitend erwarb, studiert heute Molekularbiologie und pflegt seine kranke Mutter. Er kenne viele, die im Niedriglohnsektor arbeiten. Das habe ihn geprägt.

von Sabine Ehrentreich
am Mi, 23. August 2017

"Was ich im Sinn habe..."

"... ist eine wesentlich demokratischere Gesellschaft – in Schule, Beruf und auf der politischen Mitbestimmungsebene. Meiner Ansicht nach zählen Expertenmeinungen zur Zeit mehr als demokratische Entscheidungen. Demokratie ist eine Fähigkeit, die man erlernen muss, das muss in der Schule schon beginnen."  

Autor: seh

"Mein Herz schlägt für..."

"... die Demokratie – sie ist eine geniale Erfindung und funktioniert dort, wo sie ernsthaft umgesetzt wird, erstaunlich gut. In unserem System haben Lobbygruppen einen viel zu großen Einfluss, daraus ergeben sich soziale Ungerechtigkeiten. Außerdem möchte ich mich für die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens stark machen, da es den Menschen Existenzängste nehmen, Bürokratie abbauen und die Wirtschaft durch mehr verfügbares Einkommen stärken könnte."  

Autor: seh

"Was ich anpacken will..."

"Es geht mir darum, die Schwächsten zu unterstützen – besonders im Pflegebereich. Außerdem liegt mir das Thema Bildung am Herzen. In unserem Schulsystem wird zu früh selektiert. Mein Konzept ist eine demokratische Schule und ein Curriculum nach Interessenslage. Einen Niedriglohnsektor darf es nicht geben. Ich bin für die Demokratisierung der Arbeit. Außerdem ist mir die Natur extrem wichtig. "  

Autor: seh

"An die Nieren geht mir..."

"... ganz allgemein Ungerechtigkeit – und dass es selten eine Debatte über das herrschende Wirtschaftssystem, den Neoliberalismus und die großen Schäden gibt, die die Freihandelspolitik anrichtet. An die Nieren gehen mir auch soziale Lügen wie die, dass man sich nur ein bisschen anstrengen müsse. Als ob eine Pflegekraft sich nicht anstrengt. Das sind in meinen Augen Ablenkungsmanöver."  

Autor: seh

Drei Ziele...

... für meinen Wahlkreis

» Verbesserung der Pflegeleistungen und   Bezahlung der Pflegekräfte

Unterstützung und bessere Bezahlung   von Tagesmüttern, Anerkennung als   Beruf
» Einrichtung einer Expressspur für
   Krankenwagen beim neuen
  Kreisklinikum /B317

... für die Bundespolitik

» Förderung der Demokratie in den
  Schulen
Subventionierung demokratisch
geführter Unternehmen
Stärkung der Idee eines
bedingungslosen Grundeinkommens  

Autor: seh

"Beweglichkeit in der Politik..."

"... hat ihre Grenzen. Die Kernprinzipien darf man nie verraten. Das Ziel, die Schwächsten zu stärken, darf man nicht aufgeben. Kompromisse ja – aber mit klaren Haltelinien. Waffenexporte etwa gehen gar nicht, auch nicht die Förderung großer Energieunternehmen oder Steuergeschenke für Superreiche."  

Autor: seh

"Mein weiterer Weg führt mich..."

"... weiter meinem Ziel entgegen, Molekularbiologe zu werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich bei der Wahl ein Mandat gewinne, ist ja gering, auch eine politische Karriere ist nicht mein Ziel. Also werde ich mein Studium fortsetzen. Mein Traum ist ein Masterabschluss in molekularer Medizin und dann in die Forschung zu gehen."  

Autor: seh

ZUR PERSON: David Trunz

David Trunz aus Weil am Rhein ist seit etwa zwei Jahren Mitglied in der Partei Die Linke. Er tritt nach eigenen Angaben bei der Bundestagswahl an, um den Wählern zu ermöglichen, "etwas anderes zu wählen als den Neoliberalismus".

Geboren: 17. Juli 1986
Wohnort: Weil am Rhein
Beruf: Student

Karriere: Kreisgeschäftsführer der Partei Die Linke
Ausbildung: zum Bürokaufmann in Weil am Rhein, im Moment Studium der Molekularbiologie in Basel
Parteimitglied seit: 2015
http://www.dielinke-loerrach.de  

Autor: seh

NACHGEHAKT: Info

Ein Idealist ohne persönliche Ambitionen

Trotz der personellen Turbulenzen im Kreisverband der Linken sieht David Trunz die Partei im Südwesten "gut aufgestellt". "Ein sehr harter Kern von Idealisten" engagiere sich sehr, obwohl die Partei hier stets kleine Ergebnisse einfährt und über wenig Mittel verfügt. Er selbst gehört zum Forum Demokratischer Sozialismus, der nicht Fundamentalopposition, sondern Rot-Rot-Grün anstrebt. Kompromisse würde er eingehen, "um überhaupt etwas zu erreichen" – aber etwa nicht in der Flüchtlingspolitik. Zwar sei es unmöglich, alle aufzunehmen, aber zur Bekämpfung der Fluchtursachen gehöre ein Stopp von Waffenlieferungen, ungerechtem Freihandel und Klimawandel. Spreche der US-Präsident Trump sich gegen Freihandel aus, sei das freilich mit der Position der Linken nicht zu vergleichen – ihm gehe es nicht um die Schwachen, sondern nur um sich. Die Linke sei nicht grundsätzlich gegen Freihandel, aber gegenwärtig nütze er nur wenigen.

David Trunz ist für eine stärkere steuerliche Belastung von Gutverdienern. Um zu verhindern, dass dann eventuell noch mehr Fachkräfte in die Schweiz abwandern, würde er zum Beispiel die Besteuerung an die Staatsbürgerschaft binden. Um die Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte zu verbessern, stellt er sich statt eines Großklinikums staatlich geförderte kleine Krankenhäuser vor – und bessere Löhne. Um die Solidarität in der EU zu stärken, wünscht sich der Kandidat der Linken eine Union, die "mehr ist als eine Freihandelszone". Deutschland, sagt er mit Verweis auf den Handelsüberschuss oder das Dublin-Abkommen, verhalte sich auch nicht solidarisch. Die Linke will ein Verbot befristeter Arbeitsverträge. Ob das nicht die Schaffung von Arbeitsplätzen verhindere? Das sieht er angesichts einer auf dem Rücken der Zeitarbeitskräfte brummenden Wirtschaft nicht so. Und in der Krise müsse eben der Staat eingreifen. Die Menschen brauchten schließlich Planungssicherheit. Trunz ist für eine Sozial- und Finanzunion. Ob dann nicht Standards wie die Arbeitszeit oder das Renteneintrittsalter vereinheitlicht werden müssten? Das schon, findet er, aber nicht auf dem Niveau von Deutschland, sondern eher auf dem von Frankreich. In der Rentenpolitik ist er dafür, dass alle in einen Topf einzahlen müssen.  

Autor: seh


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