BZ-Serie: Nachnamen

Die häufigsten Familiennamen in Wittnau, Sölden und Horben

BZ-SERIE: Die Häufigsten Familiennamen in Wittnau, Sölden und Horben / Für etliche Namen gibt es unterschiedliche Schreibweisen.

HORBEN/SÖLDEN/WITTNAU. Nach Hermann (23) und Schmidt (20) der dritthäufigste Name in Wittnau ist Gutmann (20). Die insgesamt 7050 Gutmann und 1300 Guthmann sind in ganz Süddeutschland verstreut, häufiger in Südhessen und im westlichen Bayern, mit Abstand am dichtesten aber im Münstertal, wo 6,5 Prozent aller Einwohner Gutmann heißen, und von hier sind sie nach Wittnau gekommen.

Der Familienname kann auf den alten germanischen Rufnamen Gutmann zurückgehen. Es kann auch ein ehrenvoller Übername für einen rechtschaffenen Menschen sein, vor allem aber eine Bezeichnung für einen freien, ritterbürtigen Mann. Boni homines heißen im Mittelalter freie, im Waffendienst stehende Leute, aus denen sich die Ritterschaft rekrutiert.

Die Namen Steiert (16) und Batt (16) werden in dieser Serie an anderer Stelle besprochen. Buttenmüller (13) heißen insgesamt nur etwa 120 Personen, außer in Wittnau noch in Freiburg, Gottenheim und Friesenheim. Es wird wohl ein Müller mit einer Bütte gemeint sein, wobei die näheren Umstände, die zu diesem Namen führten, nicht mehr geklärt werden können. Die Grammelspacher (12), insgesamt etwa 60 Personen, auch in Bollschweil zu finden, stammen aus Gremmelsbach bei Triberg. In Staufen heißen sie Gramelspacher, in Stegen und St. Peter Gremmelspacher, in Kirchzarten Gremmelsbacher. Der häufige Name Drescher (circa 14 000), ein Berufsname für den Drescher, wird in etwa 800 Fällen auch Trescher geschrieben, am häufigsten in Freiburg, Kirchzarten und Wittnau. Die übrigen sind in Süddeutschland verstreut.

In Sölden einheimisch sind die Kern (25). Es ist ein häufiger (39 800 Personen) süddeutscher Übername des Getreidebauern, im Unterschied zum Obst- oder Gemüsebauern, oder aber ein ehrender Übername eines charakterfesten Menschen. Im Breisgau findet er sich am dichtesten in Freiamt, wo 4,2 Prozent aller Einwohner so heißen, sodann in Sexau und in Sölden.

Auch Wetzel (18) ist ein insgesamt sehr häufiger Name (rund 17 400 Personen). Er ist vor allem in Thüringen und Sachsen sowie in Baden-Württemberg zu Hause. In Südbaden massiert er sich besonders im Wiesental. Es ist eine Koseform des Rufnamens Werner. Uhl (16) gibt es insgesamt bei 11 900 Personen. Es handelt sich um eine südwestdeutsche Kurzform von Ulrich. Mit der alemannischen Verkleinerungssilbe -le wird daraus über Üele der Name Jehle (4400 Personen). Er findet sich vor allem im Hotzenwald und am Hochrhein, aber auch in Sölden (12). Es gibt ungefähr 350 Personen namens Gerteis, Gerteisen und Gerteiser. Sie konzentrieren sich am Hochrhein in Laufenburg und Albbruck, einige Gerteisen finden sich in Merdingen und Freiburg, 12 Gerteiser in Sölden. Es ist ein Übername für den Bauern oder Hirten, der das Vieh mit dem Garteisen, einem Treibstecken, zur Weide trieb. Kugel (20) könnte im Einzelfall ein Übername für einen rundlichen Menschen oder für einen Kegelspieler sein. Aber weil in Dialekten wie dem Alemannischen K und G nicht unterschieden werden, ist es wahrscheinlicher, dass es eine Variante von Gugel ist. Kugel (2900 Personen) und Gugel (1600) finden sich beide in Baden-Württemberg und Bayern. Zusammengesetzte Familiennamen wie Leinenkugel, Filzkugel oder Rothkugel zeigen, dass es sich um die Gugel (lateinisch cuculla), einen Kapuzenmantel handelt, und daher um Übernamen für den Schneider, der solche Mäntel herstellte oder für jemanden, der sie trug.

Die etwa 480 Sprich sind im Markgräflerland und im Wiesental zu Hause, 11 auch in Sölden. Der Name ist zweifellos von sprechen abgeleitet, am ehesten dadurch, dass jemand ständig "sprich" sagte und von dieser Gewohnheit seinen Übernamen bekam.

In Horben häufig sind Rees (38), Wießler (26) und Asal (25). Wießler wird bei den Namen von Bollschweil besprochen. Rees (1900 Personen) ist eine südwestdeutsche Abkürzung von Andreas. Die meisten Rees finden sich im Breisgau, in Oberried tragen 2,5 Prozent der Einwohner diesen Namen. Asal, rund 1250 Personen, ist ein typischer Name aus dem Wiesental. So heißen in Todtnau 1,3 Prozent der Bevölkerung. Es handelt sich um Nachkommen eines Mannes mit dem Rufnamen Oswald, der im südalemannischen Dialekt zu Asal wurde.

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von Konrad Kunze
am Mi, 31. August 2016

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