Die Autosattlerei Herrenknecht in Allmannsweier

Der Elefant im edlen Oldtimer

Die Autosattlerei Herrenknecht hat das Interieur vieler Wagen aufgepeppt – und etliche Sonderwünsche erfüllt.

SCHWANAU-ALLMANNSWEIER. Tüftler und Schrauber mögen noch so geschickt sein: Wenn’s an die Weichteile von Oldtimern geht, geben sie das gute Stück lieber in die Hände von Profis. Alte Sitze herrichten, das kann nur der Autosattler. Seit fast 80 Jahren geht die Firma Herrenknecht diesem Handwerk nach − und hat schon etliche Sonderwünsche erfüllt.

In der kleinen Halle steht es wahres Schmuckstück: ein Mercedes 190 SL, Baujahr 1950. Der silbergraue Wagen ist so schön restauriert, dass er glatt als Neuwagen durchginge, wäre da nicht das Nachkriegsdesign. Das Armaturenbett und die Innenverkleidungen an den Türen sind ausgebaut. Das wird alles neu mit Leder verkleidet. Die Teppiche werden erneuert, die Sitze aufgepolstert und mit neuen Bezügen versehen, mit den Originalprägungen von 1950. Hundert Stunden Arbeit werden die Autosattler haben.

"Heute sind wir mehr im Luxusbereich tätig", sagt Dieter Herrenknecht. Der 70-Jährige ist schon lange im Geschäft und ein Meister seines Fachs, wie auch sein Sohn Ralf (35) und seine Tochter Daniela (37). Die Geschäftsführung hat der Senior an seine Kinder übergeben. Trotzdem steht er jeden Tag in der Werkstatt: "Ich mache das noch, weil’s Spaß macht. Wir haben ein schönes Team", sagt er mit kräftiger Stimme und sichtlicher Freude an seinem Tun.

Er schmunzelt, als er von dem vielleicht schrägsten Auftrag seiner Werkstatt erzählt. Vor etwa 15 Jahren wollte ein betuchter Herr Elefantenleder für seine Autositze. Weil das auf dem freien Markt nicht erhältlich ist, ging der gute Mann auf Safari und lieferte das Leder selbst. Ein kompletter Elefant war dann doch etwas viel. Vom Rest ließ er eine Sitzgarnitur fürs Wohnzimmer machen.

Joachim Teutsch aus Freiburg teilt die Begeisterung des Seniorchefs für sein Handwerk. Der 40-Jährige ist Auszubildender und kam über Umwege und seine Freude am Restaurieren von Autos zu diesem Beruf. "Bei Oldtimern kommt man um Handarbeit oft nicht drumherum", sagt er und schneidet ein Stück Leder zurecht, "je älter die Autos, desto kniffliger wird’s." Zunächst werden die Sitze zerlegt. Die Leder- oder Stoffbahnen werden als Schablonen für den neuen Bezug verwendet. Die Federung der Sitze ist unterschiedlich, in Vorkriegsmodellen tauchen Taschenfederkerne auf. In neuen Modellen sind Styropor und Schaumstoffkerne verarbeitet. Manchmal ist es gar nicht der Zahn der Zeit, der eine Erneuerung erforderlich macht. An einem sehr gepflegten BMW-Coupe von Anfang der 90er Jahre werden Stoff- gegen Lederbezüge ausgetauscht – weil’s besser aussieht.

"Die Arbeit ist angenehm, man ist keinem Lärm ausgeliefert und kann den Ablauf selbst steuern", sagt Teutsch. Viele Werkzeuge des Sattlerhandwerks sind seit Jahrhunderten gleich geblieben, etwa der Mond, ein halbmondförmiges Messer. Die Nähmaschine mit elektronischer Steuerung gab’s früher noch nicht. Das Gerät kostet so viel wie ein Auto.

Es sind nicht nur Oldtimer, an denen die Autosattler in Nonnenweier arbeiten. Zu ihren Kunden zählen auch Gebrauchtwagenhändler, die etwas weniger betagten Autos neuen Sitzkomfort verpassen wollen. Herrenknecht repariert überdies Lkw-Planen und Cabrio-Verdecke und macht auf Wunsch Sonderanfertigungen, zum Beispiel ein Verdeck für eine alte Kutsche. Eine Woche lang waren sie damit beschäftigt. Oder sie verpassen Flugzeugen eine neue Polsterung, zuletzt einer Maschine aus Offenburg.

Vor zehn Jahren hat die Firma sogar an einer Kirchenglocke in Ottenheim gearbeitet. Dort musste die Befestigung des Klöppels erneuert werden. Die ist, und das hatte bis dahin nicht mal Altmeister Dieter Herrenknecht gewusst, aus Leder.

Sein jüngerer Bruder Martin führt nicht weit entfernt sein eigenes, ungleich größeres Geschäft. Zweitausend Personen beschäftigt er in dem Werk für Tunnelbohrmaschine. Als Junge arbeitete auch Martin Herrenknecht in der väterlichen Autosattlerei. "Der hat schneller Gurte genäht als ich", sagt Dieter Herrenknecht und lacht.

Weitere Infomationen unter http://www.herrenknecht-textil.de. Alle veröffentlichten Teile der Serie sowie weitere Berichte stehen im Online-Dossier unter www.badische- zeitung.de/125-Jahre-auto.
von Peter Bomans
am Fr, 08. April 2011

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