Die Box-Weltmeisterin aus Offenburg

LEUTE IN DER STADT: Lucia Morelli ist "Sportlerin des Jahres 2011" und will im Februar in Belgien ihren Titel verteidigen.

OFFENBURG. Im Sport gibt es noch immer Männerdomänen: Boxen zum Beispiel. Ausnahmen wie Regina Halmich bestätigen diese Regel. Lucia Morelli ist auf dem besten Weg, eine solche Ausnahme zu werden. Die Frauenboxerin hatte 2011 im Leichtgewicht den Weltmeistertitel des Boxverbands Women’s International Boxing Federation geholt. wurde vor kurzem als Offenburgs "Sportlerin des Jahres 2011" ausgezeichnet. "Damit haben wir wirklich nicht gerechnet", freut sich ihr Trainer Andy Preuss.

Richtig wahrgenommen wurde der WM-Erfolg weder in den Medien, noch in der Öffentlichkeit. "Das ist halt so beim Frauenboxen", zuckt die gebürtige Italienerin, die in Hornberg aufgewachsen ist und in Hofweier wohnt, mit den Schultern. Schon 2008 hat sie einen Weltmeistertitel im Junior-Weltergewicht (WFC) geholt. Ebenfalls ohne großen Bahnhof. "Da hatte ich noch ein paar Kilo mehr", schmunzelt die 32-Jährige. Heute bringt sie nur noch 61 Kilogramm auf die Waage und kämpft in einer anderen Gewichtsklasse; im Leichtgewicht. Gezielt habe sie die Pfunde nicht verloren, sie esse lediglich bewusster; viel Gemüse und Dinkelprodukte. Fleisch überhaupt nicht mehr. Süßigkeiten sind tabu. Inzwischen hat sie 20 Kämpfe bestritten, 18 gewonnen und acht davon durch K.O..

Woher ihre Liebe zum Boxen kommt? Lucia Morelli lacht. Sie ist mit einem älteren Bruder aufgewachsen: "Wir konnten uns richtig fetzen", erinnert sie sich. Gewonnen hat freilich ihre Mutter: "Sie ging meistens dazwischen." Bruder Antonio war es dann auch, der ihr "Schoner" fürs Kickboxen geschenkt hat. Und Arbeitskollege Markus Hengst, ihr heutiger Lebensgefährte, nahm sie mit zu Tommy's Fit & Fun nach Offenburg. Das ist nun sieben Jahre her. "Sie ist mein Baby", sagt Trainer Andy Preuss stolz. Lucia habe alles bei ihm gelernt. Begonnen hat alles mit Kickboxen. Wegen einer Verletzung wollte Lucia Morelli eigentlich nur übergangsweise boxen. Bei einem Probetraining in Karlsruhe habe Jürgen Lutz, der Trainer von Regina Halmich, das von Lucia Morelli Potenzial erkannt – und ihr einen Kampf vermittelt. "Nach einer Minute 45 Sekunden war alles ’rum", berichtet Preuss. Technischer K.O.. Deutlich überlegen sei Lucia Morelli gewesen. Deshalb habe der Ringrichter den Kampf abgebrochen.

Lucia Morelli seufzt, wenn sie sich bewegt. Sie hat Muskelkater. Das ist gut", schmunzelt Andy Preuss, der schon Trainer von Profi Tommy Seiler war. Ein großer Kampf stehe nämlich bevor. Eigentlich will er nicht verraten, gegen wen, wann und wo. Dann verrät er es doch. Delfine Persoon heißt die Gegnerin, gegen die sie am 25. Februar in Belgien antreten und ihren Titel verteidigen wird. "Einen Titel im Ausland zu verteidigen, ist schwer", erklärt Preuss. Neben einem Vollzeit-Job in der Endproduktion eines lokalen kunststoffverarbeitenden Betriebs trainiert Lucia Morelli mindestens fünfmal die Woche. Das ist eine extreme Doppelbelastung. Sponsoren, die es ihr ermöglichen könnten, nur halbtags zu arbeiten, hat sie nicht. Lediglich ein Ausrüster deckt die Boxerin mit Sportbedarf ein. Warum die Popularität des Frauenboxens so gering ist? "Als die Fußballfrauen bei der ersten Weltmeisterschaft gewonnen hatten, bekamen sie ein Kaffeeservice geschenkt", erinnert Lucia Morelli an eine andere Sportart in einer Männerdomäne. Trainer Andy Preuss muss schallend lachen. Dort habe sich die Lage zwischenzeitlich verbessert, was man bei der letzten WM sehen konnte. Und so hofft auch Lucia Morelli auf Unterstützung durch mehr Medienpräsenz und zunehmende Popularität. Regina Halmich hat es ja schließlich auch geschafft. "Es ist kein Geheimnis, dass der Erfolg von Boxweltmeisterin Regina Halmich mit dem Kampf gegen Stefan Raab kam", erklärt Andy Preuss. Seit dem Kampf, bei dem die Karlsruherin "den Raab" versohlt hatte, gab es Rückhall in den Medien. Es folgten Werbeaufträge und Fernsehauftritte.

Natürlich würde auch Lucia Morelli gegen Stefan Raab kämpfen. Der werde allerdings wohl erst einmal genug vom Boxen haben, meint die schlagfertige Boxerin.

Wird die Offenburger Boxweltmeisterin Lucia Morelli im Vorprogramm oder in den Zuschauerrängen dabei sein, wenn Arthur Abraham am 14. Januar in Offenburg boxt. "Bis jetzt habe ich noch keine Einladung", sagt Lucia Morelli enttäuscht.
von Cornelia Weizenecker
am Do, 05. Januar 2012

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