BZ-Serie: Familiennamen

Die häufigsten Familiennamen in Denzlingen

Die Familiennamenwelt in Denzlingen ist auf Grund der Bevölkerungsentwicklung extrem vielfältig.Der häufigste Namen ist Nübling.

DENZLINGEN. Seit einem Vierteljahrhundert befasst sich der Sprach- und Literaturwissenschaftler Konrad Kunze mit der Herkunft der Familiennamen. In einer BZ-Serie erklärt er, welche Wurzeln Namen haben, die im Breisgau häufig vorkommen. Heute geht es um die häufigsten Namen in Denzlingen.

Im Unterschied zum Glottertal, wo zehn typisch einheimische Namen allein schon ein Viertel der Bevölkerung ausmachen, oder zu Freiamt, wo sich ein ganzes Drittel der Einwohner nur neun Namen teilt, ist die Familiennamenwelt in Denzlingen auf Grund der Bevölkerungsentwicklung extrem vielfältig und aus weiten Einzugsbereichen gemischt. Die zehn häufigsten Namen sind Nübling (126), Schmidt (106), Müller (91), Weber (60), Fischer (55), Schneider (55), Reichenbach (54), Zimmermann (48), Maier (46) und Kern (45). Davon zählen sieben auch zu den häufigsten Namen der Bundesrepublik.

Andererseits kann kaum ein Name einheimischer sein als der Spitzenreiter Nübling. So heißen 1,5 Prozent aller Einwohner des Ortes. Der Name geht auf den Rufnamen Nibelung zurück, der im 13. Jahrhundert aus dem Stammesnamen der im Nibelungenlied besungenen Helden gebildet und vor allem im Südwesten sehr populär wurde. Schon im Jahre 1297 ist in Ihringen ein Rudolf Nibelunge bezeugt, da war der Rufname im Breisgau also schon zum Familiennamen geworden. Von den insgesamt zirka 650 Nübling wohnt mehr als ein Sechstel im Ort. Im ganzen Südwesten verstreut sind dagegen die zirka 1.250 Niebling, in Hessen finden sich noch 130 Niebeling.

Reichenbach ist der häufigste Name im Glottertal und wird in dieser Serie bei den dortigen Namen besprochen. Die zirka 39 800 Kern sind in Südwestdeutschland zu Hause, einige auch in Bayern. Es ist ein Berufsname für den Bauern, der im Gegensatz zum Gemüse- oder Obstbauern vor allem Getreide, speziell Dinkel oder Fesen angebaut hat. Denkbar ist auch ein Übername für einen besonders tüchtigen, charakterfesten Menschen. Die größte Verdichtung im hiesigen Raum findet der Name in Freiamt und Sexau, wo 4,2 beziehungsweise 3,3 Prozent der Bevölkerung so heißen.

Auch der Name Sillmann (780 Personen) ist mit 2,2 Prozent aller Einwohner am dichtesten in Freiamt zu finden, sodann in Emmendingen, Sexau und Denzlingen. Es handelt sich um einen Berufsnamen für den Sattler, der Riemenzeug für das Zugvieh hergestellt hat.

Eine weitere Gruppe häufigerer Namen gelangte aus dem Elztal nach Denzlingen. Dazu gehören die Dufner. Von den zirka 1400 Dufner wohnen die meisten in Elzach, während die etwa gleich häufigen Duffner sich in Schonach, Triberg, Schönwald und Furtwangen konzentrieren. Es handelt sich wohl um einen Herkunftsnamen zu Teufen bei Oberndorf am Neckar, im Dialekt Du(i)fen gesprochen. Im Badischen Wörterbuch wird der Name allerdings von mundartlich duffen "mit der Faust prügeln" abgeleitet, dann wäre es ein Übername für einen schlagfertigen Menschen.

Aus dem Elztal kommen die Trenkle. In Winden machen sie 1,7 Prozent der Bevölkerung aus. Schon im Jahre 1256 ist in Kenzingen ein Mann namens Trenkelinus bezeugt. Es ist ein Übername für jemanden, der gerne getrunken hat. Die zirka 1050 Trenkle finden sich hauptsächlich in der hiesigen Gegend, die zirka 2000 Tränkle hier und im Raum Stuttgart, während man im Raum Schorndorf Trinkle heißt und in Bayern Trinkl. Mehr mit dem Essen hielten es die Vorfahren der zirka 250 Fräßle, Frässle, Freßle und Fressle. Sie sind hauptsächlich in Freiburg, Oberied und Stegen zu finden.

Schillinger ist eine mundartliche Form der Münzbezeichnung Schilling. Zum Familiennamen wurden die Worte Schilling und Schillinger, weil man damit jemanden kennzeichnete, der einen Schilling als Abgabe leisten musste. Die etwa 4900 Schillinger finden sich hauptsächlich in der Ortenau, im Kinzigtal sowie im Breisgau, hier vor allem in Ihringen, Freiburg, Emmendingen und Denzlingen. Die zirka 1200 Rappold konzentrieren sich in drei Regionen, die meisten im Raum Stuttgart – Heilbronn, dann im Raum München, schließlich in Denzlingen. Ihre Vorfahren haben mit Rufnamen Ratbald geheißen, der auch im elsässischen Ortsnamen Rappoltsweiler steckt.

Alle Teile der Namensserie unter badische-zeitung.de/nachnamen
von Konrad Kunze
am Do, 01. September 2016

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