BZ-Serie

Die häufigsten Namen aus Bötzingen

BZ-SERIE: Die häufigsten Familiennamen in Bötzingen haben mit früheren Rufnamen, Berufen oder auch mit Orten zu tun, aus denen Menschen zugewandert sind.

BÖTZINGEN. Seit einem Vierteljahrhundert befasst sich der Freiburger Sprach- und Literaturwissenschaftler Konrad Kunze mit der Herkunft unserer Familiennamen. In einer BZ-Serie erklärt er, welche Wurzeln Namen haben, die in der Region häufig vorkommen. Heute geht es um die häufigsten Namen in Bötzingen.

Die meisten Einwohner hier heißen Jenne (115), Höfflin (90), Schulz (79), Meier (75), Kanzinger (71), Lay (55), Dier (51), Ambs (47), Schönberger (45) und Zimmerlin (44). Die Meier und die Höfflin werden in dieser Serie in eigenen Artikeln besprochen. Von den bundesweit 1100 Jenne konzentrieren sich die meisten in Bötzingen (2,6 Prozent der Bevölkerung), die zweitmeisten in Freiburg, die drittmeisten in Ebringen. Es sind Nachkommen von Männern namens Johannes, der alemannisch kurz Jenni gerufen wurde, was sich später zu Jenne abgeschwächt hat. In einigen Familiennamen Südbadens hat sich die alte Form Jenni, Jenny gehalten, in der Schweiz ist sie noch die Regel (rund 7500 Personen).

Schulz(e) ist eine nordostdeutsche Kurzform des Wortes Schultheiß, einer Bezeichnung für den Ortsvorsteher. Als Familiennamen sind die circa 250 300 Schul(t)z und 113 200 Schulze in Nordostdeutschland (vor 1945 auch östlich von Oder und Neiße) zu Hause. Das Schulz-Nest in Bötzingen ist daher am ehesten durch Zuwanderung zu erklären. Ein weiterer Berufsname, nämlich für den Zimmermann, ist Zimmerlin. Am Westrand des deutschen Sprachgebietes hieß der Zimmermann kurz Zimmer, was sich in Luxemburg, im Raum Trier, im Saarland, im Elsass und in der Schweiz im häufigen Familiennamen Zimmer niederschlug. In der Verkleinerungsform Zimmerlin muss der Name nach dem Dreißigjährigen Krieg aus der Schweiz nach Bötzingen gekommen sein. Hier hat er sich erhalten, während er in der Schweiz zu Zimmerli (circa 2600 Personen) abgeschwächt wurde. In der Pfalz und im Raum Stuttgart erscheint er als Zimmerle (rund 290 Menschen). Von den bundesweit etwa 190 Kanzinger wohnt mehr als ein Drittel in Bötzingen. Der oder die Vorfahren müssen aus Kenzingen gekommen sein. Dort, wo sie sich niederließen, sprach man den Ortsnamen wie heute noch am Kaiserstuhl als Kanzingen aus und nannte die Zugezogenen nach ihrer Herkunft.

Es gibt 7300 Schönberger, überwiegend in der Oberpfalz, viele im Westerwald, im Saarland und hier. In Norddeutschland entsprechen ihnen circa 2900 Schönberg. Ihre Vorfahren stammen aus einem der über 40 Orte namens Schönberg in Deutschland, oder sie wohnten an oder auf einem der vielen Berge dieses Namens. Es kann kaum der Schönberg im Breisgau gewesen sein, denn dieser hieß, als die Familiennamen entstanden sind, noch Schinberg.

In Deutschland heißen etwa 3100 Personen Lay und 660 Lai. Sie wohnen hauptsächlich im Saarland, in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Im Breisgau finden sie sich in Bötzingen, Ihringen und Freiburg. Dem Namen kann das alte Wort Lei(e) "Fels, Schieferstein" zugrunde liegen, dann bedeutet er "der am Felsen wohnt". Möglich ist auch eine Dialektform von Löwe. Dann wäre es wie die Namen Löw, Löwe und Leu ein Übername für starke oder tapfere Menschen.

Von den bundesweit rund 800 Dier wohnen die meisten im Saarland, in und um Trier sowie in Bötzingen. Es ist, jedenfalls hier, eine Variante des Namens Dirr (circa 1700), der hauptsächlich zwischen Iller und Lech, aber auch in Wyhl und Endingen auftritt. Er bedeutet wie die häufigeren Namen Dürr und Dörr, "der Magere, Dürre". Ebenfalls ein Übername, und zwar für besonders fleißige Menschen, ist Ambs. Er bedeutet nichts anderes als Ameise. Die insgesamt rund 1500 Ambs wohnen hauptsächlich in Bötzingen, Gottenheim, Freiburg und Waldkirch. In Mittelbaden, etwa in Rheinhausen und Lahr, finden sich noch circa 1400 Ams.

Die rund 330 Konstanzer wohnen im Süden Baden-Württemberg, viele in Bötzingen, Ihringen und Freiburg. Der Name zeugt davon, dass Vorfahren vor 600 bis 800 Jahren aus Konstanz zugewandert sind, so wie die der circa 580 Sexauer, von denen die meisten in Endingen, Bötzingen und Lahr leben, aus Sexau.

Alle Teile der Namensserie unter badische-zeitung.de/nachnamen
von Konrad Kunze
am Fr, 28. Oktober 2016

Badens beste Erlebnisse