BZ-Serie: Familiennamen

Die häufigsten Familiennamen in Umkirch

In der durch starke Zuwanderung geprägten Gemeinde Umkirch gibt es eine starke Durchmischung der Familiennamen.

UMKIRCH. Seit einem Vierteljahrhundert befasst sich der Sprach- und Literaturwissenschaftler Konrad Kunze mit der Herkunft der Familiennamen. In einer BZ-Serie erklärt er, welche Wurzeln Familiennamen haben, die im Breisgau häufig vorkommen. Heute geht es um die häufigsten und typischen Familienamen in Umkirch.

Im Unterschied zu Bötzingen, wo noch der zehnthäufigste Name Zimmerlin 44-mal auftritt, oder zur Nachbargemeinde March, wo der zehnthäufigste Name Heitzler noch 35-mal begegnet, sind in Umkirch aufgrund seiner stark durch Zuwanderung gemischten Bevölkerung schon die drei häufigsten Namen viel seltener: Weber heißen 31, Maier 30 und Schmidt 28 Personen.

An vierter Stelle steht Risch (26). Diesen Namen tragen in Deutschland insgesamt circa 4500 Personen, die sich vereinzelt fast überall, häufiger aber in Niedersachsen, in Thüringen und in der Pfalz finden. In Baden-Württemberg sind sie freilich selten, hier konzentrieren sich die meisten in Umkirch, March und Freiburg. In Norddeutschland ist es ein Wohnstättenname zu niederdeutsch risch "Binse, Schilf" und bezeichnet jemanden, der in einem schilfreichen Gelände wohnt. In Süddeutschland ist es ein Übername zum mittelhochdeutschen Adjektiv risch "munter, frisch".

An fünfter Stelle folgt Hirzle (20). Die Hälfte aller Personen dieses seltenen Namens wohnt hier in Umkirch. In Württemberg gibt es zudem etwa 600 Hirzel, und vor allem im Saarland finden sich noch rund 2100 Hir(t)z. In diesen Namen ist die alte Form des Wortes Hirsch erhalten geblieben, die auch beispielsweise im Bergnamen Hirzberg in Freiburg weiterlebt. Es handelt sich um Übernamen etwa für einen Jäger oder auch um Wohnstättennamen für jemanden, der in einem Haus "zum Hirsch" gewohnt hat. Meistens haben diese Namen die heute übliche Form Hirsch (circa 26 400), oder verkleinert Hirschle (690) angenommen.

Den Namen Kirchner (18) tragen insgesamt etwa 27 900 Personen, die sich in Thüringen und den direkt angrenzenden Nachbarregionen von Bayern konzentrieren. Hier ist es die Berufsbezeichnung für den Kirchendiener, der in den dortigen Dialekten bis heute Kirchner heißt, während er anderswo Mesner, Sigrist, Küster, Köster, Oppermann usw. genannt wird. Die Kirchner in Umkirch können aber, wenn sie alteingesessen sind, nicht den Kirchendiener meinen, sonst müssten sie Mesner heißen. Im Südwesten handelt es sich vielmehr um Personen, die nach der Herkunft aus einem der Orte namens Kirchen benannt sind, am wahrscheinlichsten aus dem heutigen Efringen-Kirchen. In der Tat finden sich in Südbaden die meisten Kirchner in der Nachbarschaft dieses Ortes, vor allem in Lörrach, die zweitmeisten dann Freiburg und Umkirch.

Hug (18) heißen Nachkommen von Männern mit dem Rufnamen Hugo. Es ist die typisch südalemannische Form dieses Rufnamens. Die deutschlandweit circa 5000 Personen mit entsprechendem Familiennamen sind in Südbaden konzentriert, dazu kommen viele im Oberelsass und in der Schweiz. In Deutschland wohnen die meisten Hug in Freiburg. In Mittelbaden entspricht ihnen der Familienname Huck, in Nordbaden und in der Pfalz Hauck, in Württemberg Haug.

Bruggner (16) ist eine alemannische Schreibweise von Bruckner. Es gibt circa 3200 Bruckner in Süddeutschland (dazu viele in der Schweiz und in Österreich), aber nur rund 100 Bruggner, von denen ein Fünftel in Umkirch wohnt. Es ist der, der an der Brücke wohnt, und diese heißt im südlichsten deutschen Sprachgebiet bekanntlich Bruck, wie auch Orte an einer Brücke im Süden folglich Innsbruck, Seebrugg, Bruck oder Brugg heißen. Häufiger sind die Familiennamen Brucker (circa 6400) und Brugger (4200). Die Endsilbe -ner kann eine Variante zur Endsilbe -er sein, aber auch auf Ortsnamen wie Bruggen (bei Bräunlingen) zurückgehen, das seinerseits vom alten Dativ "an der Brücken" oder vom Plural "an den Brücken" abgeleitet ist. Nach Norden hin lauten die entsprechenden Namen dann Brücker, Brückner, Brück oder Brüggemann.

Knoll (15) heißen bundesweit etwa 17 200 Menschen. Sie finden sich in ganz Deutschland, am häufigsten in der Pfalz, in Württemberg und Bayern. Im Breisgau wohnen die meisten von ihnen in Freiburg und Umkirch. Der Name leitet sich von dem Wort Knolle ab, das früher auch "Klumpen, Erdscholle" bedeutet hat, und ist, wie beispielsweise auch die Familiennamen Klotz oder Klump, ein bildlicher Übername für beleibte oder für grobe Menschen.

Alle Teile der Namensserie unter badische-zeitung.de/nachnamen
von Konrad Kunze
am Do, 01. September 2016

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