Dichte Grenze sorgt für Blechkolonnen

Am Grenzübergang Stein-Bad Säckingen wird jeder kontrolliert, der über den Zoll will / Kilometerlange Staus im Berufsverkehr.

BAD SÄCKINGEN. Die Blechkolonnen kommen an diesem Nachmittag nur schleppend voran. Vom Grenzübergang Stein-Bad Säckingen staut sich der Verkehr auf Schweizer Seite kilometerlang über die Fridolinsbrücke bis zum Sissler Kreisel. Auch von Frick aus Richtung Zoll stockt es bereits an der Steiner Ortstafel. Wer um 16.30 Uhr aus dieser Richtung mit dem Auto den Zoll passieren will, benötigt um 16.30 Uhr etwa 40 Minuten, bis er schließlich auf deutschem Boden ist.

Während des Feierabendverkehrs strapazierten die strengen Grenzkontrollen auf deutscher Seite die Geduld von Tausenden Pendlern, die sich von ihren Arbeitsplätzen im Fricktal zu ihrem deutschen Wohnort aufmachten. Mit den Grenzkontrollen – nur noch Pendler, Warentransporteure oder diejenigen mit einem triftigen Grund dürfen ein- und ausreisen – will Deutschland die Ausbreitung des Coronavirus verlangsamen. "Die Beamten kontrollieren sieben Tage die Woche rund um die Uhr. Jeder, der über die Grenze will, wird kontrolliert", sagt Friedrich Blaschke, Sprecher der Bundespolizeinspektion Weil am Rhein. Eine Kontrolle ginge etwa fünf bis zehn Sekunden. Dokumente, die belegen, dass man Pendler ist, brauche man nicht, um von Deutschland in die Schweiz auszureisen, so Blaschke. "Die Beamten fragen nach dem Grund der Ausreise. Bekommen sie Zweifel, kontrollieren sie die Aussage des vermeintlichen Pendlers, indem sie den besagten Arbeitgeber anrufen."

Von der Länge der Rückstaus liessen sich die Beamten der Bundespolizei bei ihrer Kontrolltätigkeit nicht beeindrucken. Die Kolonne könne noch so lang sein, keiner werde einfach so durchgewunken. "Nur wenn wir jeden genau kontrollieren, können wir die Infektionsketten unterbrechen und das Sicherheitsgefühl hochhalten", sagt Blaschke. So achte man genau darauf, ob jemand Schweißperlen auf der Stirn habe oder einen kränkelnden Eindruck mache. "Ist das der Fall, informieren wir umgehend die Gesundheitsbehörden", so Blaschke.

Am Zollübergang Stein/Bad Säckingen waren am Montagnachmittag zwei Beamte der Bundespolizei postiert. Während einer der Polizisten den motorisierten Verkehr kontrollierte, ließ sich der zweite von den Fahrradfahrern und Fußgängern die Ausweise zeigen. "Zurückgeschickt werden mussten einige, einen Corona-Verdachtsfall hatten wir aber keinen", so einer der Bundespolizisten.

In einigen Tagen, so Blaschke, sollen die sogenannten Passierscheine in Umlauf gebracht werden, die sich Pendler hinter die Windschutzscheibe hängen können. "So müssen wir nicht mehr nach dem Grund der Ein- oder Ausreise fragen, sondern nur einen Augenschein ob des Gesundheitszustandes des Fahrers nehmen", sagt Blaschke. Damit soll nicht nur die Kontrolltätigkeit vereinfacht, sondern auch die Wartezeiten deutlich reduziert werden.

Seit die Schweiz am frühen Montagabend den Notstand ausgerufen hat, wird übrigens auch in umgekehrter Richtung verstärkt kontrolliert.

Bei Radiohörern haben die Staus am Grenzübergang auch Erinnerungen wach gerufen an die Zeiten vor Öffnung des Autobahnzolls in Rheinfelden. Damals waren Staus an der Grenze – allerdings primär bei der Ausreise an der Tagesordnung. Und wegen dieser Staus war Bad Säckingen so etwas wie Stammgast im Verkehrsfunk. So wie in den Morgenstunden des gestrigen Dienstags auch.
von Dennis Kalt und Axel Kremp
am Mi, 18. März 2020

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