Der Fahrlehrer ist vor allem Lehrer

Martin Billharz aus Ettenheim bringt seit 26 Jahren Fahrlehrer jungen (und älteren) Schülern das Auto- und Motorradfahren bei.

ETTENHEIM. Die Erfindung des Autos hat sehr viele Berufe nach sich gezogen, einer davon ist der Fahrlehrer. Martin Billharz aus Ettenheim bildet seit 26 Jahren Auto- und Motorradanfänger aus.

In der Berufsbezeichnung ist es schon enthalten. "Bei meinem Beruf steckt ganz schön viel Lehrer drin", sagt Martin Billharz. "Als Fahrlehrer muss ich Autorität ausstrahlen, von Pädagogik eine Ahnung haben, und ich muss auf alles eine Antwort wissen." Zum Fahrlehrer habe ihn einst das Arbeitsamt gebracht. "Mein Berufsberater hat mir diesen Vorschlag gemacht", erinnert sich Martin Billharz und lacht. Denn nach der Mittleren Reife, einer Berufszeit als Monteur, dem Militärdienst und einer Zeit als Lkw-Fahrer hat er noch nicht daran gedacht, dass er diesen Berufsweg einschlagen würde.

1985 hat er mit der Ausbildung zum Fahrlehrer begonnen und nach einem halben Jahr Vollzeitunterricht die Prüfung bestanden. Danach hat er zwei Jahre lang bei einer Fahrschule in Teningen gearbeitet. "Heute dauert so eine Prüfung anderthalb Jahre mit Theorie und Praxis", sagt Billharz. Nach der Zeit in Teningen hat er sich selbstständig gemacht und zunächst ein Büro in Ettenheim und später noch eines in Rust eröffnet, das inzwischen wieder geschlossen ist.

Billharz beste Mitarbeiterin ist nach eigenen Worten seine Frau Elvira, die die Schülerinnen und Schüler von der Anmeldung bis zur Theorieprüfung begleitet und so manche Tipps gegen Prüfungsängste auf Lager hat. Die beiden Söhne helfen nebenberuflich mit, der eine kümmert sich um die Aktualisierung der Computer und um die Präsentation nach außen, der andere um die Wartung der Fahrzeuge – "sozusagen mein technischer Dienst", sagt Billharz. Sein Bruder Hansjörg ist wie er als Fahrlehrer mit dabei.

Mit seinen Schülern versucht Martin Billharz ein freundschaftliches Verhältnis zu pflegen, anders als in der Schule greift er zum "Du" – "außer jemand wünscht das nicht". Die Schüler dürfen den 54 Jahre alte Münchweierer auch außerhalb des Unterrichts anrufen, "etwa wenn sie einen Unfall haben und nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen".

Denn nach der Fahrprüfung fängt die Praxis ja erst an, und da könnten noch jede Menge Fehler gemacht werden. Auch falsche Fahrweisen würden nachgeahmt, das merke er immer, wenn Schüler etwa vor einem Stoppschild nicht anhalten. "Daran kann ich sehen, wie die Eltern fahren, denn die Kinder machen das nach", sagt Billharz. "Die Eltern haben eine wichtige Vorbildfunktion."

Am liebsten hat Martin Billharz Schüler, die noch nicht hinterm Steuer gesessen sind. "Die sind formbar und nehmen alles an, da muss ich nichts wegtrainieren." Und das Fahren lernten alle, egal in welchem Alter. Erst jüngst haben sich bei ihm zwei ältere Frauen angemeldet. Die eine ist 30 Jahre lang immer nur als Beifahrerin ihres Mannes unterwegs gewesen. Nun sei er gestorben und sie habe sich entschieden, den Wiedereinstieg zu wagen. Die Andere mache mit Ende 50 überhaupt erst ihren Führerschein. Vorher habe sie in der Großstadt gewohnt, wo sie den öffentlichen Verkehr nutzte und auf ein Auto verzichten konnte.

"Beim Motorradführerschein ist bei uns der Anteil der

Frauen inzwischen höher

als der der Männer."

Martin Billharz

Frauen beteiligten sich mehr und mehr aktiv im Straßenverkehr. Billharz: "Beim Motorradführerschein ist bei uns in der Fahrschule der Anteil der Frauen inzwischen höher als der der Männer." Die Führerscheinanfänger würden trotz der Regelung, schon mit 17 Jahren begleitet fahren zu dürfen, im Durchschnitt etwas älter, sagt Billharz. "Als meine Generation 18 wurde, hatten wir auf den Tag genau unseren Lappen. Wir waren alle heiß aufs Fahren und wünschten uns nichts sehnlicher als ein eigenes Auto." Heute würden die jungen Erwachsenen teilweise Jahre warten, bis sie sich dafür entscheiden, ihren Führerschein zu machen. Es gebe ja meist genügend "Taxis" innerhalb der Familie. "Wenn sich die Jungen aber entscheiden, dann ziehen sie ihr Projekt konsequent durch und kommen in wenigen Monaten zur Prüfung", weiß der Fahrlehrer.

Trotz der inzwischen hohen Anzahl von Führerscheinklassen werde das Unterrichten für die Fahrlehrer immer besser unterstützt durch Software, vor allem durch Filme, die schon bei der Projektion unterschiedliche Verkehrssituationen und Gefahren klar machen. Ein typisches Beispiel sei die Melone, die zerplatzt wenn sie auf den Asphalt fällt, mit Helm beim gleichen Sturz aber heil bleibt. "So etwas sitzt", betont Bilharz.

Alle Teile der Serie und weitere Berichte im Online-Dossier unter http://www.badische-zeitung.de/125-Jahre-auto
von Erika Sieberts
am Fr, 30. September 2011

Badens beste Erlebnisse