Der unverwechselbare Klang

BZ-WEIHNACHTSSERIE: Die Orgel in der katholischen Pfarrkirche St. Blasius in Buchenbach.

BUCHENBACH. Der Kontrast könnte nicht größer sein. Über den Buchenbacher Friedhof wabert nasskalter Dezembernebel. Aus dem Inneren der Kirche tönen warme Orgelklänge. Unvermittelt stellt sich so etwas wie Adventsstimmung ein. Das Kirchenschiff ist gähnend leer. Oben auf der erleuchteten Empore thront die mächtige Orgel von St. Blasius. Fast liebevoll schwärmt der Organist Raymund Koslik von ihrem Klang. "Jede Orgel hat ihre eigene Klangfarbe. Dieser hier ist warm und weich."

Als die Buchenbacher Pfarrkirche St. Blasius im Jahr 2000 renoviert und dabei ihr schönes ursprüngliches Gesicht aus der Zeit um 1900 zurückerhielt, stand auch der Kauf einer neuen Orgel auf dem Plan. Den Auftrag erhielt 2001 die Orgelbaufirma Mönch aus Überlingen. Das auf räumlichen und akustischen Gegebenheiten maßgeschneiderte Konzept gründete auf die Expertise des renommierten Freiburger Musikwissenschaftler und Orgelexperten Hans Musch.

Wie eine stilisierte Figur mit riesigen Engelsflügeln mutet die Orgel von weitem an. Die Größe war nur möglich, weil im Zuge der Kirchenrenovierung die einst abgehängte Zwischendecke entfernt wurde. Damit war Platz für den Prospekt mit seinen hohen, ausladenden Seitenteilen, die bis zu der mit viel Feingefühl restaurierten Holzdecke reichen. 1526 Pfeifen aus Zinnlegierungen und Holz sind im Orgelgehäuse untergebracht und 25 Register kann der Organist ziehen. Dann legt die Orgel mit voller Klangstärke los und mit der Beschaulichkeit ist es ebenso zu Ende wie mit dem Nickerchen in der Kirchenbank. Nicht umsonst gibt es die Redensart "alle Register ziehen", für Situationen, in denen jemand mit allen Mitteln zeigen will, was er kann. Normalerweise wird Raymund Koslik aber nicht alle Register ziehen, sondern vorher entscheiden, welche Klangfarbe zu dem jeweiligen Musikstück, das er spielen will, passt und dann das entsprechende Register ziehen.

Die einzige Orgel

mit Schwellwerk
Eine Besonderheit der Orgel in St. Blasius ist die Tatsache, dass sie über zwei Manuale verfügt. Das obere Manual (Klaviatur/Tastatur) sorgt für eine festliche Stimmung. Es ist für eher romantische Stücke ausgelegt und eignet sich perfekt für Musik aus dem 19. Jahrhundert.

Mit dem unteren Manual lassen sich der helle und dynamische Klang und das voluminöse Brausen erzeugen, die für Barockmusik typisch sind. Eine weitere Steigerung erlauben drei Zungenregister, die Posaune, Trompete und Oboe nachahmen. Auch die klingen bei jeder Orgel anders.

Raymund Koslik, der auch in anderen Gemeinden im Dreisamtal als Organist aushilft, ist sich sicher, dass er seine Orgel in Buchenbach an ihrem weichen Klang sofort erkennen würde. Zu ihren Besonderheiten gehört nämlich auch, dass sie als Einzige im Dreisamtal über ein sogenanntes Schwellwerk verfügt. Das ist ein Teilwerk, dessen Pfeifen sich in einem geschlossenen Holzkasten befinden, der sich öffnen und schließen lässt. "Damit kann man sehr differenzierte Klangbilder erzeugen", erklärt Koslik. Auf der Orgel in Buchenbach lassen sich also so gut wie alle Stile der letzten Jahrhunderte darstellen. Eine große Sache für ein kleines Dorf.

Konzert: Morgen, Sonntag, 2. Advent, wird der Buchenbacher Organist nicht alle, aber dafür ganz besondere Register ziehen. Dann nämlich steht ein Konzert auf dem Programm mit Musik aus Barock und Romantik. Mit dabei sind der Kirchenchor, Bläser, Streicher und natürlich die Orgel; Beginn: 18 Uhr.
von Barbara Riess
am Sa, 06. Dezember 2014

ORGELSPRÜCHE: ALLE REGISTER ZIEHEN

Alle Register zieht jemand, der sich allerlei einfallen lässt, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Das können sehr ungewöhnliche Mittel und überraschende Tricks sein. Wohlklang und Harmonie müssen dabei nicht unbedingt eine tragende Rolle spielen, Hauptsache, man bekommt, was man will.  

Autor: bari

DIE ORGEL IN ST. BLASIUS IN BUCHENBACH

- 25 klingende Register
- 1526 Pfeifen aus Zinn-Legierungen und Holz
- Baujahr 2001
- Firma Mönch Orgelbau, Überlingen

Mehr zum Thema gibt es unter http://mehr.bz/orgelserie
 

Autor: bari

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