Der warme Klang der Orgel

BZ-WEIHNACHTSSERIE: Die katholische Kirchengemeinde St. Remigius in Heuweiler kaufte schon vier Orgeln.

HEUWEILER. Im schlichten Kirchlein mitten auf dem Berg in Heuweiler wurden schon mehrere Orgeln ein- und wieder ausgebaut. Zu Beginn hatte die Kirche aber kein Instrument, denn oft war kein Pfarrer am Ort. Die seelsorgerische Betreuung erfolgte von Glottertal aus. Erst 1789 ändere sich die Geschichte der über 250 Jahre alten Kirche.

Die Kirche St. Remigius in Heuweiler wurde 1750 gebaut und 1765 eingeweiht. Errichtet wurde sie auf dem Platz, auf dem zuvor aus dem Jahr 1275 eine Kirche stand. Die neu erbaute Kirche war allerdings nur mäßig ausgestattet. Erst als nach langer Zeit ein eigener Pfarrer mit der Seelsorge in Heuweiler betraut wurde, bekam die Pfarrkirche ihr schlichtes Barockgepräge und ihre erste Orgel. "Am 1. August 1827 machte der Pfarrer eine Eingabe, mit der Bitte um eine ganz kleine Orgel mit zwei Registern, da in der Kirche noch kein Instrument vorhanden war", erzählt Ferdinand Elighofer, nachdem er in den Kirchenbüchern gestöbert hatte. 1829 wurde eine alte Orgel von Schenkenzell nach Heuweiler versetzt – für den Betrag von 165 Gulden.

Bereits 30 Jahre später machten die Kirchenverantwortlichen einen Vertrag über den Bau einer neuen Orgel. Die zweite Orgel kostete dann, als sie 1861 aufgebaut wurde, bereits knapp 1.000 Gulden. 1892 musste ihr Magazinbalg neu beledert und ein neuer Spieltisch eingebaut werden. Ausrangiert wurde das Stück bereits 15 Jahre später, also 1909. Sie wurde in der Notkirche in Mannheim-Rheinau aufgestellt. In Heuweiler jedoch wurde die dritte Orgel bestellt: eine Moderne mit Kegelladen und pneumatischer Traktur. "Seitlich der Orgel saß derjenige, der den Blasebalg bediente", weiß Elighofer. Gebaut wurde sie von Rudolf Kiene aus Waldkirch. Roland Mössner, der seit 45 Jahren die Orgel in Heuweiler bedient, spielte in seinen Anfangsjahren noch auf dieser Orgel. 60 Jahre hielt das Instrument, dann verursachten immer neue Reparaturen hohe Kosten und man entschied, lieber ein neues Instrument anzuschaffen.

"Für den Bau der aktuellen Orgel musste 1969 die gesamte Empore stufenförmig umgestaltet werden. Leider wurde dabei auch das große Fenster im Giebel über dem Eingang zugemauert", erzählt Elighofer. Der gebürtige Heuweilemer gehört seit 34 Jahren dem Pfarrgemeinderat an. Er kann sich noch an Kindheitstage erinnern, als die Orgel noch nicht vor dem Fenster stand und der Altar vom nachmittäglich einfallenden Sonnenlicht durch das Fenster mystisch angestrahlt wurde. "Es war einfach wunderschön."

Orgelbaumeister Schröder aus Ebnet hat die Orgel für 30 400 Deutsche Mark maßgeschneidert für die kleine Kirche erbaut. Sie hat 12 klingende Register, die einzeln und in allen erdenklichen Klangvariationen zu spielen sind. Fast 1000 Pfeifen, aus Eichenholz, Zinn und Kupfer lassen das königliche Instrument erklingen. Die senkrechten, jalousieartigen und schwenkbaren Glasstreifen direkt vor den Orgelpfeifen verleihen den Tönen dazu einen warmen Klang.

1982 wurde bei der Renovation der Kirche das Instrument überholt und eine neue Wendeltreppe zur Orgel eingebaut. "Heute pflegt und wartet unsere Orgel Wolfram Stützle, er ist der Enkel von Rudolf Kiene aus Waldkirch, der uns vor über 100 Jahren die dritte Orgel gebaut hatte."
von Andrea Steinhart
am Sa, 06. Dezember 2014

AKTUELLE ORGEL:

-  Baujahr: 1969
-  Firma: Orgelbau Schröder aus Ebnet
-  Kosten: 30400 DM

-  Renovierung: bei der Kirchensa nierung im Jahr 1982
-  Anzahl Register: 12
-  Anzahl Pfeifen: fast 1000 Pfeifen aus verschiedenen Materialien

Mehr zum Thema gibt es unter http://mehr.bz/orgelserie
 

Autor: ast

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