BZ-Serie: Nachnamen in der Region

Die häufigsten Familiennamen in Gottenheim

Hunn, Hagios, Hess - der Namensfachmann Konrad Kunze erklärt woher die für Gottenheim typischen Familiennamen stammen.

GOTTENHEIM. Seit einem Vierteljahrhundert befasst sich der Sprach- und Literaturwissenschaftler Konrad Kunze mit der Herkunft der Familiennamen. In einer Serie der BZ erklärt er, welche Wurzeln Namen haben, die im Breisgau häufig vorkommen und hier als typisch gelten. Heute geht es um die häufigsten Namen in Gottenheim.

Die zehn häufigsten Namen in Gottenheim sind Hunn (63), Maurer (46), Hagios (40), Hess (39), Meier (75), Schmidle (34), Schätzle (28), Ambs (23), Maier (22) und Wiloth (22). Über die Schätzle wird in einem eigenen Artikel dieser Serie berichtet, über die Ambs im Artikel über die Namen von Bötzingen.

Es gibt in Deutschland insgesamt etwa 440 Hunn, die allermeisten davon in Gottenheim, einige in March und im übrigen Breisgau und weiter im Südwesten verstreut. Es sind Nachkommen eines Mannes mit dem germanischen Rufnamen Hunold, den man kurz und bündig Hunn gerufen hat. Die ungekürzte Namensform ist noch in Familiennamen wie Hunold (ca. 2400) und Honold (2100) erhalten.

Hagios hat nichts mit dem griechischen Adjektiv hagios "heilig" zu tun, sondern ist ein gut alemannischer Name. Im Jahre 1594/97 wird in Villingen dieser Name sowohl Haggijoß als auch Hackenjos geschrieben; heute gibt es etwa 430 Ha(c)kenjos mit Zentrum in St. Georgen im Schwarzwald, rund 90 Hagios in Gottenheim und Umgebung sowie 120 Hockenjos in Mittelbaden. Im ersten Teil des Namens steckt wohl das Wort Haken, der zweite Teil ist eine Abkürzung des Rufnamens Jodocus, der im Alemannischen kurz Jo(o)s hieß. Also der "Haken-Jodocus", wobei nicht mehr zu klären ist, ob es ein Schmied war, der Haken hergestellt hat oder jemand, der mit Haken gearbeitet hat. Oder "Jodocus, der am Haken wohnt", ein häufiger Flurname für gekrümmte Geländestücke.

In Süddeutschland sind etwa 19 500 Hess verbreitet, deutlich davon getrennt in Norddeutschland zirka 32 400 Hesse. Beides bedeutet in der Regel "der Hesse", in Einzelfällen können es auch Nachkommen von Männern sein, die mit Rufnamen Hesso hießen.

Von den rund 700 Schmidle konzentrieren sich die meisten in Gottenheim, sodann wohnen viele am Hochrhein, der Rest ist in Baden-Württemberg verstreut. In anderen Gegenden heißen sie Schmied(e)l, Schmiedlein oder Schmidtchen. Mit der Verkleinerungsform kann ein Geselle vom Meister, ein Junior vom Senior oder ein kleiner Schmied von einem großen unterschieden worden sein. Die nur rund 40 Wiloth und 20 Willot(h) wohnen in Gottenheim, March, Reute und Umkirch; in Oberschwaben finden sich etwa 250 Wielath, Wielatt, Willadt. Wahrscheinlich handelt es sich um Nachkommen von Männern mit dem Rufnamen Willihard, der dann über Williard und Willard, die auch als Familiennamen existieren, zu diesen Formen verkürzt wurde.

Von den insgesamt etwa 140 Baldinger konzentrieren sich viele in Gottenheim und Freiburg, ebenso von den rund 350 Schwenninger. Ihre Vorfahren stammen aus Ober- oder Unterbaldingen auf der Baar und aus Schwenningen am Neckar oder Schwenningen bei Stockach. Die etwa 140 Zängerle sind zusammen mit 950 Zengerle und 140 Zangerle in Südwestdeutschland beheimatet und Übernamen, die aus dem mittelhochdeutschen Adjektiv zanger "munter, lebhaft" gebildet sind.

Alle Teile der Namensserie sind nachzulesen im Internet unter http://www.badische-zeitung.de/ nachnamen
von Konrad Kunze
am Di, 30. August 2016 um 11:41 Uhr

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