BZ-Serie Familiennamen

Die häufigsten Familiennamen in Glottertal

Das Glottertal zeichnet sich durch sehr bodenständige Familiennamen aus.

GLOTTERTAL. In einer BZ-Serie erklärt der Sprachwissenschaftler Konrad Kunze, welche Wurzeln Namen haben. Heute geht es um die häufigsten Namen in Glottertal.

Das Glottertal zeichnet sich durch sehr bodenständige Familiennamen aus. Die zehn häufigsten Namen sind Reichenbach (187), Strecker (105), Kapp (77), Herbstritt (65), Blattmann (56), Flamm (56), Lickert (55), Linder (54), Disch (54) und Birkle (53). Sie machen zusammen ein Viertel der Bevölkerung aus.

Mit Abstand am häufigsten sind die Reichenbach. Es gibt bundesweit zirka 5200 Personen dieses Namens, die meisten hier, viele in Südhessen, Thüringen und Sachsen. Dazu kommen zirka 520 Reichenbacher, beispielsweise in Pfinztal. Gemeint ist jemand, der aus einem der mehr als 50 Orte namens Reichenbach stammt, oder an einem der vielen so genannten Flüsse wohnt, deren Name sich auf Wasser- oder Fischreichtum beziehen kann. Auch Strecker wird wohl ein Wohnstättenname sein für jemanden, der an einem Flurstück namens Strecke wohnte. Doch kommen auch Namen aus einem Beruf in Frage, in dem man irgendetwas strecken oder spannen musste, etwa Schuhe oder Handschuhe. Schlimmstenfalls konnte auch ein Henkersknecht gemeint sein, der die Opfer auf der Streckbank folterte. Insgesamt zirka 6300 Strecker finden sich in Deutschland, am häufigsten in Niedersachsen, in Nordwürttemberg und hier. Linder heißt jemand, dessen Vorfahren aus einem Ort namens Lind(e) kamen oder an einer Linde oder in einem Haus mit dem Namen "zur Linde" gewohnt haben. Die zirka 8100 Linder sind im ganzen Südwesten verbreitet, im Breisgau aber findet man sie fast nur im Glottertal. In Bayern und Ostdeutschland entspricht ihnen der Name Lindner, in Nordrhein-Westfalen Lind, Linde und Linden, in Norddeutschland Lindemann.

Von zirka 420 Herbstritt wohnen ein Viertel in Glottertal und Heuweiler. In Ettenheim finden sich einige Herbstrith, in Merdingen einige Herbstreit. Sie haben nichts mit dem Herbst zu tun, sondern mit Streit (alemannisch Striit), und im ersten Teil des Namens steckt entweder das Adjektiv herb oder das Verb heben im Sinne von "anfangen", wie aus Familiennamen wie Hebstreit, Hebestreit und Hebenstreit "(ich) hebe (den) Streit (an)" hervorgeht, die sich vor allem in Thüringen finden. Auf jeden Fall geht der Name auf einen streitsüchtigen Vorfahren zurück.

Die 4300 Kapp finden sich hauptsächlich in der Pfalz, in Mainfranken und in Baden-Württemberg, und hier vor allem im Elz- und im Glottertal. Sie beziehen sich in der Regel auf das Wort Kappe, womit früher nicht nur eine Kopfbedeckung, sondern ein Mantel mit Kapuze gemeint war. Dann wären es Übernamen für Leute, die solche Mäntel hergestellt oder getragen haben. Der Name kann aber auch von dem alten Wort Kapp "Kapaun, gemästeter Hahn" abgeleitet sein und auf diese Weise einen beleibten Menschen kennzeichnen. Einen typisch Breisgauer Namen tragen die zirka 1680 Flamm . Er findet sich vor allem in Wyhl, Freiburg und Glottertal. Im Föhrental ist 1469 ein Klaus Flamm bezeugt, wo es ja auch den Flammenhof gibt, und in Wildtal den Flammhof. Der Name beruht auf dem Wort Flamme und kann sich wie Funk und Funke auf einen Schmied beziehen, aber auch auf einen Bäcker. Denkbar wären Übernamen für temperamentvolle Menschen oder Wohnstättennamen für einen, der im Haus "zur Flamme" wohnt.

Von zirka 540 Lickert wohnt ein Zehntel in Glottertal, die übrigen fast alle in Freiburg, Breitnau und Neustadt. Es sind Nachkommen einer Frau, die den Rufnamen Luitgart trug. Aus dem Rufnamen Dietrich, im Dialekt kurz Disch gerufen, leiten sich die zirka 1400 Disch her, die vor allem im Elz- und Glottertal leben.
von Konrad Kunze
am Di, 06. September 2016

Badens beste Erlebnisse