Ein Straßburger verunglückte 1900 mit dem Auto

Denkmal für den ersten Unfalltoten

Vor 111 Jahren verunglückte ein Straßburger mit dem Auto .

SCHWANAU-OTTENHEIM. Ein elsässischer Ingenieur war das erste Verkehrstote im Ried in Folge der Automobilisierung. Ein Denkmal erinnert noch heute an seinen Unfall am 12. September 1900.

Kurz vor dem Ottenheimer Kieswerk der Lahrer Firma Vogel-Bau grüßt und mahnt seit über 100 Jahren ein mit einem Eisengitter umzäunter Gedenkstein die Vorüberkommenden. Als ein Kreuz mit rötlichem Marmor mit einem massiven Sockel steht dieses Denkmal, von kaum jemanden beachtet, neben der Straße, mit der nach wie vor noch gut lesbaren Inschrift: "Hier verunglückte mit seinem Automobil am 12. September 1900 Jacob Steigelmann Ingenieur in Straßburg i.E. geboren zu Rhodt Bayerische Rheinpfalz 1856." Der Unfallhergang dieses schrecklichen Ereignisses ist schnell erzählt. Jacob Steigelmann und ein Mitfahrer begegneten mit ihrem Fahrzeug an jenem 12. September 1900 auf der Straße zum Rhein dem Pferdefuhrwerk des Ottenheimer Viehhändlers und Gastwirts Diebold Maurer (Maurer war Eigentümer des ehemaligen Ottenheimer Gasthauses Zur Linde in der Lange-Straße). Beim Herannahen des Automobils – für damalige Verhältnisse sicherlich ein stinkendes, rauchendes, schreckendes Ungeheuer – gingen Adolf Blümle II, dem Kutscher Diebold Maurers, die Pferde durch. Der Fahrer des Automobils versuchte der drohenden Gefahr noch auszuweichen, konnte jedoch den tragischen Unfall nicht verhindern. Denn bei diesem Ausweichmanöver übersteuerte er den Kraftwagen, so dass das Gefährt die Böschung hinunterstürzte und sich überschlug.

Der Lahrer Anzeiger für Stadt und Land berichtete in seiner Ausgabe am 13. September 1900 kurz und bündig, allerdings in sehr realistischer Weise über dieses traurige Ereignis: "Gestern Abend fuhren auf der Straße nach dem Rhein ein mit zwei Straßburger Herren besetztes Automobil und ein Fuhrwerk des Lindenwirts von hier zusammen. Das Automobil stürzte, der eine der Mitfahrenden, ein lediger Ingenieur, kam unter das 13 Zentner schwere Fahrzeug und wurde von ihm erdrückt. Der Unglückliche war nach 10 Minuten eine Leiche." Offenbar ist der Chauffeur doch schneller gefahren, als es die damals zugelassene niedere Geschwindigkeit zuließ.

Jacob Steigelmann jedenfalls war ein bedeutender Ingenieur, dem in der Hauptsache die Wasserversorgung Straßburgs in technischer Hinsicht zu verdanken war. Er war sehr wohlhabend und wurde von seinem Bruder, dem Gastwirt und Gutsbesitzer August Wilhelm Steigelmann, beerbt. Dieser wiederum hat 1904 das 25 Quadratmeter große Grundstück im Gewann Dornkopf von der Gemeinde Ottenheim käuflich erworben. Noch im selben Jahr ließ er an der Unfallstelle diesen markanten Gedenkstein für seinen Bruder errichten. Es ist anzunehmen, dass mit der Gemeinde damals auch eine finanzielle Regelung über die Pflege des Grundstücks getroffen wurde. Leider sind durch Kriegseinwirkung sämtliche Unterlagen zerstört. Heute präsentiert sich der massive Sockel mit dem Kreuz aus rötlichem Marmor – sicherlich auch ein Zeugnis aus den Anfängen der Geschichte des Automobils in der Ortenau und des Elsasses- an der Ottenheimer Straße zum Rhein als ein Relikt aus alten, längst vergangenen und vergessenen Zeiten.

Quellen und Mithilfe: Archive de la Ville de Straßbourg, Archiv Lahrer Zeitung und Badische Zeitung in Lahr, Staatsarchiv in Freiburg, Grundbuchratschreiber i.R. Helmut Hundertpfund vom Grundbuchamt der Gemeinde Schwanau, J. R. Dr. jur. Wilhelm Steigelmann, Schloß Rhodt unter Rietburg (Rheinpfalz)

Alle veröffentlichten Teile der Serie sowie weitere Berichte stehen im Online-Dossier unter http://www.badische-zeitung.de
von Martin Frenk
am Do, 21. April 2011

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