BZ-Serie: Namen in der Region (3)

Die häufigsten Familiennamen in Vörstetten

Gerber, Frey, Winkler und Leimenstoll - der Namensfachmann Konrad Kunze erklärt die häufigsten Familiennamen aus Vörstetten.

VÖRSTETTEN. Seit einem Vierteljahrhundert befasst sich der Sprach- und Literaturwissenschaftler Konrad Kunze mit der Herkunft der Familiennamen. In den nächsten Wochen erklärt er in der BZ, welche Wurzeln Namen haben, die im Breisgau häufig vorkommen und hier als typisch gelten. Heute geht es um die häufigsten Namen in Vörstetten.

Die häufigsten Namen in Vörstetten sind Gerber (38), Frey (33), Winkler (25), Binninger (22), Erschig (21), Kölblin (19), Müller (18), Bühler (17), Schmidt (17), Herr (16), Schneider (16) und Leimenstoll (15). Die insgesamt zirka 16 100 Gerber finden sich hauptsächlich in der Pfalz und in Baden sowie in Ostmitteldeutschland, in Bayern hieß der entsprechende Beruf Lederer, im Norden Loher. Im Breisgau finden sich die meisten Gerber in Emmendingen, Forchheim, Freiburg, Sexau und Vörstetten.

Frey (zirka 33 000) und Frei (6200) sind Namen, die in der Regel einen von der Leibeigenschaft befreiten Bauern kennzeichnen. Doch sind auch Übernamen für sorglose Menschen denkbar, man vergleiche Familiennamen wie Freivogel oder Sorgenfrei. Die Namen sind typisch für Südwestdeutschland, das Elsass und für die Schweiz, wo Frei Platz 14 und Frey Platz 34 der häufigsten Namen einnehmen. Im Breisgau treten sie seltener auf, mit Ausnahme von Vörstetten, wo zwei Prozent der Einwohner so heißen.

Erschig heißen nur etwa 110 Personen, die fast nur hier und in den benachbarten Orten wohnen. Wie viele seltene Namen ist auch dieser Fall ungeklärt. Dass er auf Ortsnamen wie Erzingen oder Ersingen oder auf Rufnamen wie Arzo zurückgeht, ist unwahrscheinlich. Die zirka 360 Kölblin konzentrieren sich in Freiamt, Emmendingen, Teningen und Vörstetten. In Kappel-Grafenhausen und Umgebung begegnen sie in der abgeschwächten Form Kölble (etwa 280). Vermutlich sind die Kölblin nach dem Dreißigjährigen Krieg aus der Schweiz in den Breisgau gekommen und haben von dort die hier ungewöhnliche Endung -lin, die damals in der Schweiz häufig war, mitgebracht. Wie bei dem häufigen Namen Kolb wird es sich um einen Vergleich mit einem Kolben handeln, das heißt um Übernamen für unförmige oder grobe Menschen.

Weitgehend in Baden-Württemberg konzentriert sind die etwa 15 700 Bühler, mit Abstand am dichtesten in Freiamt, wo sie 7,6 Prozent aller Einwohner ausmachen. Die Vorfahren stammen aus einem der vielen Orte namens Bühl oder haben an oder auf einem Bühl gewohnt. Das ist die hier übliche, alte Bezeichnung für einen Hügel. Auch die vielen Biehler, Böhler, Pichler, Pöhlmann gehen auf dieses Wort zurück. Das Wort Hügel hat sich erst seit Martin Luther in der deutschen Sprache durchgesetzt und findet sich daher nicht in Familiennamen.

Hauptsächlich in Südhessen und Baden wohnen die zirka 9200 Herr. Der Name bezieht sich zwar auf einen Herrn, meint aber wie die Familiennamen Kaiser, König und Bischof nicht diesen selbst, sondern dient in der Regel zur Unterscheidung von Bauern, die königliches, bischöfliches oder grundherrliches Gut bewirtschafteten. Es kann auch jemand Herr genannt worden sein, weil er Mitglied der Gemeindeobrigkeit war. Schließlich kommen auch Nachkommen von Männern namens Herrmann in Frage, die man kurz Herr gerufen hat. Dafür sprechen Familiennamen mit den Verkleinerungsformen Herrle und Herrlein, die sich aus zärtlichen Rufnamenformen ableiten lassen.

Leim ist das alemannische Wort für Lehm, und Leim(en)stollen ein Ort, wo man Lehm gegraben hat. Die Vorfahren der etwa 240 Leimenstoll und 40 Leimstoll sind nach ihrer Wohnstätte an einem solchen Ort benannt worden. Ihre Nachkommen wohnen heute fast alle in Vörstetten, Denzlingen, Emmendingen, Teningen und Freiburg. Das Gasthaus Leimstollen bei Leutersberg wurde nach einem Wirt Martin Leimstoll benannt, der 1725 das Schankrecht hierfür erworben hatte.
von Konrad Kunze
am Fr, 19. August 2016

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