Der Willy macht den Knoten drauf

Beobachtungen an den Wahlkampfständen von Cornelia Rösner und Klaus Eberhardt beim Wochenmarkt.

RHEINFELDEN. An keinem Tag der Woche ist die Innenstadt so belebt wie am Samstag. Kein Wunder also, dass in den Wochen vor der Wahl die drei OB-Kandidaten ebenfalls präsent sind, um Werbung für sich und ihr jeweiliges Programm zu machen. Die Themen, die Bürger, Kandidaten und Unterstützer bewegen: der Wahlkampf der SPD und die Unterstützung von Erich Blatter (CDU) für Klaus Eberhardt.

Die Glocken der Christuskirche haben gerade 9 Uhr geschlagen, als am Kirchplatz Ehemann Jochen Rösner und Sohn Dennis noch ein paar mit rotem Herz bedruckte weiße Ballons mit Helium füllen und am ebenso weißen Zelt befestigen. Weitere Unterstützer aus dem Lager der Kandidatin warten auf Passanten, von denen jetzt noch nicht so viele unterwegs sind – und die schon in die Fußgängerzone gekommen sind, wollen offenbar zuerst ihre Einkäufe erledigen, bevor sie sich auf ein Gespräch mit Wilhelm Staufenbiel vom Unterstützerkreis einlassen, der – den Rösner-Button am Revers und den Faltprospekt in der Hand – die Menschen direkt anspricht und ihnen – "die wahren Hintergründe" erzählt, warum der Blatter-Erich den Eberhardt unterstützt und nicht die Frau Rösner. Und Staufenbiel kommt an: "Herr Doktor, Sie haben mich zum Nachdenken gebracht", meint ein älterer Herr zum Abschied.

9.05 Uhr – Cornelia Rösner kommt: "Die Plakate sind weg", entfährt es ihr und in der Tat. Wo am Freitag noch die Eberhardt-Plakate mit den drei F ("Frisch, fähig, filzfrei") hingen, ragen nur noch dünne weiße Plastikträger rechtwinklig von den Laternenmasten weg. "Vielleicht haben Sie sich eines Besseren besonnen", meint ein weiterer Unterstützer.

9.10: Auch am Eberhardt-Zelt gegenüber vom Bonsai sind die Unterstützer noch weitgehend unter sich und bereiten sich vor: Der Gusti (Fischer) pumpt von Hand die blauen Ballons auf, der Willy (Hundorf) muss den Knoten drauf machen. "Ich schaff das nicht", meint Fischer. Klaus Eberhardt – "Meine Pressemitteilung wegen der Plakate ist schon raus" – verteilt seinen Flyer und ein weißes Röschen an alle Frauen. Wer will, kann auch einen Kugelschreiber oder Gummibärchen haben.

9.30: Die Kundenschlangen an den Gemüseständen betragen zum Teil an die zehn Meter, mitten im Kastanienpark haben Mitarbeiter des Werkhofs indes damit begonnen, Dutzende von Fundfahrrädern für die anschließende Versteigerung abzuladen.

10.10: Erich Blatter und Frau Hannelore kommen vom Hieber auf den Markt – vorbei am Rösner-Stand geht der CDU-Ehrenvorsitzende direkt zum SPD-Stand, seine Frau besorgt Einkäufe.

10.15: Auf neutralem Terrain, mitten zwischen den beiden Wahlständen tauschen sich Heiner Lohmann (die Grünen) und Wilhelm Staufenbiel aus – in aller Gelassenheit, obwohl es mutmaßlich um den SPD-Wahlkampf geht. Bei den beiden Kandidaten bleiben mittlerweile mehr Passanten stehen. "Ich kenne Sie schon ", sagt eine Frau mit deutlichem Schweizer Akzent, der Cornelia Rösner einen Wahlprospekt in die Hand drücken will, "aber ich kann Sie gar nicht wählen". Die Kandidatin fordert Sie trotzdem auf den Flyer mitzunehmen: "Die Beziehungen zu den Nachbarn sind mir auch sehr wichtig".

10.30: Klaus Springer kommt und bezieht Position, wo sich wenige Minuten zuvor Heiner Lohmann und Wilhelm Staufenbiel neutralisiert haben. Einen Stand hat er nicht, er hat eine Schreibkladde dabei, an seinem Jackett trägt er groß wie eine Schokoladentafel, ein graviertes Metallschild, das ihn als "Oberbürgermeisterkandidat" ausweist. Gesprächspartner findet er laufend: Mal eine ältere Frau, die mit ihren Blumen in der Hand unterwegs ist oder das jüngere Ehepaar, das seinen Kinderwagen durch die Fußgängerzone schiebt.

10.45: Erich Blatter fühlt sich sichtlich wohl am SPD-Stand, besonders dann, wenn alte Bekannte ihm auf die Schulter klopfen und ihm zu seiner Haltung beglückwünschen. Auch Toni Grabsch ist dabei, verteilt Prospekte und sucht den Dialog mit den Menschen, denen sie erklärt, warum ein frischer Wind ins Rathaus muss. Zwei Töchter von Klaus Eberhardt mischen sich mit Röslein und Flyer unter die Besucher, stellen aber zu ihrem Bedauern fest, dass sich die Zahl der Jugendlichen in Grenzen hält.

12.00: Die Kirchenlocken schlagen, mehr und mehr Menschen verlassen den Markt. "Esel Salami" steht auf einem Pappschild beim italienischen Spezialitätenhändler. "Das hat aber nicht mit dem Wahlstand hier zu tun", scherzt Paul Renz – in der Tat wurde auch in der heißesten Wahlkampfphase niemand verwurstet.
von Ralf Staub
am Mo, 16. April 2012

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