Strenge Grenzkontrollen

Der Einkaufstourismus aus dem Elsass wird unterbunden

Wer bei Breisach aus dem Elsass nach Baden einreisen will, muss zum Teil lange Wartezeiten in Kauf nehmen.

Auch der Wochenstart stand in der Region wieder im Zeichen der Corona-Krise. Am Grenzübergang bei Breisach werden seit Montagmorgen Autofahrer, die aus dem Corona-Risikogebiet Elsass nach Baden einreisen wollen, nun auch tatsächlich kontrolliert. Gleichzeitig waren Schüler vorerst den letzten Tag in der Schule. Bis nach den Osterferien, also in fünf Wochen, sollen sie zu Hause lernen.

» Die Situation an der Grenze
Im Gegensatz zu manch anderen Übergängen zwischen Deutschland und Frankreich war die Grenze bei Breisach am Montag noch offen. Allerdings mussten sich viele, die vom Elsass nach Baden wollten, auf längere Wartezeiten einstellen. Denn im Gegensatz zu den vergangenen Tagen kontrollierten Beamte der Bundespolizei bis auf die Lkw alle Auto- und Motorradfahrer. "Vorübergehend sind Grenzkontrollen an den Übergängen zu Frankreich und der Schweiz wieder eingeführt", sagte Daniel Rosin, Pressesprecher der Bundespolizeidirektion Stuttgart , auf Anfrage der BZ. Wer nur nach Deutschland wolle, um einzukaufen, werde wieder zurückgeschickt. Berufspendler und Lkw-Fahrer hätten dagegen freie Fahrt, wobei die Berufspendler zum Beispiel einen Firmenausweis oder ein ähnliches Dokument vorweisen müssten. Ein wichtiger Einreisegrund sei auch ein Arzttermin oder die Betreuung von Verwandten. Wie lange die Grenzkontrollen dauern werden, konnte Rosin nicht sagen. "Es ist eine dynamische Lage, ich gehe aber davon aus, dass sie länger anhalten könnten", erklärte er.

Wenn die Polizisten einen Reisenden mit grippeähnlichen Symptomen antreffen, wenden sie sich an ein Gesundheitsamt. An der Grenze in Breisach halfen in solchen Fällen am Montag DRK-Mitglieder. Laut Rosin ist das Informationsbedürfnis der Bürger extrem groß. Er empfiehlt einen Blick auf die Internetseite der Bundespolizei (bundespolizei.de) zu werfen, auf der hilfreiche Fragen und Antworten zu finden seien.

Julius-Leber-Schule
"Das Wochenende war unglaublich", sagt Ellen Bastian-Weber, Leiterin der Breisacher Julius-Leber-Schule. Nachdem die Landesregierung am Freitagnachmittag angeordnet hatte, dass Schulen und Kindergärten ab Dienstag geschlossen sind, habe man sofort versucht, die Eltern der Grundschüler zu erreichen, um herauszufinden, für welche Kinder die Schule eine Notfallbetreuung aufrechterhalten müsse. Aktuell seien das an der Julius-Leber-Schule 13 Kinder. Ihre Eltern arbeiten in sogenannten systemkritischen Berufen, die Kinder werden daher von Lehrern weiterhin in der Schule betreut. Ein Mensaessen wird aber nicht angeboten, die Schüler müssen sich ihr Vesper mitbringen. Voraussetzung für die Notfallbetreuung ist, dass beide Elternteile in einem systemkritischen Beruf beschäftigt sind. Alle anderen Eltern müssen selbst eine Betreuung organisieren. "Ich hoffe, dass die Arbeitgeber entsprechend reagieren", sagt Bastian-Weber.

Derzeit würden Einsatzpläne für die Lehrer erstellt. Wer über 60 Jahre alt oder schwanger sei oder unter Vorerkrankungen leide, werde für die Notfallbetreuung nicht herangezogen, erläutert die Schulleiterin. Aber alle Lehrer seien weiter im Dienst. Der überwiegende Teil arbeite von Zuhause aus. Für die Schulleitungen gelte eine Anwesenheitspflicht in den Schulen.

Für die Grundschüler stellen die Lehrer Materialpakete mit Unterrichtstoffen und Aufgaben zusammen. Sie wurden den Kindern am Montag mitgegeben und werden künftig per Mail an die Eltern verschickt. Die Schüler der Sekundarstufe würden überwiegend digital über die schulinterne Moodle-Plattform mit Aufgaben versorgt. Die Lehrer hätten ein Erklärvideo für Eltern und Schüler erstellt, berichtet Bastian-Weber. An der Gemeinschaftsschule der Julius-Leber-Schule können die Schüler auch die Mittlere Reife erwerben. Das Kultusministerium habe informiert, dass man derzeit an Szenarien und Notfallplänen für die Realschulprüfungen arbeite, und dazu weitere Informationen angekündigt.

» Martin-Schongauer-Gymnasium
Am Martin-Schongauer-Gymnasium wurden alle Schüler am Montag in einer zusätzlich anberaumten Klassenlehrerstunde darüber informiert, wie sie mit der Ausnahmesituation am besten umgehen und wie sie die nächsten Wochen bis zu den Osterferien sinnvoll gestalten können. Dabei ging es beispielsweise um so banale Dinge wie Lehrbücher, die gestern mit nach Hause genommen werden mussten, aber auch um ein vernünftiges Zeitmanagement. Darüber hinaus wurden für jede Klasse Lehrmaterial und Aufgaben in die digitale Cloud gestellt, auf die die Schüler Zugriff haben. Auch hierin wurden die Gymnasiasten geschult. So können sich auch die Abiturienten weiter gezielt auf ihre Prüfungen vorbereiten. Zudem ist geplant, so Schulleiter Winfried Wagner, dass im Idealfall auch die Lehrer mittels Messenger-Dienst für die Schüler erreichbar sind. Wie dies genau geschehen könnte, werde noch festgelegt. Die Eltern, so Wagner, wurden über die Elternvertreter per Mail über die Situation an der Schule in Kenntnis gesetzt. Außerdem werde die MSG-Homepage ständig auf den neuesten Stand gebracht. Eine Betreuung für Fünft- und Sechstklässler, deren Eltern in sensiblen Berufen tätig sind, werde laut dem Rektor angeboten, die Nachfrage danach sei aber gering.

» Albert-Schule
Gut auf die Schulschließung vorbereitet sei man an der Albert-Schule in Ihringen, sagt deren Leiter René Okunik. Er selbst habe, bevor er nach Ihringen kam, an der deutschen Schule in Schanghai unterrichtet und noch gute Verbindungen dorthin. Die Schule in Schanghai sei bereits seit Januar geschlossen, so konnte er "quasi live miterleben, wie das abläuft". "Seit rund anderthalb Wochen haben wir uns an der Albert-Schule auf die Schließung vorbereitet", berichtet Okunik. In der Zeit wurden sogenannte Lernpakete geschnürt, die den Schülern zur Verfügung gestellt werden und mit denen sie sich in den kommenden Wochen beschäftigen können.

Für die achten und neunten Klassen gebe es zudem digitale Lernprogramme für mobile Endgeräte, in deren Umgang die Schüler unterwiesen wurden. Ebenfalls seit zwei Wochen wurden montags und dienstags Vollversammlungen zum Thema Corona abgehalten. "Da ging es auch darum, Ängste abzubauen", führt Okunik aus. Kontakte und Gespräche mit Eltern seien auch während der nächsten Wochen telefonisch oder außerhalb der Schule möglich. Für die Lehrer gebe es, solange die Schulräume nicht gesperrt sind, Präsenzzeiten, in denen zum Beispiel auch administrative Arbeiten erledigt werden. Die Schulleitung sei täglich von 8 bis rund 14 Uhr vor Ort. "Uns ist ganz wichtig, dass auf keinen Fall der Eindruck entsteht, wir würden uns nicht kümmern", betont Okunik. Eine Notgruppe zur Betreuung von Schülern werde mangels Nachfrage nicht eingerichtet.

» Neunlindenschule
Die Neunlindenschule in Ihringen wird nach Angaben von Rektor Matthias Auer für fünf bis zehn Kinder eine Notversorgung in der Schule einrichten, deren Eltern zum Beispiel Polizisten, Ärzte oder Krankenpfleger sind. Am Freitag habe man den Schülerinnen und Schülern schon die Schulbücher mitgegeben, außerdem erhielten sie für die freie Zeit Lernpakete und Aufgaben. "Da wir als Gemeinschaftsschule schon immer mit Wochenplänen arbeiten, haben wir hier einen Vorteil", sagt Auer. Die Lehrerinnen und Lehrer sollten etwa einmal pro Woche von zu Hause aus mit ihren Schülern Kontakt aufnehmen. Die Notbetreuung der Schüler in der Schule werde auf die rund 50 Pädagogen verteilt. Auer hält die Schließung der Schulen für "absolut notwendig". Er geht von noch strikteren Maßnahmen in der Zukunft aus. Viele Eltern hätten verständnisvoll reagiert, dennoch sei für viele die Betreuung der Kinder "eine Riesenaufgabe".

» Theresianum

Auch für die Grundschüler am Breisacher Theresianum wurden Lernpakete mit Unterrichtsmaterialien und Arbeitsblättern sowie digitale Arbeitspläne für die kommenden Wochen bis zu den Osterferien erstellt. Allerdings, so Schulleiterin Martina Hohwieler, waren die Reihen der Schüler in den vergangenen Tagen schon arg gelichtet, weil viele von ihnen im Elsass leben oder in den zurückliegenden Tagen im Nachbarland waren. Auch ihnen müssen nun die Materialien zur Verfügung gestellt werden.

"Das Spektrum der Eltern ist bei uns sehr groß", findet die Rektorin mit Blick auf das Lernen von zu Hause aus. "Manche fürchten, ihre Kinder werden in den nächsten zwei Wochen schlagartig dumm, andere kümmern sich so gut wie gar nicht und wähnen sich im Urlaub." Auch am Theresianum wird die Schulleitung weiter an den Vormittagen in der Schule sein. Über sie können auch Kontakte mit den Lehrern angefragt werden, erklärt Hohwieler. "Wir sind nicht in den Ferien", betont sie.
von Thomas Rhenisch, Gerold Zink und Agnes Pohrt
am Mo, 16. März 2020 um 18:38 Uhr

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