Kunstaktion "Zum Ersten, zum Zweiten, zum Helfen"

Dichten mit den Mitteln der bildenden Kunst

Zwei Dutzend Künstler aus Lörrach und der Region stellen Arbeiten für die Benefizaktion "Zum Ersten, zum Zweiten, zum Helfen" zur Verfügung. Versteigert werden sie am 27. November. Hier können Künstler und Bilder schon einmal betrachtet werden.

LÖRRACH. Zwei Dutzend Künstler aus Lörrach und der Region stellen Arbeiten für die Benefizaktion "Zum Ersten, zum Zweiten, zum Helfen" zur Verfügung. Bis zur Versteigerung am 27. November in der Volksbank Dreiländereck in Lörrach präsentiert die BZ jeden Tag das Porträt eines Künstlers oder einer Künstlerin sowie das Werk, das im Rahmen dieser Aktion angeboten wird. Heute Jochen Böhnert.

Von unserer Mitarbeiterin

Barbara Ruda

Sein Professor an der Akademie für bildende Künste in Karlsruhe verabschiedete Jochen Böhnert, der immerhin gerade eines der besten Diplome der Jahrgangsstufe 2006 abgelegt hatte, kurz und knapp. Eigentlich sagte er bloß zwei Worte: "Scheiß Poeten". Was Meuser dem frisch gebackenen freischaffenden Künstler aus Vögisheim bei Müllheim da mit auf den Weg gab, klingt nicht gerade wie eine Nettigkeit. Wenn man aber berücksichtigt, dass der Mann ohne Vornamen ein Anhänger des Minimalismus ist und seine Arbeiten von beinahe asketischer Strenge sind, relativiert sich der Ausspruch. Übrig bleibt im Kern doch so etwas wie ein gut getarntes Kompliment und vor allem etwas Wesentliches: Jochen Böhnert ist ein Dichter. Er ist einer, der Fundstücke und Schrott so zusammenfügt, dass sie nicht nur ihre ureigenen, sondern auch seine Geschichten erzählen.

Zuerst arbeitete Böhnert mit der Imagination, etwa wenn er in einem Teesieb, einem Radlager oder einer Dachrinne den Korpus eines Tieres erkannte. Später wurde er freier, bestimmte selbst die Form einer Skulptur und das, was sie machte, etwa wenn ihn ein Bündel Draht an den Rücken eines Pferdes erinnerte. Was Jochen Böhnert schließlich aus den Rebdrahtstücken zusammenschweißte, sieht aus, als galoppiere das Ross durch den Raum – leicht, übermütig, quicklebendig und mit fliegender Mähne. Eine große Dynamik liegt in dieser Bewegung. Hier bedient sich Böhnert des Mittels der ins Dreidimensionale übertragenen Skizze: Strich für Strich, Nagel für Nagel, Draht für Draht. Wie ein Töpfer zwingt er dem Material die Form auf, die ihm vorschwebt. Er formt das, was jeder schon einmal gesehen hat – als Ding irgendwo im Kaufhaus um die Ecke: gekauft, benutzt, verboten, kaputt gegangen. Unter seinen Händen wandelt sich das Massenprodukt zum Individuum. "Es ist die ganze Welt, die sich in allem er- und findet – immer wieder erschaffen, hier und um uns herum", erläutert der Künstler. Ausgestellt hat er unter anderem mehrmals in der Lörracher Galerie Artischocke, auf der Kunstmesse Rainach (CH), im Bezirksmuseum Buchen oder in der Galerie Melinkow Heidelberg.

Jochen Böhnert: "Ohne Titel", Skulptur Holz und Metall, Mindestgebot 150 Euro
von rud
am Di, 09. November 2010 um 12:58 Uhr

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