Der Herr der historischen Dokumente

BZ-SERIE:Archivar Axel Verderber kümmert sich um das Kenzinger Stadtarchiv im Keller des Gymnasiums / Seit seiner Jugend interessiert er sich für Geschichte.

KENZINGEN. Der Adventskalender darf in der Vorweihnachtszeit in vielen Haushalten nicht fehlen. Jeden Tag wird ein Türchen geöffnet, hinter dem sich ein Bild oder etwas Süßes verbirgt. Auch die BZ-Redaktion, die Presse-AG und die AG "Journalistisches Arbeiten" des Gymnasiums Kenzingen öffnen bis Weihnachten Türen in der Region und erzählen, was sich dahinter verbirgt. Heute: das Kenzinger Stadtarchiv.

Eine blaue Metalltür öffnet sich und gibt den Blick auf das Kenzinger Stadtarchiv frei, das einen Geruch nach alten Büchern und Papieren verströmt. Der Raum ist mit bis zur Decke reichenden Metallregalen gefüllt, in denen sich im vorderen Bereich Bücher und beschriftete Kartons befinden. Weiter hinten sind die Regale noch nicht vollständig geordnet, teilweise liegen Kisten mit weiterem Archivmaterial auf dem Boden. Im hinteren Teil steht ein Schreibtisch mit einem Computer, auf dem sich mehrere Aktenstapel türmen.

"Das Archiv erzählt die Geschichte der Gemeinde", erklärt der Mann, der die Aktentürme bearbeitet: Archivar Axel Verderber. Für Geschichte interessiert sich der Psychologe schon seit seiner Jugend. So kam er früh mit Archiven in Kontakt, in denen er in den Ferien arbeitete.

Obwohl der mittlerweile 68-Jährige hauptberuflich eine andere Richtung einschlug, ließ ihn die Faszination nicht los, sodass er schon eine ganze Reihe von Archiven in der Umgebung bearbeitet hat. Derzeit arbeitet er im Keller des Gymnasiums am Hecklinger Archiv. Das Kenzinger Archiv hat er bereits abgeschlossen.

Er hat es in drei Schichten eingeteilt: die erste beginnt um etwa 1850, die zweite ab Ende der 40er Jahre und die dritte ab Mitte der 60er Jahre. In jeder Schicht werden verschiedene Archivalien wie zum Beispiel Akten, Urkunden, Bücher und Pläne aufbewahrt. All das zu ordnen und schnell auffindbar zu machen, ist die Hauptaufgabe des Archivars. Dafür sichtet er zuerst das Material und hält dabei die Augen offen nach Dokumenten mit besonderem Wert. Bei seiner Arbeit orientiert er sich an der folgenden Frage: "Was wird die Leute in 100 Jahren noch an uns interessieren?" Was aufbewahrt werden soll, pflegt er in eine digitale Datenbank ein, aus der am Ende ein "Findbuch" entsteht. Die Archivalien versieht er mit entsprechenden Etiketten.

Die Weltgeschichte, sagt der Archivar, hinterlasse ihre Spuren auch im Gemeindearchiv. So gibt es im Archiv zum Beispiel aus den 60er und 70er Jahren Unterlagen über die Einbürgerung ehemaliger DDR-Bürger.

Eine weitere Aufgabe des Archivars ist es, für den Erhalt der Archivalien zu sorgen. Dazu überprüft Verderber regelmäßig die Luftfeuchtigkeit. Außerdem befreit er das Material von Metallklammern oder Plastikhüllen und bindet sie mit einer Schnur zusammen. "Dies ist eher ein langweiliger Teil meiner Arbeit", sagt der 68-Jährige. Lieber beschäftigt er sich mit den Geschichten, die die älteren Akten erzählen. Dabei entdeckt er immer wieder Neues und Faszinierendes. Verderber: "Die Bedeutung der Archive wird unterschätzt. Deshalb möchte ich mit meiner Arbeit interessierten Menschen die Geschichte der Stadt zugänglicher machen."

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von Johanna Fakler (Jahrgangsstufe 11)
am Di, 18. Dezember 2018

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