Das Auto der verstorbenen Verlegerin fährt noch immer

Der legendäre Riley Elf Mark III von Aenne Burda

LAND UND LEUTE: Renate Schäffner fährt den Riley Elf Mark III / Vorbesitzerin: Aenne Burda.

OFFENBURG. Er läuft und läuft und läuft. Die Rede ist nicht vom legendären VW-Käfer, sondern von einem Riley Elf Mark III Baujahr 1969. Der hübsche Oldtimer ist es gewohnt, zu arbeiten. Doch bis zum 10. Januar steht er erst einmal im Museum. Denn der kleine Wagen gehörte einst der großen Verlegerin Aenne Burda, die anlässlich ihres 100. Geburtstags vom Offenburger Museum im Ritterhaus mit einer Ausstellung geehrt wird. Die BZ hat Renate Schäffner in Kehl besucht, um zu erfahren, wer heute Aenne Burdas Wagen fährt.

Es war 1998, als der Offenburger Autohändler Arno Fandrich seine Stammkundin Renate Schäffner beiseite nahm: "Mädchen, komm ’mal mit. Ich muss dir, ’was zeigen." Die Liebhaberin englischer Autos ließ bei Fandrich ihren Mini-Cooper warten. "Ich fuhr immer die kleinen Engländer, deshalb hat er mich angesprochen", erinnert sie sich. In einer Garage lagen die Einzelteile eines Autos. "Das ist der Riley von Aenne Burda. Den kannste kaufen", habe Fandrich gesagt. Nach einigem Rechnen – denn locker saß das Geld bei der selbstständigen Kurierfahrerin nicht – kauft Renate Schäffner den prominenten Flitzer für 9500 Mark. Der Wagen hat 16 300 Kilometer auf dem Buckel. Ein Schnäppchen.

Das Oldtimer, von dem es heute nach den Recherchen von Aenne Burdas Biografin, Ute Dahmen, nur noch zwei Exemplare auf deutschen Straßen gibt, ist eine Rarität. Der Riley Elf ist ein Kleinwagen, der auf dem Mini basiert und 1961 auf den Markt gebracht wurde. "Elf" bedeutet im Deutschen Elfe. Der Riley Elf entspricht dem Mini von Austin oder Morris, hat jedoch einen angesetzten Kofferraum, einen größeren Kühlergrill und andere Heckleuchten. Der Motor entspricht dem der anderen Minis, ein quer eingebauter Vier-Zylinder-Reihenmotoren mit 848 Kubikzentimetern Hubraum und 25 kW (34 PS) Leistung, weiß das Internet-Lexikon Wikipedia. Die Baureihe wurde 1969 eingestellt, als der Name Riley aus dem Kreis der Autohersteller verschwand. Besonders sein "Gesicht" mit dem "breiten Grinsen" des horizontalen Kühlergrills ist markant. Es entspricht dem heiteren Temperament seiner Besitzerin. "In Frankreich bleiben die Leute oft spontan stehen und applaudieren, wenn wir vorbeifahren", berichtet Renate Schäffner. "Ich habe ihn aber nicht wegen Aenne Burda gekauft, sondern weil ich ihn hübsch fand", erzählt sie.

"In Frankreich bleiben die

Leute oft spontan stehen

und applaudieren."

Dabei kannte sie Wagen und Vorbesitzerin von früher. 1968 kam Renate Schäffner mit dem Vater ihrer drei Kinder aus Dortmund, wo – heute noch hörbar – ihre Wiege stand, nach Offenburg. Ihr Mann, ein Grafiker, habe bei Burda in der Repro-Abteilung gearbeitet. Auch Renate Schäffner findet Arbeit im Verlag von Aenne Burda und sieht die Chefin fast täglich mit ihrem silberfarbenen Flitzer. Näher kennen gelernt habe sie Aenne Burda aber nicht. "Ich wusste nur, dass alle einen Heidenrespekt vor ihr hatten."

Renate Schäffner genoss das Leben in der großen Burda-Familie, als die sich die Belegschaft damals begriff. Das Leben sei von Arbeit und Festen geprägt gewesen. Am Wochenende trafen sich die Mitarbeiter und ihre Familien im Burda-Pavillon im Burda-Sport-Club zum Feiern. Auch die Burda-Söhne Franz, Frieder und Hubert hätten sich da immer zwanglos untergemischt. "Und danach ging’s in Sigi’s Scotch-Club." TV-Entertainer Peter Frankenfeld sei einmal dabei gewesen und habe alle im Club unterm Gasthaus Tritschler begrüßt, erzählt Renate Schäffner schmunzelnd. Als er Franz Burda junior die Hand schüttelt und weitergehen will, fragt der: "Ja kennen Sie mich nicht." Frankenfeld: "Nein, bitte entschuldigen Sie." "Mein Name steht in großen Buchstaben über der Stadteinfahrt." Daraufhin Frankenfeld schlagfertig: "Ach, dann sind Sie der Herr EZO!" Denn das Kürzel des Einkaufszentrums Offenburg leuchtete damals mit den fünf Burda-Buchstaben auf dem Hochhaus um die Wette. "Seither war er der Herr Ezo", sagt Renate Schäffner und die Lachfalten haben Arbeit.

Das Leben war ein Fest. "Mein Haus in Goldscheuer war immer voller Gäste. Titi Winterstein hat dort Geige gespielt. Meine Terrassentür war nie abgeschlossen." Vielleicht weil sie damals das Leben so intensiv genossen hat, mag sie es heute lieber ruhig. Sie arbeitet gerne im Garten des Gründerzeithauses auf der Kehler Insel, wo sie heute mit ihrem Mann wohnt. Normalerweise meidet sie große Menschenansammlung. Beim Festakt zur Ausstellungseröffnung im Offenburger Ritterhaus mit Maria Furtwängler und Udo Jürgens, bei dem sie als Leihgeberin eingeladen war, habe sie die meiste Zeit im Innenhof geraucht.

Das Haus Hubert Burda hat Renate Schäffner während der Dauer der Ausstellung ersatzweise einen brandneuen cremefarbenen Mini vors Haus gestellt. Der sei sehr schön, aber voller unheimlicher elektronischer Gimmiks. Da freut sich Renate Schäffner darauf, im Januar ihren silbergrauen Flitzer wieder in Dienst zu nehmen.
von Ralf Burgmaier
am Sa, 25. Juli 2009

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