Dialekt

Dialekt

Die Lahrer Mundart ("Lohrer Ditsch") ist eine Variante des oberrheinisch- alemannischen Dialekts, der im Elsaß und rechtsrheinisch in Teilen des Breisgaus und der Ortenau bis nördlich von Rastatt gesprochen wird. In ihren Eigenarten spiegelt sich deutlich die historische Entwicklung der Stadt. Die konfessionelle Prägungen und die herrschaftliche Kleinräumigkeit führten zu mehreren sprachlichen Trennungen innerhalb des heutigen Stadtgebiets. Besonders die Stadt und die protestantischen Dörfer der ehemaligen Herrschaft Lahr unterscheiden sich von den ehemals katholischen Dörfern der "Nachbarstaaten" Hohengeroldseck oder Mahlberg. Beispiele hierfür sind etwa der n-Schwund (z.B. wiin - wii für Wein), der nur in Kuhbach und Reichenbach bzw. bei geen - gee (für gehen) zusätzlich auch in Kippenheimweiler und Sulz zu beobachten ist. Das Wort "knien" als weiteres Beispiel wird (oder wurde) in den katholischen Stadtteilen diphthongiert als "gneje" gesprochen, in den evangelischen dagegen "gniie". Die geographische Lage mit zahlreichen Nachbarherrschaften charakterisiert den Lahrer Dialekt deshalb als "Grenzmundart" (Renate Schrambke) mit engen Beziehungen zum evangelischen Hanauer Land und dadurch zu Straßburg. Die Entdeckung des Lohrer Ditsch erfolgte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Nachdem Ferdinand Stein 1827 eine erste Beschreibung veröffentlichte, schrieb der Lehrer Karl Steinmann ein umfangreiches Versepos über den Lahrer Prozeß (Lahr 1852) im Lahrer Dialekt. Bedeutende Lahrer Mundartautoren waren oder sind Alfred Siefert (Grüselhornklänge, Lahr 1888), Philipp Brucker oder Gunther Lehmann.

Bisher erschienene Beiträge unter http://www.badische-zeitung.de/lahr-lexikon
von tmi
am Mi, 22. Februar 2012


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