BZ-Serie "Namen in der Region" (2)

Die häufigsten Familiennamen in Kirchzarten

Maier, Schweizer, Bank und Rombach - der Namensfachmann Konrad Kunze erklärt die häufigsten Familiennamen aus Kirchzarten

KIRCHZARTEN. Seit einem Vierteljahrhundert befasst sich der Sprach- und Literaturwissenschaftler Konrad Kunze mit der Herkunft der Familiennamen. In den nächsten Wochen erklärt er in der BZ, welche Wurzeln Namen haben, die im Breisgau häufig vorkommen und hier als typisch gelten. Heute geht es um die häufigsten Namen in Kirchzarten.

Nach Maier (97) der zweithäufigste Name in Kirchzarten ist Schweizer (84). Von den zusammen rund 19 100 Schweizer und 11 200 Schweitzer in Deutschland leben die meisten auf der und um die Schwäbische Alb, sodann im Breisgau, außerdem in Wyhl, wo 4,3 Prozent der Einwohner so heißen, ferner in Bollschweil, wo es der häufigste Name am Ort ist, sodann in Oberried und Kirchzarten.

Die Vorfahren haben diesen Namen wohl schon aus der Schweiz mitgebracht, als sie nach dem Dreißigjährigen Krieg in den Breisgau zogen, dessen Bevölkerung stark dezimiert war. In der Schweiz selbst nimmt Schweizer unter den häufigsten Namen den 34. Rang ein. Er bedeutet "der aus der Stadt oder der Region Schwyz", da die Schweiz im heutigen Umfang noch nicht existierte, als die Familiennamen aufkamen.

Es folgen in Kirchzarten Müller (69), dann Rombach (68), der in Stegen der häufigste Name ist und in dieser Serie bei den Namen von Stegen besprochen wird. Den fünften Rang nimmt Steinhart (59) ein. Die insgesamt etwa 1800 Steinharts konzentrieren sich einerseits in den einander benachbarten Orten Gammertingen und Hettingen, andererseits in Kirchzarten und Freiburg, und sind sonst im südlichen Baden-Württemberg und im südlichen Bayern verstreut, während die fast genauso häufigen Steinhardts über ganz Deutschland verteilt sind, aber kaum im Südwesten. Die rund 120 Steinhards wohnen fast alle in Wuppertal.

Der Name ist aus dem germanischen Rufnamen Steinhart entstanden. Er wurde im Breisgau auch zu Steiert verkürzt. Von den zirka 1300 Steiert wohnen die meisten in Freiburg, dann in March, im Hexental, in Hinterzarten und Neustadt.

An sechster Stelle folgt Bank. Die rund 4300 Personen dieses Namens finden sich überall in Deutschland, mit Konzentrationen im Raum Düren – Köln – Bonn, im Raum Hannover sowie in Kirchzarten. Im Norden können es Herkunftsnamen zu Orten namens Bank bei Aachen oder Banke bei Hitzacker sein. In Kirchzarten ist es wohl ein Übername für jemanden, der einen Verkaufstisch, den man früher Bank nannte, beispielsweise eine Fleischbank, betrieb.

Dann folgen die Schuler (51), die bei den Namen von St. Peter besprochen werden, und Weiß (45). Als die Familiennamen entstanden sind, gab es das Wort blond noch nicht in der deutschen Sprache, so dass mit Weiß alle Hellhaarigen, auch Blonde, gemeint sind. Die 83500 Weiß und 22 600 Weiss sind überall in Süddeutschland verbreitet, im Norden gilt niederdeutsches Witt(e) (55 100).

Auf Platz 9 folgt Schlegel (43). Die insgesamt etwa 19 500 Personen konzentrieren sich in Nordbayern, Thüringen und Sachsen, und dann im südlichen Baden-Württemberg, vor allem im Dreisamtal. In Buchenbach heißen 3,3 Prozent der Bevölkerung so. Es kann ein Berufsname sein für Handwerker, die mit Schlegeln arbeiteten, etwa Bildhauer oder Wollschläger, aber auch ein Übername für beleibte oder grobe Menschen.

Nach Hug (42) und Faller (42), die bei den Namen von Stegen und Buchenbach besprochen werden, folgen die 41 Ernst, Nachkommen eines Mannes mit diesem Rufnamen. Der Familienname (rund 45 900) ist gleichmäßig in ganz Deutschland verbreitet. Im Unterschied dazu ist Klingele (insgesamt 720) ein ganz einheimischer Name. Die meisten wohnen in Todtnau, wo schon im Jahre 1516 ein Werner Klingeli bezeugt ist, die zweitmeisten in Kirchzarten. Es kann ein Übername sein zu mittelhochdeutsch klingelen für "ausrufen, schwätzen", oder ein Wohnstättenname "der in der kleinen Klinge wohnt", womit ein enges Tal gemeint ist.

Die zusammen etwa 2900 Kromer finden sich hauptsächlich im mittleren Württemberg und im Breisgau, hier am häufigsten in Freiburg und Kirchzarten. In manchen Regionen wird ein langes a mundartlich als o gesprochen, und so ist aus Kramer (hochdeutsch Krämer) Kromer entstanden. Nur in Kirchzarten und Umgebung finden sich die insgesamt etwa 110 Pfändler. Der Name geht entweder auf Pfandleiher zurück oder auf Amtspersonen, die Pfändungen vornehmen durften, vielleicht sind es aber auch Berufsnamen für den Pfannenschmied.
von Konrad Kunze
am Fr, 19. August 2016

Badens beste Erlebnisse